Zeit sparen beim Papierkram

Nein sagen können, ist eine Kunst. Und diese solltest du unbedingt beherrschen!

Ich hasse es „nein“ zu sagen. Und auch, wenn es sehr oft schwer fällt, ist „nein“ sagen eigentlich keine Schwäche, sondern eine Stärke. Denn dieses kleine Wort hat nicht nur sehr viel Macht, sondern bringt auch dein Business nach vorne, wenn du es richtig einsetzt.

Vor einigen Jahren musste ich ständig „nein“ sagen: Nein zu Freunden, weil ich arbeiten musste und deshalb keine Zeit hatte mich mit ihnen zu treffen. Nein zu interessanten Business-Angeboten, weil es zeitlich nicht in meinen Ablauf passte. Nein zum Spontanurlaub, weil zugesagte Aufträge mich davon abhielten. Nein zu Träumen und Wünschen, weil mir das Geld fehlte.

Manchmal ist „nein“ sagen überlebensnotwendig, gut und richtig. Und es ist auch wichtig, nein sagen zu können! Es ist einfach unmöglich, alles zu machen. Auch dein Tag hat nur 24 Stunden. Manchmal ist „nein“ sagen aber einfach nur ätzend.

Das war bei mir jedenfalls früher der Fall. Bei jedem Nein blieb ein unheimlich schlechtes Gewissen zurück. Ich kam mir vor, als ob ich etwas verbrochen hätte, was furchtbar war. Und bevor ich das kleine Wörtchen „nein“ sagte, ballerte ich mir lieber meinen Terminkalender bis zum Anschlag voll, manchmal mit mehreren Tontechnikerjobs an einem Tag. Ich war permanent unterwegs, arbeitete 70 Stunden pro Woche, verdiente ganz passabel und blieb selbst irgendwo zwischen Tonjob und Tonjob auf der Strecke. Zeit für ein Hobby, Freunde, ein Liebesleben oder gar eine Beziehung? Fehlanzeige.

Wenn ich das jetzt so lese, klingt es ziemlich trostlos. Aber das war es damals für mich nicht. Ich konnte nicht „nein“ sagen und so hatte ich dann meine Erfüllung in einem extrem gut laufenden Business. Darauf war und bin ich auch heute noch stolz. ABER: Irgendwann geht das einfach nicht mehr. Irgendwann kommt der Punkt, an dem du zusammenbrichst. Ich hatte Glück. So weit ist es bei mir nicht gekommen.

Heute ist das anders. Heute sage ich auch mal nein.

Heute kann ich auch mal nein sagen – und das mit gutem Gewissen. Und nicht nur das. Ich bin auch kreativer, produktiver und organisierter.

Außerdem sage ich wesentlich seltener „nein“ zu Dingen, die ich gerne hätte oder machen würde.

Warum?

nein sagen lernenZum Einen, weil ich das Geld habe (meine Wünsche sind wirklich bescheiden und kosten in vielen Fällen noch nicht mal Geld). Zum Anderen weil ich weiß, wie ich meine Zeit optimal planen kann, um mir selbst Freiräume zu schaffen, um die Dinge machen zu können, die mir wichtig sind!

Und das ist genau der springende Punkt. Früher hatte ich auch eine sehr gute Zeitplanung. Was diese aber nicht vorsah, war, auch mal so richtig Zeit für mich zu haben (also mehr als mal eine Serie bei Netflix zu glotzen, oder mal in der Badewanne zu plantschen). Oder generell für andere Dinge, als arbeiten.

Heute gönne ich mir auch mal einen freien Tag, einen Spontanausflug zum Möbelschweden, oder einfach einen langen Spaziergang mit der Löwentochter bei Sonnenschein. Dafür sage ich „nein“ zu anderen Dingen, wie zum Beispiel einem weiteren Auftrag, der andere Pläne durcheinander bringt oder mir einfach mehr Stress verursacht, als er mir letztendlich bringt. Ich streiche Einkaufsfahrten, die nicht unbedingt notwendig sind, oder auch banale Dinge wie Kuchen backen, nur weil es am Sonntag Nachmittag eventuell erwartet wird, wenn Besuch vor der Tür steht.

Nein sagen lernen: Ohne geht’s nicht!

Verhandeln geht nicht, wenn du nicht nein sagen kannst.

Konflikte lösen geht nicht, wenn du nicht nein sagen kannst.

Deine Grenzen einhalten oder verteidigen geht nicht, wenn du nicht nein sagen kannst.

