Fragen Selbstständigkeit, selbstständig machen

Warum du auch mit einem Onlinebusiness Öffnungszeiten haben solltest

Rollen wir mal ein Thema auf, das bei einigen Selbstständigen ganz selbstverständlich ist, bei Online-Unternehmerinnen aber auch bei vielen Selbstständigen immer wieder und gerne diskutiert wird: Öffnungszeiten.

Während die Selbstständigen, die einen Laden besitzen, als Dienstleisterinnen viel mit anderen Firmen zusammen arbeiten, oder Zuliefererinnen sind und dadurch oftmals an konventionelle Arbeitszeiten – sprich 9 to 5 – gebunden sind, verschwimmen die Grenzen zwischen Feierabend, Öffnungszeiten und Arbeiten hingegen bei vielen Branchen und vor allem bei Online-Unternehmerinnen gewaltig.

Online sind wir nämlich – wenn auch nicht physisch – 24 Stunden am Tag, jedes Wochenende, jeden Feiertag und auch in jedem Urlaub. Wir sind 365 Tage im Jahr präsent. Durch Beiträge, einen Blog, Videos und und und. Selbst wenn wir uns selbst „Öffnungszeiten“ auferlegen – alleine schon aus Selbstschutz – sind wir nicht von der Bildfläche verschwunden.

Wenn mein Mann Feierabend hat, ist das ein anderer Feierabend als bei mir. Er lässt buchstäblich an Schichtende den Hammer fallen, setzt sich ins Auto und hat seine Ruhe bis er am nächsten Tag wieder über die Schwelle seiner Arbeitsstätte tritt. Wenn er zuhause ist, dann ist er zuhause – basta.

Von Selbstverständlichkeiten, die keine Selbstverständlichkeiten mehr sind

Als Online-Unternehmerin ist das ein bisschen anders. Wir arbeiten – obwohl wir weltweit präsent sind – im Verborgenen. Oftmals wird uns unterstellt, wir würden gar nicht arbeiten, weil wir den ganzen Tag zuhause sind. Die Verlockung und die Gefahr ist hoch, einfach mal nur noch kurz abends oder am Wochenende an den Schreibtisch zu gehen bzw. dann, wenn du dir gesagt hast, dass du jetzt Feierabend hast. Genauso groß ist die Verlockung, einfach nur zu arbeiten, wenn du Bock drauf hast – egal um welche Uhrzeit.

Ich lebe in gewisser Weise mit meinem Business zusammen, indem mein Büro im Haus ist. Eine bewusste Entscheidung meinerseits, die ich nicht ändern möchte. Dennoch bin ich der Ansicht, dass auch ich Öffnungszeiten und Feierabend haben darf und auch muss, sonst gehe ich irgendwann auf dem Zahnfleisch. Allerdings hat die Dauerpräsenz durch meinen Blog, meine Beiträge und Social-Media-Posts den kleinen Nachteil, dass nicht nur Dauerpräsenz „vorgegaukelt“ wird, sondern auch, dass diese tatsächlich von mir erwartet wird. Kein Scherz.

Öffnungszeiten als SelbstständigeEigentlich sollte jedem einleuchten, dass man als Online-Unternehmerin nicht 24 Stunden am Tag erreichbar ist. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass ich nicht immer online bin – auch wenn das vom Web suggeriert wird. Und eigentlich sollte es auch selbstverständlich sein, dass ich mal einen Feierabend, ein Wochenende und sogar mal Urlaub habe – wenn sie auch nicht unbedingt zeitlich in die eines „normalen“ Arbeitnehmers oder Selbstständigen passen.

Ich schreibe „eigentlich“ weil es doch mal wieder anders ist 😉 Zum Beispiel habe ich schon Nachrichten per Facebook bekommen, warum ein Beitrag, der Freitags abends um kurz vor Mitternacht verfasst wurde, montags morgens noch nicht in der Gruppe freigeschaltet ist. Oder auch, warum ich nicht schneller auf Emails antworte, immerhin hätte ich ja riechen müssen, dass es dringend ist (vor allem dann, wenn kostenlos mein Wissen angezapft werden will).

Ganz zu schweigen von der Ansicht, dass Mails, die morgens zu üblichen Bürozeiten geschrieben werden, asap (ich hasse dieses Agenturgefasel) beantwortet werden müssen – weil es schließlich eine Bürozeit ist, in der man gefälligst am Schreibtisch zu sitzen hat. (Mit dem erhobenen Zeigefinger streng wedel *Ironie Ende).

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich sehe es nicht (mehr) ein, mich für diese Dinge zu rechtfertigen. Und du kannst mir glauben, das war ein echt langer Weg. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, habe mich entschuldigt und lange klein beigegeben. Bis es dann endlich klick gemacht hat.

