Fragen Selbstständigkeit, selbstständig machen

Warum du an deinen Entscheidungen festhalten solltest

Selbstständig zu sein, heißt vor allem eines: Flexibel zu sein. In deiner Denke, deiner Arbeitsweise und auch in deiner Weiterentwicklung. Allerdings gibt es da eine Grenze. Nämlich dann, wenn du dich für deine potenziellen Kunden anfängst zu verbiegen, nur um allen gerecht zu werden. Warum du das aber gar nicht musst, du dich von dem Gedanken ganz schnell verabschieden solltest und an deinen Entscheidungen festhalten solltest, dazu jetzt mehr. Selbstständig zu sein ist mehr als eine Phase und mehr als Einstellungssache. Es ist manchmal ein tagtäglicher Kampf um Kunden, der einen viel Nerven und noch mehr Geduld kosten kann. Es wird gefeilscht, gebuhlt und mit harten Bandagen gekämpft.

Der im Internet geläufige Usus, man müsse nur man selbst sein, dann würden die Kunden einem die Bude einrennen, ist in meinen Augen Quatsch. Denn wirklich JEDE Unternehmerin sollte wissen, dass sie als Unternehmerin im „Business-Modus“ laufen sollte und nicht im „Freizeitmodus“. Und wann bist du du selbst? Wohl eher im Freizeitmodus, oder?

Ich habe da ein Problem: Ich möchte es allen recht machen

Da kommt dann ganz gerne mein Helfersyndrom raus, was der Sache mit „konsequent an Entscheidungen festhalten“ irgendwie etwas im Weg steht. Allerdings habe ich im vergangenen Jahr vor allem eines gelernt: Das ist einfach unmöglich. Und was ich auch gelernt habe: Du wirst von deinen Kunden nicht mehr ernst genommen.

Dieses Problem hat mir vor allem eines beschert: Ich habe mich ständig schlecht gefühlt und war nur noch dabei, Wünsche zu erfüllen.

Lange Zeit habe ich versucht, all diesen Wünschen gerecht zu werden. Ich habe weniger tacheles geredet, weil sich das jemand wünschte, dann wieder mehr auf den Putz gehauen, weil „die Frau Chefin verschwunden“ war. Habe weniger oft Newsletter geschrieben, weil „sonst das Postfach überquillt“ und dann wieder öfter geschrieben „weil man sonst die Artikel verpasst“.

Wünsche sind toll, aber…

In meinem Fall ist es so, dass zum Beispiel in der Frau-Chefin-Gruppe die unterschiedlichsten Frauen dabei sind. Es gibt 20-jährige Singles, 30-jährige selbstständige Mütter und 45-jährige Frauen, deren Kinder schon aus dem Haus sind. Manche stehen am Anfang, manche sind schon über 20 Jahre selbstständig.

an Entscheidungen festhaltenAuf Frau Chefin ist für jede dieser Frauen etwas zu finden, was sie in ihrem Business weiterbringen kann. Genauso unterschiedlich wie die Frauen jedoch sind, sind auch ihre Wünsche. Und egal, was ich auf Frau Chefin mache, es gibt IMMER jemanden, der mir eine Mail schreibt, dass das was ich mache, eine Unverschämtheit sei und jemanden, der mich für mein Handeln lobt.

Verstehe mich nicht falsch, ich finde es super, wenn du mir deine Wünsche mitteilst. Das zeigt mir, wo ich dir helfen kann, wo du Probleme hast und auch, ob mein Thema bei dir ankommt. (Also bitte weiter Wünsche mit mir teilen).

ABER: Ich habe mich jeden Tag für die Wünsche verbogen und meine eigenen Entscheidungen komplett ignoriert.

Und da wurde mir klar, dass das so auf Dauer nicht funktioniert. Zumindest nicht für mich. Ich bin nicht selbstständig, um dann ständig von anderen gelenkt zu werden und überhaupt nicht mehr dazu zu kommen, das zu tun, was ich für richtig halte.

Nun könntest du natürlich einen guten Einwand bringen:

Aber der Kunde ist doch König!

Ja, das wird uns von Klein an eingetrichtert. Und ja, natürlich solltest du etwas für die Kundenzufriedenheit machen, hier und da auch Zugeständnisse machen und auch mal ein Auge zudrücken. Aber das sollte die Ausnahme sein und nicht die Regel. Ansonsten wird es für dich wahnsinnig schwierig, an Entscheidungen festhalten zu können, die du mal getroffen hast.

Und dann solltest du auch noch den Gewinn im Auge behalten. Ein Verkäufer, der einen neuen Porsche verkauft macht mehr Zugeständnisse, als ein Verkäufer, der einen alten Fiat vertickern will. Das solltest du im Hinterkopf haben.

Wenn es sich um einen kleinen Betrag handelt und du mehr damit beschäftigt bist, nachzuarbeiten, weil du Wünsche erfüllst, oder im Voraus 20 Mails mehr schreiben musst, dann rechnet sich das einfach nicht mehr. Denn bei allem Entgegenkommenwollen musst du letztendlich auch wirtschaftlich denken, was potenzielle Kunden leider gerne vergessen, oder nicht sehen. Und man sich leider auch selbst als Unternehmerin immer mal wieder ins Gedächtnis rufen muss.

Warum du an deinen Entscheidungen festhalten solltest – und ich das auch tue

Um zu einem wichtigen Punkt zu kommen, den ich vorher schonmal erwähnte: Es gibt Punkte, da wirst du von deinen Kunden dann nicht mehr ernst genommen und zum Schluss tanzt dir jeder auf der Nase herum. Oder sagt: „Was, die bezeichnet sich als Unternehmerin? Die weiß ja überhaupt nich, was sie will!“.

