So wird mein 2019 (nicht) – Die etwas andere Jahresplanung

Blog schliessen

Jetzt beginnt wieder diese nervige Zeit des Jahres, in der alle ihre erreichten Ziele abchecken, einen Rückblick auf das vergangene Jahr werfen und überschwänglich von guten Vorsätzen und Zielen reden. Nervig ist es deshalb, weil ich im Laufe der Zeit festgestellt habe, dass vieles davon einfach nur heiße Luft ist.

Manche Menschen stecken sich Ziele, da kann ich nur mit den Ohren schlackern. Verstehe mich nicht falsch, auch ich habe Ziele, manchmal sehr mutige, manchmal nicht erreichte. Aber im Grunde immer realistische. Ich finde es auch toll, wenn du Visionen hast, groß denkst und nach den Sternen greifen willst. Und wenn du diese Ziele dann zu Jahresbeginn auch noch mutig ankündigst – ok.

Allerdings kann ich mittlerweile nur noch mit den Augen rollen, wenn ich hier und da auf einem Blog lande und die Jahresrückblicke oder Jahresplanungen der vergangenen Jahre durchlese und im Nachhinein feststelle, dass fast alles davon einfach nur heiße Luft war und Augenwischerei für die Leser. Einfach weil es cool klingt.

Auch bei Frau Chefin werde ich jedes Jahresende und immer öfter auch zwischendurch gefragt, was denn meine Ziele für das kommende Jahr sind. Ganz nach dem Motto: Der Jahreswechsel ist ein Neuanfang und damit bekommst du Ideen und Energie schubkarrenweise geliefert. Da musst du doch große Visionen haben!

Nun, ich muss dir ehrlicherweise sagen: So ist es bei mir nicht. Am 31.12. arbeite ich seit Jahren, feiere danach mit Kollegen und Familie ins neue Jahr und freue mich dann erstmal nur auf mein Bett. Große Pläne? Gute Vorsätze? Gar große Visionen? Fehlanzeige. Ich möchte das neue Jahr einfach erstmal ruhig angehen.

Ein kleiner Rückblick ins Jahr 2018

Einen kleinen Rückblick auf das vergangene Jahr zu werfen, schadet in der Regel nicht und gibt dir einen guten Überblick darüber, wo du eigentlich stehst. Wie war 2018 für mich und Frau Chefin?

Ich hatte tolle Erfahrungen, viele Ziele erreicht und ein großes Ziel nicht erreicht. Ich habe viel Geld und wahnsinnig viel Zeit in den Blog investiert, die Ausrichtung komplett geändert – und dafür unheimlich viel privat verpasst. Ich habe Prioritäten gesetzt, die ich im Nachhinein nicht nochmal so setzen würde, mehr gearbeitet, als ich es wollte und landete im Sommerloch auch direkt in meinem übelsten Motivationsloch, das ich jemals hatte.

Ich habe mich wieder aufgerappelt, „Ich mach‘ das jetzt“ gelauncht, die Heldinnen-Schmiede auf Kurs gebracht und viel Zeit in Pinterest gesteckt. Ich habe meine Social-Media-Strategie komplett überarbeitet, viele Pläne verworfen und angefangen mich wieder auf mich selbst zu konzentrieren. Ich habe mir bewusst gemacht, was mir Frau Chefin bedeutet, warum ich den Blog überhaupt ins Leben gerufen habe und wohin ich damit noch möchte.

Mein 2018 war insgesamt durchwachsen und geprägt von vielen Höhen und Tiefen, die meine „traditionell angehauchte“ Jahresplanung so nicht vorgesehen hatte. Und weil ich bereits im Sommer merkte, dass bei mir gerade irgendwas gewaltig schief läuft, habe ich die Art meiner Jahresplanung im Detail analysiert und komplett auseinander genommen. Herausgekommen ist die „etwas andere Jahresplanung“, die ich in den vergangenen Monaten getestet habe und für mich super funktioniert hat. Vielleicht ist sie auch etwas für dich?

Von Frust und Freude einer Jahresplanung

Auf die Gefahr hin, dass du jetzt schockiert schaust: Ich halte grundsätzlich nichts von einer in zig Stichpunkten ausgetüftelten Jahresplanung – und noch weniger von 4-Jahres-Plänen. Warum?