Auch Zeitplanung funktioniert nicht, wenn du nicht nein sagen kannst.

Und trotzdem fällt uns selten etwas so schwer und löst so viel Angst und Widerstand aus, wie dieses kleine Wörtchen auszusprechen. Das Verrückte ist, dass nein sagen so viel Positives frei setzt! Nicht nur, dass es dich unendlich befreit, weil du zu dir selbst stehst und dir gerade Freiraum für andere Dinge geschaffen hast. Du bist danach auch mächtig stolz, weil du deine Komfortzone gerade verlassen hast – sofern du schlecht nein sagen kannst. Das kleine Wort setzt nachdem es verklungen ist eine einzigartige Energie frei, weil du dich gut fühlst. Jetzt stell dir mal vor, was du damit alles machen kannst!

Dazu kommt, dass du dich deutlich seltener in Situationen wiederfindest, die dir unangenehm sind und in denen du dich nicht wohl fühlst. Hektik und Überforderung – Stichwort „ich muss heute noch so viel machen“ – wirst du deutlich leichter im Griff haben und Stress vermeidest du dadurch ebenfalls.

Und das allerwichtigste: Du bist im Nachhinein nicht sauer auf dich, weil du mal wieder zu etwas ja gesagt hast, obwohl du eigentlich nein gemeint hast.

Nein sagen ist schön!

„Du musst lernen ’nein‘ zu den richtigen und ‚ja‘ zu den wichtigen Dingen zu sagen.“

Und gleichzeitig eine Kunst. Denn: Du musst lernen „nein“ zu den richtigen und „ja“ zu den wichtigen Dingen zu sagen. Oftmals ist es doch so, dass wir zu Dingen ja sagen, die wir eigentlich gar nicht machen möchten. Wir haben ja gesagt, weil wir das Gefühl hatten, sie tun zu sollen, weil es irgendwie von uns erwartet wird und letztendlich belasten sie uns – im schlimmsten Fall mehrere Tage und Nächte.

Dafür haben wir blöderweise „nein“ bei Dingen gesagt, die wir eigentlich wahnsinnig gerne gemacht hätten (ein toller Auftrag, ein Treffen mit guten Freunden, einen Ausflug mit der Familie). Warum? Weil wir unsere Zeit mit wichtigen und weniger wichtigen Dingen bereits verplant haben. Absagen? Das machen wir natürlich nicht! Denn das gehört sich schließlich nicht und arbeiten ist ja grundsätzlich sowieso viiiiel wichtiger als irgendwelche Freizeitbeschäftigungen.

Packe dich mal an der Nase: Wie oft sagst du spontan zu etwas ja, wenn dich jemand um einen Gefallen bittet? Und wie oft ärgerst du dich hinterher, ja gesagt zu haben und bereust das? Merkst du was?

Du kannst auch nett nein sagen

Leider sind in unserem Kopf mit dem Wort Nein, negative Dinge verankert. Wir denken, wenn wir „nein“ sagen, dann wird mich der andere nicht mehr mögen, man ist schuld, wenn der andere enttäuscht oder verärgert ist. Wenn ich „nein“ sage, bin ich egoistisch, werde ich abgelehnt und irgendwann ganz alleine dastehen.

Solche negativen Gedanken machen uns Angst, „nein“ zu sagen, weshalb wir viel lieber ganz schnell zu Dingen „ja“ sagen, nur, damit uns das auf gar keinen Fall passiert.

Zumindest geht es mir so. Bei jedem Nein zu großen Dingen, bei denen ich merke, sie belasten mich nur, fühle ich mich danach wahnsinnig frei und glücklich. Natürlich können wir nicht immer nein zu allem sagen, was wir nicht gerne machen. Spaßgesellschaft und so 😉 Und spätestens mit Kind, hat das kleine Wörtchen „nein“ noch mal eine ganz andere Bedeutung (oh Mann, ich sage das so oft zu ihr, nur weil ich sie schützen möchte. Und da fällt es gar nicht schwer). Aber wir haben die Wahl, ob wir zu etwas ja oder nein sagen. Und das müssen wir uns erstmal bewusst machen. Bei sehr vielen Frauen existiert im Kopf diese Wahl gar nicht und sie kennen nur das Wort „ja“.

„Nein“ sagen hat etwas Befreiendes.