Auch ich habe diesbezüglich Fehler gemacht. Aber ich habe daraus gelernt. Zum Beispiel habe ich beim Launch meines ersten Gruppenkurses die Anmeldefrist kurzerhand verlängert, weil ich mehrfach gehört habe, dass die Info zum Anmeldeschluss nicht ankam. Daraufhin habe ich von anderer Seite gehört, dass es „reine Geldmacherei sei, dass ich jetzt die Anmeldefrist verlängert habe und wohl noch unbedingt mehr Teilnehmerinnen bräuchte“. Was so nicht stimmte. Ich war einfach nur nett und wollte entgegenkommen.

Beim zweiten Launch habe ich wieder eine Anmeldefrist gesetzt, an der ich eisern festhielt und bekam daraufhin eine nicht gerade nette Mail, dass sie es „eine Unmöglichkeit findet, meine Kundinnen mit dieser Frist unter Kaufdruck zu setzen“. Was so auch wieder nicht stimmte. Ich wollte niemanden unter Druck setzen, aber bei einem Gruppenkurs, der zu einem bestimmten Zeitpunkt startet, muss ich irgendwann die Anmeldung schließen. Wie soll ich das sonst managen?

Kommen wir direkt zur nächsten Frage: Wie soll ich und wie willst du als Unternehmerin ernst genommen werden, wenn du ständig deine Meinung änderst und Dinge anders machst, als du ursprünglich gesagt hast?

Dann hast du zum Schluss zig verschiedene Meinungen, aber keine eigene mehr.

Ich für meinen Teil finde es jedoch immer unglaubwürdig, wenn ich in Newslettern erst auf eine Anmeldefrist oder eine Befristung allgemein tagelang hingesteuert werde und dann huch – alles anders ist. Genauso, wenn mir gesagt wird, es gäbe diesen Kurs nur einmal und garantiert nie wieder und schwupps, drei Momate später wird er nochmal angeboten. Und ich finde es auch recht seltsam, wenn jemand in einem Blogartikel etwas verteufelt und dann einige Monate später in einem bezahlten Artikel in den höchsten Tönen lobt.

an Entscheidungen festhaltenMeine Tipps für dich

Nimm Vorschläge an, verbessere, aber die endgültige Entscheidung sollte bei dir liegen, egal wie „dominant“ dir das jemand sagt, oder schreibt. Du bist die Chefin deines Business und du musst es nicht allen recht machen, sondern in erster Linie dir gerecht werden.

Mache keine Versprechungen, die du nicht halten kannst, halte dafür aber Befristungen ein, auch wenn dagegen geredet wird. Denn allein durch Gutmütigkeit ist noch keine Unternehmerin erfolgreich geworden. Sie haben alle hart gearbeitet und sind hinter ihren Entscheidungen gestanden. Das solltest du auch tun.

Erzähle mal: Welche Entscheidungen hast du kurzfristig geändert? Wann hattest du das Gefühl, zu gutmütig gewesen zu sein? Und wann fällt es dir besonders schwer, an Entscheidungen festhalten zu können?

About the author
Hallo, ich bin Isabelle! Ich zeige dir als Selbstständige, wie du richtig gute Videos von dir selber machen kannst, damit selbstbewusst im Internet sichtbar wirst und die Kunden gewinnst, die zu dir passen. Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich als Audio- und Videotechnikerin. Auf Frau Chefin teile ich mit dir meine besten Strategien, damit du Videos erstellst, die von dir überzeugen – auch als Einsteigerin. Denn Selbstständigkeit ist ein Abenteuer. Und du die Heldin darin!

4 Kommentare

  1. Danke Isabelle. Der Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Für mich auf den Punkt gebracht heißt er: Ich darf sein, wie und wer ich bin. Auch und gerade in meinem Unternehmen.

  2. Oh jaa… habe mich vor ein paar Wochen sehr über diesen Artikel gefreut 🙂
    Am Anfang nimmt man ja jeden Tipp (auch ungefragte) sehr wichtig und befasst sich damit ausführlich („hmm.. ja, irgendwie hat sie wohl Recht. Ob ich das nicht besser auch so mache?“) und jede auch nur mögliche Konkurrenz verunsichert allein durch ihre Existenz („oh Gott, ist das Geschäftsmodell vielleicht BESSER als meins?? Vielleicht muss ich was ändern…“).
    Ich muss mich innerlich bereits von Vornherein wappnen und versuchen, darüber nachzudenken, indem ich ganz ehrlich zu mir selbst bin – oder vielleicht auch gar nicht darüber nachdenken und es links liegenlassen.

    Und am Ende muss ich für mich sagen können: Mein Business passt so und so genau zu mir. Und daran halte ich fest. Wenn ich bestimmte Bedingungen ändere, dann hat das für mich einen triftigen Grund, und den kann ich auch vor mir selbst rechtfertigen.

    Insofern auch noch der Bezug zu unserem Coaching (oh Gott, schon wieder 1,5 Jahre her..?!): Du hast mich damals darin bestärkt, bei der Gestaltung meines Businesses in jedem Schritt „Ich“ zu bleiben. Schön ist es dann, wenn einen die eigenen Kunden für genau diese Authentizität loben 🙂

    1. Hallo Annika,

      puh, schon 1,5 Jahre ist das her? Wahnsinn! Toll, dass der Tipp bei dir so aufgegangen ist 🙂

      Am Anfang nimmt man wirklich jeden Tipp ernst – schließlich hat man keine Erfahrung. Und hat man Erfahrung, nimmt man sich leider auch vieles zu sehr zu Herzen, weil man meint, der oder die Tippgeberin hat mehr Erfahrung. Ist manchmal schwierig, aber nach wie vor bin ich der Meinung: Bleibe du selbst!

      Viele liebe Grüße
      Isabelle

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