Im Portrait: Lilli Koisser – Texterin und Coach für Selbstständige

Texterin Lilli Koisser

Lilli Koisser ist 31 Jahre alt und bereits seit 5 Jahren mit ihrer Firma „LILY Text & Content“ als Texterin und Bloggerin für Content-Marketing selbstständig. Sie schreibt Webtexte für ihre Kund*innen und bietet einen Onlinekurs zum Thema suchmaschinenoptimierte Website an. Außerdem lässt sie sich gerade zum systemischen Coach ausbilden, um Selbstständige noch besser auf ihrem Weg unterstützen zu können. Im Portrait erzählt die in Wien lebende, Reise- und Medienliebhaberin, wie sich ihr Business in den fünf Jahren gewandelt hat, wie sie einen neuen Begriff prägte und welche Tipps sie für deinen Blog hat.

Mit „LILY Text & Content“ hilfst du Selbstständigen dabei, online gefunden zu werden und ihre Traumkunden von sich zu überzeugen. Wie bist du auf deine Geschäftsidee gekommen?

Das war ein langer Weg! 😀 Ich habe Marktkommunikation an der Werbe Akademie Wien studiert. 2008 fing ich als Werbetexterin in einer Agentur für Dialog- und Onlinemarketing an, schrieb also Werbebriefe und Verkaufsmails. Dort hat sich schon herauskristallisiert, dass ich mich im Bereich Online-Marketing und Social Media am meisten zuhause fühle. Nach einem Jahr im Online-Marketing in einem Konzern und einem Jahr als Au-pair in den USA machte ich mich 2013 als Texterin für Content-Marketing selbstständig.

Content- oder Inbound-Marketing war damals für den deutschsprachigen Markt noch ziemlich neu und ich erkannte einen Bedarf, der praktisch noch gar nicht gedeckt wurde. Ich arbeitete am Anfang vor allem mit Agenturen und Konzernen zusammen, weil ich das so gewöhnt war und nichts anderes kannte. Außerdem hatte ich damals den Glaubenssatz, dass „Selbstständige sich das nicht leisten können“ oder nicht bereit sind, Geld für Webtexte auszugeben. 😉 Diese negative Überzeugung hing sicher mit meinem eigenen Money-Mindset damals zusammen.

Ich stellte drei Monate nach der Gründung meine suchmaschinenoptimierte Website online, war in den sozialen Netzwerken sehr aktiv und bloggte. Die Kund*innen kamen bald von selbst zu mir und ich dachte, dass jeder Freelancer das so macht und so seine Kund*innen gewinnt. Mit der Zeit bekam ich aber immer mehr Anfragen von Kolleg*innen mit der Frage, wie ich Kund*innen gewinne, wie man mit dem Schreiben Geld verdient etc.

Ich erkannte das Interesse an meinen Lösungen speziell für Einzelunternehmer*innen und gründete 2017 den Blog „LETTERS – Der Blog für Freelance-Texter*innen“. Auch dieses Projekt wuchs schnell und mir wurde klar, dass ich etwas kann, das nicht selbstverständlich ist: Online gefunden werden, interessierte Menschen anlocken und begeistern und meine Strategien und Lösungen mühelos verkaufen. Außerdem fühlte ich mich mit der Zielgruppe sehr wohl, da ich ihre Lebenswelt und Probleme, Wünsche und Ziele ja selbst kannte.

Aufgrund der DSGVO und des großen Aufwands, zwei Projekte parallel zu betreiben, verheiratete ich LILY und LETTERS im Mai 2018 zu meiner Personenmarke Lilli Koisser und entschied mich, wirklich nur noch mit Selbstständigen zu arbeiten. Gleichzeitig begann ich eine Ausbildung zum systemischen Personal & Business Coach. Seitdem fühle ich mich wirklich „angekommen“ und verstecke mich nicht mehr hinter meinen Marken, sondern vereine alle meine Talente, Leidenschaften und Interessen in meiner Tätigkeit und meiner Person.

Ich möchte Selbstständigen, vor allem Frauen, das Leben leichter machen und meine Learnings und Tipps mit ihnen teilen. Am liebsten über kostenlosen und kostenpflichtigen Content, der ihnen wirklich weiterhilft und den zu erstellen mir einfach am meisten Spaß macht. Seit das Angebot und die Zielgruppe endlich rund sind, geht es bei mir erst so richtig los!

Texterin Lilli Koisser

Was genau bietest du an? Womit kannst du uns helfen?

