Zeitplanung scheitert

Warum Altlasten deinen Kopf blockieren und wie du dich davon befreist

Altlasten. Ein hässliches Wort ist das. Es klingt schon unheilvoll. Verstaubt. Aufgeschoben. Ein Wort, das im Kopf einengt und jede Möglichkeit von Kreativität versieben lässt. Aber auch aus dieser Miesere gibt es natürlich einen Ausweg.

Rechts ein großer Stapel Akten. Links ein noch größerer. Auf dem Regal eine weitere Ablage. Und der Karton mit ungeklärten Fällen steht auch noch da. Die To-do-Listen hängen wie Gemälde an der Wand, das E-Mail-Postfach ist rappelvoll und der innere Schweinehund pocht in deinem Schädel.

Das Einzige, was nicht pocht, sind neue Ideen. Die lassen nämlich gewaltig auf sich warten. So ging es mir vor drei Monaten. Doof daran war, dass eine wichtige Deadline vor der Tür stand, die Uhr bereits auf kurz vor Mitternacht stand und mein Kopf überall, nur nicht bei diesem Projekt war.

Natürlich bahnte sich dieses Problem schon länger an. Man weiß ja schließlich, dass einen das Chaos irgendwann einholen wird. Aber in diesem Moment, indem ich vollkommen planlos, ideenlos und gestresst am Schreibtisch saß, wurde mir klar: Es muss sich etwas ändern. Ich muss mir eine neue, andere, bessere Struktur zulegen. Es musste eine Struktur her, die auch dann funktioniert, wenn ich mehrere Tage nicht Zuhause arbeiten kann, ich ständig on the road bin und kaum Zeit für mein Homeoffice bleibt.

Als ich nachts in purer Verzweiflung an meinem Schreibtisch saß, ist mir eines klar geworden:

Altlasten sind mehr als nur unerledigte Büroarbeit

Irgendwie fühlte ich mich nicht richtig wohl. Irgendwie hatte ich keine richtige Struktur in meinen Unterlagen.

Mich störten nicht nur die Papierstapel, die um mich herum lagen. Mich störte eigentlich mein kompletter häuslicher Arbeitsbereich. Irgendwie fühlte ich mich nicht richtig wohl. Irgendwie hatte ich keine richtige Struktur in meinen Unterlagen. Außerdem war ich sauer auf eine Freundin, was ich natürlich ständig vor mir herschob, weil ich ja zu nix kam, aber jetzt, mitten in der Nacht, mir Vorwürfe machte.

Was aus mir und der Deadline wurde? Nun, ich habe sämtliche Unterlagen sortiert, was abzuheften war, habe ich abgeheftet und den Rest in kleine Häufchen für den nächsten Tag gestapelt. Meinen Schreibtisch habe ich komplett leergeräumt. Nachts um eins habe ich dann ganz befreit mit dem Text begonnen und pünktlich zur Deadline abgegeben.

Damit du nicht irgendwann vor dem selben Problem sitzt und mitten in der Nacht versuchst, die Welt zu retten, habe ich dir eine Liste zusammengestellt.

Meine Tipps, wie du dich von Altlasten befreist:

  • Für alle Dinge, die du nicht mehr brauchst und zu schön sind, wegzuwerfen: Richte dir doch einen Account bei ebay Kleinanzeigen einund verkaufe dort alles, was du nicht mehr benötigst. Zum Einen freust du dich, dass deine Sachen einen neuen Besitzer finden, zum Anderen kannst du dir von dem Geld etwas neues kaufen, was genau deinen Vorstellungen entspricht.
  • Auch wenn es keinen Spaß macht und der innere Schweinehund mächtig protestiert: Nimm dir pro Woche vier Stunden Zeit, um Liegengebliebenes abzuarbeiten. Ob du dir einen Vormittag dafür nimmst, oder die Zeit auf vier Tage verteilst, ist dir überlassen. Wenn du nicht so viel Zeit brauchst, umso besser!
  • Du wolltest schon lange dein Büro umstellen? Dann warte nicht länger. Eine Veränderung lässt oft ganz neue Ideen sprudeln.
  • Du hast dich mit einer Freundin verkracht? Nimm dir die Zeit und telefoniere mit ihr. Ein Gespräch kann Wunder bewirken!
  • Du hast deine Freunde in letzter Zeit vernachlässigt, weil du mit deiner Selbstständigkeit beschäftigt warst? Dann schicke ihnen eine nette Mail, telefoniere, oder lade sie zu dir nach Hause ein.
  • Nutze Wartezeiten, um Kleinigkeiten zu erledigen. Viele meiner Artikel sind so entstanden. Oft kamen auch dort Ideen, die ich sofort notiert habe. Aber auch mein Fahrtenbuch, Rechnungen und Mails schreibe ich, wenn ich Wartezeiten habe.
  • Du hast noch eine uralte Liste mit Ideen für deine Selbstständigkeit rumliegen? Schnapp sie dir und schaue, was du heute noch gut findest – und lache über die Dinge, die du völlig falsch gesehen hast.
  • Tipp von Michelle (aus den Kommentaren): Sie hat für jede Woche eine Trello-Karte für „Admin Time“. Da kann man sich nicht mehr rausreden.