Wir haben nicht die Selbstständigkeit gewählt, um uns wieder in feste Strukturen pressen zu lassen

Weder du noch ich. Wir versprechen uns von unserer Selbstständigkeit einen gewissen Grad an Freiheit und Selbstbestimmung und das fängt – zumindest für mich – bei solch kleinen Dingen an, wie zum Beispiel dass ich dann meine Nachrichten beantworte, wenn es MIR zeitlich in den Kram passt und nicht wenn es die Uhrzeit sagt. Dass ich dann arbeite, wenn ich a) den Kopf dazu habe oder b) das Kind schläft. Und beides richtet sich in meinem Fall nicht nach einem festgezurrten Tagesplan.

Ich sage es ehrlich: Ich habe keinen Bock auf strikt geregelte Arbeitszeiten, nur weil es der Usus verlangt, da zu arbeiten. Ich habe auch keine Lust, mich mit dickem Kopf (weil müde) an den Schreibtisch zu schleppen und dort durch Anwesenheit zu glänzen, nur weil das von irgendwelchen Menschen, die ich nicht mal kenne, erwartet wird.

Ich arbeite häufig abends und am Wochenende als Tontechnikerin. Manchmal komme ich erst morgens um halb vier nach Hause, habe 15 und mehr Stunden auf dem Buckel und habe dann echt anderes im Kopf (zum Beispiel schlafen, Zeit mit der Familie, Haushalt), als Mails zu beantworten. Das bekommt in der Regel nur niemand mit, dass ich nicht faul auf der Couch lag, weil ich das nicht in den „sozialen“ Medien verbreite…

Ich finde es daher vollkommen legitim, dass ich auch an einem Wochentag mal keine Nachrichten beantworte, dass ich nicht sofort antworte und auch abends einfach mal die Füße hoch lege. Dieses Recht, denke ich, haben wir ALLE als Unternehmerinnen – nur nutzen wir es zu selten.

Auch Frau Chefin hat Öffnungszeiten

Auch mit Frau Chefin habe ich seit einigen Monaten Öffnungszeiten. Sie stehen auf keinem Profil und auch nicht auf dem Blog. Vielleicht mache ich das irgendwann offiziell – vielleicht auch nicht. Aber ich weiß für mich, wann ich erreichbar bin und wann nicht.

Es kann also durchaus sein, dass ich wie jetzt morgens um 6.34 Uhr einen Artikel schreibe, aber offiziell noch geschlossen habe. Mein Smartphone habe ich so eingestellt, dass ich „nur“ von 9 Uhr morgens bis 22 Uhr abends Nachrichten mit Klingelton erhalte. Dennoch versuche ich nach 18 Uhr keine Nachrichten mehr zu beantworten. Da ich in unserem wunderschönen Schwarzwaldkaff nur Handyempfang habe, wenn ich im Garten hinten am Baum stehe (kein Witz), habe ich also auch tagsüber meine Ruhe. Wichtige Auftraggeber haben für dringende Fälle meine Festnetznummer bekommen, die jedoch sehr selten angerufen wird.

Telefontermine für die Heldinnen-Schmiede vereinbare ich so, wie es für mich in meinen Tag passt. Alle anderen Dinge laufen über Emails oder auch mal über Facebook-Messenger. Und ja, es hat auch wahnsinnig lange gedauert, bis ich an diesem Punkt war, aber Emails rufe ich nur noch zwei Mal täglich ab und versende diese auch nur zwischen 9 und 18 Uhr.

Sollte ich – so wie jetzt – außerhalb meiner Öffnungszeiten arbeiten, dann mache ich das im Verborgenen und schicke meine Mails erst nach 9 Uhr ab und beantworte vorher auch keine Nachrichten auf meinen Social-Media-Kanälen.

Mein Weg bis zu diesem Punkt war lange – deshalb bekommst du von mir die Abkürzung:

Öffnungszeiten für alle!

Auch als Online-Unternehmerinnen sollten und dürfen wir Öffnungszeiten haben. Und wenn es nur deine persönlichen sind und diese nicht nach außen kommuniziert werden. Es ist einfach unheimlich wichtig, abzuschalten und es für einen Tag mal „gut sein zu lassen“.