Ich helfe Selbstständigen, online gefunden zu werden und Kund*innen zu gewinnen. Dazu habe ich derzeit drei Angebote:

  • Die 1:1-Betreuung, bei der ich Websites für meine Kund*innen texte,
  • den Website-Kurs „Deine Website als Kundenmagnet“ für DIYler, und
  • Coaching und Beratung in Wien oder online über Zoom.

In Zukunft schweben mir noch ein Blog-Kurs, ein SEO-Kurs und ein Content-Marketing-Kurs vor. Außerdem gibt es in meiner Community Interesse an einem eigenen Mitgliederbereich mit neuen, exklusiven Inhalten jeden Monat, um sich im Online-Marketing-Dschungel dauerhaft zurechtzufinden.

Erzähle uns doch mal ein bisschen: Wie bist du zum Bloggen gekommen und wie kam es, dass du dich selbstständig gemacht hast?

Meinen ersten Blog startete ich noch zu meinen Agenturzeiten, irgendwann 2009 oder 2010. Mein Agenturchef beschloss nach dem Motto „Mach mal“, dass wir jetzt einen Agenturblog starten und ich ihn schreiben soll. Ohne Strategie dahinter ging das natürlich in die Hose und versickerte nach 3 einsamen Blogartikeln, die keine Leser*innen fanden, in der Internetwüste.

Später, in meinem Au-pair-Jahr, führte ich einen privaten Blog über meine Erfahrungen als Nanny in den USA. Da ich einige Beiträge auf Englisch schrieb und plötzlich Zugriffe aus Russland und Argentinien hatte, verstand ich das erste Mal, wie Suchmaschinenoptimierung sich auswirkt bzw. wie man online gefunden wird. Als ich mich selbstständig machte, startete ich ebenfalls einen Blog auf meiner Website und er hat mir sehr dabei geholfen, bekannter zu werden, Vertrauen aufzubauen, mit meiner Zielgruppe zu interagieren und sie besser zu verstehen.

Selbstständig habe ich mich gemacht, weil ich in meinen drei Jahren als Angestellte immer stärker gemerkt habe, dass das nicht der richtige Weg für mich ist – bis hin zu körperlichen Symptomen wie Gastritis und Akne. Alles in mir hat sich dagegen gesträubt! 😀 Mir sind Werte wie Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit extrem wichtig. Ich sehe es nicht ein, zu fixen Zeiten an einem Schreibtisch zu sitzen, auch wenn z. B. gar nichts zu tun ist oder ich zu diesem Zeitpunkt aufgrund meines Biorhythmus nicht produktiv bin. Oder das interne Spielchen „Wer arbeitet am längsten und macht die meisten Überstunden“ mitzuspielen. Mein ehemaliger Chef meinte sogar, ich hätte „ein Autoritätsproblem“. 😛

Nach meinem Jahr in den USA, in dem ich schon ein bisschen für österreichische Ex-Kolleg*innen gefreelanct hatte, bewarb ich mich ein wenig widerwillig wieder bei Agenturen. Ich dachte, dass ich mit Mitte 20 noch zu jung für die Selbstständigkeit bin und noch viel mehr lernen und netzwerken muss. Ich wurde zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber hörte immer wieder: „Wir arbeiten am liebsten mit Freelancern zusammen“. Auch hier galt wieder: Ich sah einen Bedarf und deckte ihn. Vielleicht ist das mein Erfolgsgeheimnis: Ich kann sehen, wo etwas gebraucht wird und wie ich diese Lücke schließen kann.

Ich bewarb mich also für das Unternehmensgründungsprogramm des Arbeitsamts und nutzte meine vorhandenen Kontakte zu Agenturen, aber auch meine Erfahrung mit Werbebriefen und -mails, um meine ersten Kund*innen zu finden. Bald gewann ich alle meine Kund*innen über meine Website und Empfehlungen. Und genau das möchte ich jetzt an andere Selbstständige weitergeben, weil es für mich der komfortabelste Akquise-Weg ist!

Texterin Lilli Koisser

Was denkst du, macht deinen Erfolg aus? Was macht dein Business besonders?

Ich habe schon oft die Rückmeldung bekommen, dass mein Content besonders hilfreich, praktisch und motivierend für meine Leser*innen ist. Meine Kund*innen schätzen diesen Sharing-Gedanken sehr (während andere überhaupt nicht verstehen, warum ich so viel gratis rausgebe, aber das sind dann eben nicht meine idealen Kund*innen). 😉

Bei meiner Umfrage nach dem Onlinekurs bekam ich sogar oft das Feedback, dass die Teilnehmer*innen sich für den Kurs entschieden haben, WEIL sie schon so viel kostenlos von mir gelernt haben – nicht OBWOHL. Hilfreichen Content zu veröffentlichen ist mein liebster Weg, Bekanntheit, Sympathie und Vertrauen in meiner Zielgruppe aufzubauen – von Blogartikeln, Newslettern und PDF-Downloads über Video-Serien bis hin zu Challenges und Webinaren.