Ich habe nichts gegen Ziele! Pläne liebe ich über alles, aber ich plane auch nichts, bei dem ich mir am Jahresbeginn schon sicher sein kann, dass es doch sowieso anders kommt. Unsere heutige Zeit ist wahnsinnig schnelllebig geworden. Und besonders in einer Selbstständigkeit ergeben sich ständig neue Chancen und andere Türen gehen auf, als wir erwartet oder damit gerechnet haben.

Zumindest geht es mir seit Jahren so. Und nach ein paar Monaten  – meistens zur Jahresmitte – habe ich dann sehr, sehr oft folgendes festgestellt:

  • Dass ich entweder meine Ziele zu niedrig gesteckt habe – und ich dann gar keine wirkliche Freude daran hatte, dass ich sie erreicht habe.
  • Dass ich mir Ziele viel zu hoch gesteckt habe – und ich dann wahnsinnig enttäuscht von mir selbst war, weil ich es nicht mehr in dem laufenden Jahr schaffen werde.
  • Dass einige Ziele für mich überhaupt nicht mehr interessant waren –  ich sie aber trotzdem monatelang mit mir herumgeschleppt habe und versucht habe, daran zu arbeiten.
  • Dass sich durch neue Möglichkeiten neue Ziele ergeben haben, die ich ursprünglich nicht in meiner Planung hatte.

Die Ziele, die ich mir zu Jahresbeginn vorgenommen und dann auch erreicht habe und zudem Freude daran hatte, waren mit jedem Jahr der Selbstständigkeit geringer. Was definitiv nicht daran liegt, dass mir meine Selbstständigkeit keinen Spaß mehr macht, oder ich mir falsche Zielsetzungen ausgesucht habe.

Jahresplanung SelbststaendigkeitNein, ich denke, es liegt einfach daran, dass ich mittlerweile ein Level für mich erreicht habe, mit dem ich gut zurecht komme und glücklich bin. Alles darüber ist genial und quasi ein Bonus on top. Nur habe ich das lange Zeit so nicht gesehen. Ich habe mir zugegenermaßen selbst dadurch unheimlichen Druck gemacht, dass ich doch unbedingt höhere Ziele anstreben müsse, weil „man das eben so macht“ und man sonst keine knallharte und ernstzunehmende Unternehmerin ist. Denn schließlich liest man überall, dass man sich Jahresziele vornehmen soll, die messbar sind und über denen des aktuellen Jahres liegen. Man soll immer nach höherem streben…

Aber was habe ich davon, wenn ich mich über erreichte Ziele nicht richtig freuen kann und jedes Jahresende ich mich zudem auch noch schlecht fühle, weil ich Ziele nicht erreicht habe? Schließlich ist es doch in der Regel so, dass man sich weniger über die erreichten Ziele freut, als sich über die unerreichten zu ärgern. Also, was bringt mir das?

Nichts. In meinen Augen.

Meine Jahresplanung 2019 – die etwas andere Jahresplanung

Gerade beschriebene Erkenntnis kam mir übrigens erst nach vier Jahren Selbstständigkeit. Ich habe zwar schon seit Jahren anders geplant, als andere Menschen, aber das auf meine Jahresziele runterzubrechen – die Idee ist mir dann doch recht spät gekommen…Ähäm…

Also: Wie mache ich denn nun meine „Jahresplanung“?

Ich werde für 2019 keine Jahresplanung mit zig Stichpunkten machen, die ich dann auf noch mehr Stichpunkte für jeden Monat herunterbreche, um meine Teilziele zu bestimmen.

Ich nehme mir zwei, maximal drei Ziele für das kommende Jahr vor. Für 2019 stehen darauf lediglich diese Punkte:

  • Von Frau Chefin leben können.
  • Einfach glücklich sein – sowohl beruflich als auch privat.

Wie du siehst, ich schreibe nicht dazu, warum ich das möchte – das weiß ich auch so – und auch keine konkreten Zahlen. Das brauche ich für meine Jahresplanung nicht. Ich weiß, ab welchem Punkt ich von Frau Chefin leben kann, ab wann ich gut leben kann und ab wann ich im Geld schwimmen würde 😉

Was macht das für einen Unterschied?