Bevor wir also Diskussionen anzetteln, auf die wir überhaupt keine Lust haben, uns rechtfertigen müssen und uns überwinden müssen, das Wort überhaupt über die Lippen zu bekommen, lassen wir es lieber und nicken brav. Schließlich wollen wir ein netter und gemochter Mensch sein, der als Selbstständiger alle glücklich machen kann.

Ich sage es mal so: Das ist natürlich ehrenswert und ich will ihn dir auch nicht grundsätzlich ausreden. Aber die Schlussfolgerung, dass du nur ein netter Mensch bist, wenn du nicht nein sagst, ist totaler Unsinn. Wirklich.

Denn zu allem ja zu sagen ist auch nicht nett. Du glaubst das nur. Warum auch immer du das glaubst, es stimmt nicht. Überleg mal:

Deine beste Freundin fragt dich, ob du ihr mit deinem Laptop aushilfst. Du leihst es ihr, obwohl du es eigentlich innerlich gar nicht wirklich willst. Und sie fragt dich auch gar nicht, ob das für dich wirklich ok ist (worübe du dich gefreut hättest), sondern erwartet von dir, dass du ihr diesen Wunsch nicht abschlägst (weil du nie einen Wunsch abschlägst). Was ist, wenn es zwischen euch irgendwann mal zum Streit kommt? Meinst du nicht, dass dann diese Wut auch über den Verleih den Laptops hinaus geht?

Kurzum: Indem du nein sagst, wenn du es auch wirklich so meinst, stehst du nicht nur zu deinen Grenzen, sondern zeigst auch anderen, wo deine Grenzen liegen. Sie werden diese respektieren und nicht in Frage stellen (sofern alles in einem nachvollziehbaren Maß ist).

Mache dir bewusst, was wirklich gemacht werden muss und was eine Option ist.

Es geht aber auch andersherum. Nein ist nicht nur wichtig, damit du zu dir und deinen Grenzen stehst und dir nicht noch mehr Arbeit auflädst, die du eigentlich nicht möchtest. Es ist auch wichtig, damit du dir Zeit freischaufelst, um Auszeiten zu haben und diese dann auch wahrzunehmen!

Du hast für Sonntag bereits zugesagt, wandern mit Freunden zu gehen? Dann mach es! Und sitze nicht im Homeoffice, nur weil dir plötzlich der Gedanke kommt, du solltest doch deine Buchführung machen.

Du musst einen Kuchen für den Kindergarten mitbringen? Dann bringe einen mit, aber muss es unbedingt ein selbst gebackener sein?

nein sagen

Ein neuer Auftrag, der weder die Zeit noch die Nerven wert ist, wird dir angeboten? Dann überlege genau, ob du ihn wirklich machen willst und musst. Vielleicht hast du letztendlich mehr davon, wenn du einfach mal einen Tag zuhause bist?

Es gibt noch wahnsinnig viele Beispiele.

Weißt du, was auch ganz toll daran ist, mal „nein“ zu sagen?

Es macht den Kopf frei. Frei für die Dinge, die wirklich wichtig sind und unbedingt gemacht werden müssen. Und mit einem freien Kopf lässt es sich nicht nur besser arbeiten, sondern auch die Kreativität sprudelt viel leichter.

Befreie dich und lasse auch mal das Wort „nein“ zu! Du wirst merken, wie es nicht nur dir gut tut, sondern auch deinem Terminkalender. Lasse deine Aufgabenliste nicht zu einer lästigen Pflichtliste werden!

Verrate mir mal: Wann hast du das letzte Mal „nein“ gesagt? Und zu was?

About the author
Ich bin Isabelle, Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.

4 Kommentare

  1. Ich hab das letzte Mal nein gesagt, als eine Agentur anfragte, ob ich mich für eine Stunde dort bei Ihnen in der Agentur an den Rechner setzten könnte zur „Zierde“, um dann, wenn ein potentieller neuer Kunde sich die Räume anschaut ein bisschen beispielhaft durch die Dateien zu klicken, hübsch auszusehen und für ein paar Minuten darüber zu sprechen. Klar, wäre nach Stundensatz bezahlt worden aber dafür war mir dann meine Zeit (vor allem exklusive Anfahrt etc) doch zu schade…
    Viele Grüße,
    Maxi

    1. Das ist nicht dein Ernst??? Solche Anfragen gibt es? Ich bin entsetzt. Was sagt das denn bitte über die Agentur aus? Ganz ehrlich, da hätte ich auch nein gesagt. Nicht nur aus „moralischen“ Gründen, sondern auch, weil es sich für dich ja nicht gerechnet hat.

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