Ich war außerdem 2013 eine der ersten freien Texter*innen im deutschsprachigen Raum, die sich voll auf Content-Marketing und Bloggen konzentriert hat. Das Angebot „Text und Content“, das heute Standard vieler Texter*innen ist, habe ich damals so benannt – das gab es in dem Wortlaut noch nicht! Ich orientiere mich auch am US-Markt und überlege mir, was vielleicht in ein paar Monaten oder Jahren zu uns rüberschwappen wird.

Außerdem ist eine besondere Stärke von mir, Inhalte so zu filtern und aufzubereiten, dass ich wirklich den Kern herausarbeite, zum Punkt komme und die Inhalte für mich und andere in konkrete Handlungsschritte übersetzen kann. Ich habe nämlich selbst keine Lust, viel unnötiges Blabla zu lesen bzw. zu konsumieren, sondern will Klartext! Und da bestätigt sich wieder meine Überzeugung, dass jede*r die Kund*innen anzieht, die zu ihm oder ihr passen und in diesem Moment richtig sind – und sei es nur, um draus zu lernen. 😉

Nimm uns doch mal mit in deinen Arbeitsalltag. Wie sieht ein „normaler“ Arbeitstag bei dir aus?

Ich habe verschiedene Fokus-Tage: Montags mache ich Marketing und Social Media und führe kostenlose Erstgespräche durch, Dienstag bis Donnerstag sind meine Umsetzungstage mit eigenen Projekten, Kundenprojekten und Coachings und freitags mache ich Organisatorisches. Ich arbeite im Home-Office, auf der Couch, am Küchentisch oder auch mal im Coworking-Space oder im Café.

An meinen Umsetzungstagen versuche ich, E-Mails und Social Media weitestgehend zu ignorieren und wirklich mit Fokus an meinen Aufgaben zu arbeiten. Wenn ich so richtig im Flow bin, kann ich auch mal 6 Stunden durcharbeiten! Mehr als 6 Stunden fokussierte Arbeit pro Tag sind bei mir aber nicht drin.

Wie organisierst du dich und dein Business? Hast du einen straffen Zeitplan, arbeitest du mehr nach „Lust und Laune“? Welche Tools nutzt du?

Ich habe nach außen hin fixe Öffnungszeiten: 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Je nach Tagesverfassung, Zyklusphase und Motivation kann es aber auch mal sein, dass ich schon um 7 Uhr total motiviert loslege und 3 – 5 Stunden werkele, bevor ich eine längere Pause mache. 🙂 Oder ich bekomme abends nochmal einen Kreativitätsschub und setze mich erneut hin, um zu schreiben.

Ich organisiere alles in meinem Google Calendar: Projekte, Deadlines, Launches … und arbeite sonst mit Klassikern wie Microsoft Word, Google-Tabellen oder Evernote. Viele weitere Empfehlungen habe ich in meinem Blogartikel über kostenlose Tools und einem Tool-Guide in meinem Onlinekurs gesammelt.

Texterin Lilli Koisser

Was sind deine zwei erfolgreichsten Blogartikel und warum sollten wir sie unbedingt lesen?

Der mit Abstand meistgelesene Blogartikel ist „Der Kunde sagt, du bist zu teuer? Was du tun und sagen solltest“. Auf diesen Artikel bekomme ich vor allem von Pinterest sehr viel Traffic. Danach folgt „So berechnest du deinen Stundensatz als freie*r Texter*in“. Wie du siehst, geht’s bei mir auch gerne mal ums Geld! 😀 Ich finde es wichtig, über Geld zu sprechen, gerade unter Selbstständigen.

Es gibt absolut keinen Grund, uns unter Wert zu verkaufen oder mies bezahlte Jobs anzunehmen – außer Angst. Angst, nicht gut genug zu sein; Angst, dass nichts Besseres nachkommt, wenn wir einen Auftrag ablehnen. Ich bin aber der Meinung, dass wir in der Selbstständigkeit (und allem, was wir tun), der Freude und nicht der Angst folgen sollten.

Wo und wann kommen dir die besten Ideen für dein Business und deinen Blog?