Kopfmäßig für mich einen gewaltigen! Am Jahresende stelle ich dann nämlich zum Beispiel fest: „Ja, ich kann von Frau Chefin leben!“ sprich, Ziel erreicht. Wenn ich jetzt aber schreiben würde: „Jeden Monat 3000€ Umsatz mit Frau Chefin machen“ und ich habe dieses Ziel nur in neun von zwölf Monaten erreicht, kann aber dennoch davon leben, dann ärgere ich mich trotzdem darüber, dass ich mein Ziel nur in neun Monaten von zwölf erreicht habe. Das ist für mich einfach so eine Kopfsache.

Zurück zu den Zielen: Diese zwei erstmal unscheinbaren Ziele hänge ich mir dekorativ aufgepimpt dann an die Wand, so dass ich sie jeden Tag sehe und sie mich darüber hinaus auch noch optisch entzücken. (Das macht wahnsinnig viel in deinem Kopf, glaub mir!).

Und dann?

Plane ich monateweise. Aber nicht im eigentlichen Sinn, dass ich meine Jahresziele akribisch auf jeden Monat herunterbreche. Also zum Beispiel: Im Januar 500€ Umsatz, im Februar 750€, … im Dezember 4000€ Umsatz.

Ich plane NUR den Januar!

Dort stehen dann auch konkrete Zahlen darauf – schließlich weiß ich genau, wie ich meine Ziele erreichen kann und will. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

JANUAR 2019
  • 10.000 Blogaufrufe knacken
  • eine neue Kooperation an Land ziehen
  • 4 neue Kundinnen gewinnen

Am Ende des Monats überprüfe ich dann, welche Ziele geklappt haben, welche nicht und warum. Der Unterschied für mich ist bei meiner Methode, dass ich zum Einen einen Monat besser überschauen kann und die Entwicklung besser einschätzen kann. Ich stecke mir weitaus realistischere Ziele und bin nicht total gestresst davon, wenn ich ein Ziel nicht erreicht habe.

Zudem hat es den Vorteil, dass ich weitaus flexibler bin – und sei es nur rein gefühlsmäßig. Wenn ich beispielsweise merke, dass ich einfach wahnsinnig Bock drauf habe, eine Challenge durchzuführen, dann kommt diese auf die Zielplanung für den kommenden Monat. In einer vorausschauenden Jahresplanung wäre diese vielleicht gar nicht vorgekommen, oder ich hätte zu dem Zeitpunkt, an dem ich sie im Dezember eingeplant habe, eventuell gar keine Lust darauf gehabt.

Klingt nach Lust- und Laune-Planung?

Das mag vielleicht so rüberkommen, ist es aber absolut nicht. Ich denke einfach nur monateweise und kann so immer auf aktuelle Umstände und sich ergebende Möglichkeiten reagieren. Aber ich verliere nicht meine großen Ziele aus den Augen. Sie sind nur weniger in absoluten, messbaren Zahlen verankert und dafür mehr an ein Lebensgefühl  – Zufriedenheit – gekoppelt.

Jahresplanung SelbststaendigkeitIch finde, wir selbstständigen Frauen machen uns ständig und das ganze Jahr über viel zu viel Druck. Wir haben Großes vor, was absolut toll ist, vergessen dabei aber auch, einfach nur wir selbst zu sein – und zufrieden mit dem zu sein, was wir bereits erreicht haben. Vielleicht findest du Gefallen an meiner etwas unkonventionellen Jahresplanung – vielleicht auch nicht (Stichwort: Kommentare).

Eine Selbstständigkeit ist ohnehin streckenweise anstrengend genug, da finde ich, dass wir uns nicht noch zusätzlich von Zahlen verunsichern lassen sollten. Wir sollten einfach mal stolz auf uns sein, auf all das, was wir das ganze Jahr geleistet haben, statt uns zu grämen, wenn wir unser Ziel nur knapp verfehlt haben.

Mein 2019 wird nach meiner neuen Methode definitiv entspannter. Allein die vergangenen Monate hatten für mich schon einen großen Aha-Effekt. Das Motto für 2019 wird für mich sein: „Weniger Druck, dafür mehr Freude und Zufriedenheit!“.

Wie soll dein 2019 werden? Und wie machst du deine Jahresplanung?

Werde jetzt Teil der Frau-Chefin-Backstage-Crew und verpasse keine neuen Inhalte mehr!