Hier habe ich dir ein paar Möglichkeiten, was du als Selbstständige tun kannst, um dir selbst Öffnungszeiten und einen Feierabend zu schaffen:

  • Abends und am Wochenende nicht auf Emails antworten.
  • Telefonische Erreichbarkeit (wenn möglich) auf das Minimum reduzieren – Abhilfe schafft auch ein Anrufbeantworter.
  • Am besten Telefonnummer von der Webseite nehmen.
  • Telefontermine vereinbaren – dann kannst du konzentrierter arbeiten und hast wirklich Zeit, wenn das Telefonat statt findet.
  • Wenn du es einfach nicht lassen kannst und abends und am Wochenende Mails beantwortest, dann schicke sie erst am Montag bzw. am nächsten Morgen raus.
  • Kunden „erziehen“. Sprich, kommunizieren, dass du nur per Mail erreichbar bist oder nach Absprache telefonisch.
  • Beantworte Emails nicht immer sofort – auch wenn du noch „geöffnet“ hast, das bringt dich sonst in Stress, wenn du gerade Feierabend machen möchtest.
  • Dir für deinen Tag einen Zeitraum festlegen, in dem du auf Nachrichten antwortest.

Öffnungszeiten haben auch etwas mit Zeitmanagement zu tun…

…denn du teilst dir deine Zeit bewusster ein und sendest so an deinen Kopf „Hey, jetzt ist Arbeitszeit“, was es dir nicht nur grundsätzlich einfacher macht, motivierter an Aufgaben zu gehen, sondern auch an Tagen, an denen der Schweinehund mal gerne zuschlägt.

Zeitmanagement heißt aber nicht nur, dass du dir deine Arbeitszeit einteilst und für diese ein Bewusstsein schaffst, sondern auch, dass du dir deinen Feierabend einplanst und für dich persönlich eine Grenze da ist, wann Arbeitszeit und wann Freizeit ist. Gerade wenn du deinen Job liebst und es sich nicht wie Arbeit anfühlt, neigt man gerne dazu, viel zu viel zu arbeiten.

Öffnungszeiten als Selbstständige

Allein dadurch, dass du dir selbst sagst, wann du arbeitest und wann nicht, wenn du – auch nur für dich – selbst bestimmst, wo die Grenzen zwischen „ich habe jetzt offiziell geöffnet“ und „ich habe Feierabend“ liegen, macht das unheimlich viel mit dir in deinem Kopf. Du hast die Chance endlich mal abzuschalten – und das mit gutem Gewissen und machst dir keinen Druck, wenn du nicht sofort auf eine Nachricht antwortest.

Außerdem arbeitest du konzentrierter und schaffst dadurch auch mehr in weniger Zeit, was dir durchaus entgegen kommen müsste, da wir grundsätzlich gefühlt immer zu wenig Zeit haben. Vor allem für die Dinge, die wir so gerne machen würden.

Ständige Erreichbarkeit macht dich auf Dauer irgendwann fertig (glaube mir, ich habe das jahrelang exzessiv betrieben). Ich kann dir daher nur aus eigener Erfahrung ans Herz legen, dir für dich, deinen Kopf und dein Business eigene Öffnungszeiten zu bestimmen.

Hast du Öffnungszeiten als Selbstständige? Und kommunizierst du diese mit deinen Kunden, oder nutzt du sie mehr für dich, um Grenzen zu setzen?

About the author
Hallo, ich bin Isabelle! Bloggerin, Unternehmerin, Mama und der kreative Kopf hinter Frau Chefin. Vor mehr als zwölf Jahren habe ich angefangen, mich intensiv mit dem Thema „Zeitmanagement“ zu beschäftigen und tüftelte daraufhin meine eigene Form der Zeitplanung aus: die Frau-Chefin-Methode. Heute unterstütze ich selbstständige Frauen dabei, ihre Zeit mit Leichtigkeit zu planen, ihre Produktivität anzukurbeln und ihren Alltag so zu strukturieren, dass sie ihre Zeit optimal nutzen können.

1 Kommentar

  1. Ich stehe das als Chefin von einem Unternehmen, was natürlich Laden Öffnungszeiten hat, so ein bisschen zwischen den Stühlen, denn ich muss ja nicht die gesamte Zeit neben meinem Team stehen und denen auf die Finger gucken. Das können die gut alleine.
    Aber ich habe mir auch Zeiten der Anwesenheit festgelegt und diese auch an meiner Büro Tür aushängen. Damit sich die Belegschaft darauf verlassen kann, wann ich wirklich zu sprechen bin, ob nun für Sie oder Kunden.
    Und Arbeit von Freizeit trennen versuche ich dadurch zu erreichen, dass ich zum einen mein Büro Bewusst nicht Zuhause habe und zum anderen, dass ich nur da auch wirklich arbeite. Gut, letzteres klappt besonders bei kreativen Sachen eher so semi gut und wenn ich z.b. Wegen eines kranken Kindes zuhause bleibe dann beantworte ich natürlich meine Mails und kümmere mich um das, was möglich ist. Aber es bleibt schon die Ausnahme.
    Also ja, Öffnungszeiten finde ich wichtig, das sollten die Online Unternehmerinnen wirklich umsetzen.

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