Meistens, wenn ich nicht am Laptop sitze! 😀 Oft ist es ja so, dass das Gehirn für neue Verknüpfungen und kreative Einfälle Entspannung braucht. Also kommen mir die meisten Ideen beim Kochen, Duschen, Spazierengehen, im Urlaub oder vor dem Einschlafen. Oder auch, wenn ich mich mit anderen Selbstständigen austausche, z. B. in meiner Mastermind-Gruppe.

Ich habe dann oft Mühe, meine Einfälle im Zaum zu halten und rechtzeitig niederzuschreiben. Manchmal stehe ich auch nachts auf, weil mir plötzlich ganze Sätze und Absätze durch den Kopf gehen. Ob die auch bei Tageslicht was taugen, zeigt sich dann aber erst am nächsten Morgen! 😉

Neue Blogs sprießen wie Pilze aus dem Boden. Für viele ist es ein Business, für viele ein Hobby. Wie kann man in der Masse auf sich aufmerksam machen, um überhaupt gesehen zu werden?

Ein klarer Fokus auf ein Thema oder eine Zielgruppe, Kontinuität, Geduld, Qualität und Strategie sind für mich die wichtigsten Erfolgsfaktoren beim Bloggen. Und um gesehen zu werden, sollte man sich fragen: Von wem will ich überhaupt gesehen werden? Wen möchte ich ansprechen? Wer soll auf meine Website oder meinen Blog finden? Und warum? Wenn man Klarheit über die ideale Kundin oder den idealen Leser hat, wird vieles einfacher.

Was denkst du, sind die Hauptgründe, dass viele Blogs und Blogger scheitern?

Dazu müsste man wissen, was Scheitern für jede*n Einzelne*n bedeutet. Nicht regelmäßig zu veröffentlichen? Wenig Leser*innen zu bekommen? Keine Kund*innen über den Blog zu gewinnen? Ich glaube, wenn man zu wenig Klarheit über die eigene Zielgruppe, das Ziel des Blogs, die eigenen Werte und Ziele oder das Thema, die Nische des Blogs hat, geht einem ganz schnell die Luft aus. Das kenne ich auch aus meiner eigenen Erfahrung.

Jetzt ist es so, dass ich jeden Tag einen neuen Blogartikel schreiben könnte, weil mich mein Thema und meine Zielgruppe so begeistern und inspirieren! Aber es hat eben 5 – 10 Jahre gedauert, um an diesen Punkt zu kommen – mit ganz viel Ausprobieren, Dazulernen, Verwerfen, Umentscheiden, Verzweifeln und Dranbleiben.

Texterin Lilli Koisser

Viele von uns haben einen Blog. Sei es beruflich oder privat. Gib uns doch bitte mal drei Tipps, die wir unbedingt befolgen sollten.

  1. Ein Thema wählen, das einen selbst wirklich begeistert und über das man sofort etliche Artikel schreiben könnte. Ein Thema, in dem man sich gerne beliest, dazulernt, mit anderen netzwerkt und vielleicht auch privat zuhause ist.
  2. Gleichzeitig die Leser*innen und ihre Interessen in den Mittelpunkt stellen und auf den Nutzen und Mehrwert für sie achten. Niemand will ein Online-Tagebuch lesen, sondern hilfreichen Content, bei dem man das Gefühl hat, mit seinen Problemen und Wünschen verstanden zu werden.
  3. Nicht in ein Vakuum hineinschreiben, sondern erst herausfinden, was die eigene Zielgruppe wirklich interessiert: In Facebook-Gruppen mitlesen, Gespräche führen, Keyword-Recherchen machen, Umfragen durchführen, Traffic auswerten … Blogartikel, die Fragen, Probleme oder Bedürfnisse der Leser*innen behandeln und eine Lösung liefern, sind Content-Gold!

Was sind deine nächsten Ziele, die du mit deiner Selbstständigkeit erreichen möchtest?

Ich möchte mehr Menschen helfen können und gleichzeitig weniger arbeiten. Meine nächsten Schritte werden daher Automatisierung, Gruppenprogramme und ein höherer Preis für Einzelbetreuung sein. Außerdem möchte ich ein Buch schreiben, einen Podcast und YouTube-Channel starten, Ferienimmobilien vermieten und ein Haus am Strand kaufen. Aber eins nach dem anderen. 😉


Neugierig geworden? Weitere Informatione zu Lilli Koisser und ihrem Business findest du hier:

Webseite und Onlinekurs von Lilli Koisser

Lilli Koisser auf Facebook und Instagram.

Fotos: Jessica Kupfer

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