Welche Altlasten du auch hast: Aufschieben ist keine Lösung. Irgendwann werden sie belastend und blockieren dann deinen Kopf, wenn du ihn ganz dringend brauchst. Welche Tipps und Tricks kennst du?

About the author
Ich bin Isabelle, Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.

9 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Artikel, Isabelle! Ich habe jede Woche eine extra Trello-Karte für „Admin Time“ – in der Zeit mache ich alles, was ich unter der Woche lieber liegen lasse (Rechnungen schreiben, Zahlungen buchen, eingescannte Post abarbeiten usw.).

    Manchmal sind es aber vor allem alte Gedanken, die in meinem Kopf umherschwirren und mich beschäftigen. Z. B. Erinnerungen an Momente, in denen ich etwas Blödes gesagt habe und keine Chance, es auszubügeln; oder E-Mails von Kunden, auf die ich zu harsch und wenig hilfsbereit geantwortet habe. Klingt banal, verfolgt mich aber schon länger.

    Kennst du das auch?

    1. Hallo Michelle,

      das kenne ich nur zu gut! Mir geht es dann tatsächlich so, dass mich diese Gedanken, schlechte Erinnerungen, Schuldgefühle und ja, auch das schlechte Gewissen so plagen, dass ich null Chance habe, nicht darüber nachzudenken. Daher ist es einfach besser, wenn man solche Gedanken gar nicht erst „zulässt“ bzw. entstehen können.

      Deine Idee mit der „Admin-Time-Karte“ finde ich sehr gut. Geht in meine Richtung, ist aber noch viel konkreter und man kann sich deutlich schlechter rausreden 😉

      Konntest du etwas aus meinen Tipps mitnehmen?

  2. .. mich reizt aktuell gerade der letzte Punkt, mit den „alten Ideen zur Selbständigkeit“. Da habe ich auf dem Rechner ein Verzeichnis „alte Ideen und Konzepte“ und ebenso in einem Ordner eine kleine Abteilung … einiges davon habe ich im Kopf aber wer weiß, welche (tollen, realistischen, unrealistischen, größenwahnsinningen, bescheidenen) Ideen da doch noch schlummern … blöderweise wurden einige Ideen davon ein paar Jahre nach meinem Nicht-Umsetzen von mutigeren Menschen umgesetzt … aber das sollte wohl so sein.
    Danke für die Anregungen!
    Ulla

  3. Du schreibst mir sehr aus meiner Seele. Genau diese Szenarien zeigen sich mir gerade vermehrt und ich bin dabei, dass mental aber auch strukturell zu lösen. Einige Deiner Lösungsansätze kann ich 1:1 für mich übernehmen und hatte ich auch schon angedacht. Aber das, was ich wirklich möchte, ist eine dauerhafte Balance zwischen Privat und Arbeit, ohne dass der Gedankenteufel die Arbeit verflucht, weil sie scheinbar kein Ende zu nehmen scheint. Denn eigentlich uns überhaupt ist ja mein Business mein Baby. Aber es fehlt der Ausgleich und das Gefühl Fließbandarbeit zu erledigen, macht mich traurig. Ich denke, da geht noch mehr. Sowohl auf Deiner Liste als auch auf meiner:) Die Gedanken brauchen eine Mitte, sonst purzeln sie mal hierhin, mal dahin, so á la: Ist doch schön, wenn Du so viel Aufträge hast; aber eigentlich brauchst Du auch mal wieder richtig Schlaf; ich kann nicht alles schaffen; die Kunden warten; die Kunden sind zufrieden;) Ich brauche eine innere Struktur, die mit der äußeren harmonisiert. Auffällig ist und bleibt: Ich nehme mir zu wenig Zeit für Gedankengänge und so mit für mich selbst. Das kann ich nicht durch abheften lösen, sondern nur durch mir Zeit & Raum dafür nehmen. Aber ich bin sehr froh, dass hier gelesen zu haben, denn dann fühle ich mich doch nicht so ganz allein mit all meinem Gedankenwust. LG Anja

    1. Das freut mich sehr. Willkommen im Club! Und wenn du mal Hilfe brauchst: In der Frau-Chefin-Facebookgruppe hat es immer einen Platz…

      Liebe Grüße
      Isabelle

  4. Ui Altlasten sind ja genau mein Thema. Ne Firma übernehmen, die andere aufgebaut haben bringt das natürlich mit sich.
    Für mich geht das Thema also viel weiter als ein unübersichtlicher Schreibtisch.
    Mir meine alten Ideen anschauen mache ich aber auch, und die meisten sind immer noch gut verwendbar. Für mich stellt sich vorwiegend die Frage, wie viel Veränderung wichtig und richtig ist und was vielleicht einen ticken zu viel des Guten ist.
    Wie immer ein guter Artikel und dir noch eine schöne und produktive Woche.

    1. Danke, Linda 🙂
      Klar, bei dir ist das nochmal ein ganz anderer Berg als nur ein Schreibtisch. Ich höre zum Beispiel auch wahnsinnig oft in Veranstaltungshäusern „machen wir schon immer so, ich mache das jetzt auch so…“. Veränderung ist nicht immer einfach. Ich mache so viel wie ich denke, dass es nötig ist und ich mich wohlfühle. Man muss schließlich nicht alles auf einmal machen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.