7 Gedanken zu „So wird mein 2019 (nicht) – Die etwas andere Jahresplanung

  1. Ich habe – aus Gründen – die letzren 3 Jahre meiner jetzt 12-jöhrigen Selbstständigkeit ‚geackert wie ein Pferd‘. Nebenbei Haus, Hof und Kind versorgt. Ich bin stolz darauf, das alles geschafft zu haben, aber mit Ende 40 merke ich, dass langfristige Planungen in dieser privaten wie beruflich schnelllebigen Zeit eher hinderlich sind und einen kaputt machen können. Flexibilität, Empathie und Anpassungsfähigkeit sind heute mehr wert als jede langfristig strategische Planung.
    Ich habe ein großes Thema, an dem ich 2019 arbeiten werde: „Keep calm and carry on!“ Also, Gelassenheit in schwierigen Situationen. Letztendlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird (alter Spruch meiner Oma). Und um noch ein Mantra für 2019 zu gegerieren: „Nen Scheiß muss ich!“ Auf sich und seine innersten Bedürfnisse zu hören ist ein guter Ansatz, um mit sich im Reinen zu bleiben und gut zu leben

    Alles Gute für 2019

  2. Liebe Isabelle,
    deine Jahresplanung klingt einfach perfekt! Natürlich ist jeder anders gestrickt und braucht auch einen anderen Antrieb. Aber ich brauche auch die eher andere Jahresplanung und konkret nur die Ziele der kommenden 1-3 Monate. Alles, was darüber hinaus kommt, ist mir persönlich auch zu weit weg und wie du schreibst: Wir leben in so einer schnelllebigen Zeit! Ich dachte vor 3 Monaten auch noch nicht, dass ich 3 zusätzliche Kunden bekommen würde und habe das sicher auch nicht geplant. Und siehe da: Seit Oktober läuft es rund, ganz ohne Ziel 🙂
    Ich wünsche dir ebenfalls alles gute für 2019 und freue mich auf viele weitere Inhalte von dir!
    Liebe Grüße
    Magdalena

    1. Liebe Magdalena,

      das klingt großartig! Herzlichen Glückwünsch zu diesem scheinbar etwas unerwartetem Erfolg 🙂
      Manchmal befreit es auch, nicht zu viele Ziele zu haben, sondern einfach mal zu machen…

      Liebe Grüße
      Isabelle

  3. Liebe Isabelle,
    nachdem ich mein Unternehmen in den ersten drei Jahren eher auf Sparflamme gefahren habe – auch, weil es noch so viel anderes zu tun gab und ich es nicht nötig hatte, von meinen Einnahmen zu leben – habe ich in diesem Jahr das Ziel, von meiner Arbeit „leben zu können“. So einfach hast Du es zumindest ausgedrückt.
    Zur Jahreswende habe natürlich auch ich das letzte Jahr reflektiert und in die Zukunft geblickt und versucht, das neue Jahresziel zu definieren. Denn es soll ja alles viel einfacher werden, wenn man das eigene Ziel erstmal formuliert hat.
    Soundsoviel Kund_innen im Monat akquirieren, soundsoviel Umsatz machen, dieseundjene Weiterbildung absolvieren undundund. Irgendwie schon klar und deutlich, aber irgendwie auch funktionell.
    Das „Metaziel“, von meiner Arbeit leben zu können, fasst all diese funktionalen Aspekte unter einen Oberbegriff zusammen – und gibt damit den Sinn zurück, der bei den vielen Einzelzielen fast verloren gegangen ist.
    Ich weiß nicht, genau, ob Du es so gemeint hast – aber so macht es für mich Sinn und ist anwendbar. Wenn ich all das, was ich tagtäglich an neuen Tageszielen plane, nicht unter ein größeres „zu-erreichen-Ziel“ ordne, sondern unter meine ganz persönliche Priorität „ICH WILL DAVON LEBEN KÖNNEN“, dann gewinnt jede geplante Aktion an Sinn und damit auch an Kraft.
    Ganz liebe Grüße
    Sabine

  4. Hallo liebe Isabelle,
    es hat mich sehr gefreut, dass ich auf diesen Artikel gestoßen bin. Ich finde deine Erörterung einfach passend und muss dir in vielen Punkten einfach zustimmen. Oft ging es für mich in der Vergangenheit genauso, bis ich gelernt habe, dass der Weg das Ziel ist. So bin ich immer glücklich & zufrieden, strebe aber nach mehr.
    Alles Gute für deine Ziele und das Jahr 2019!
    Liebe Grüße
    Felix

Schreibe einen Kommentar