Hallo Schweinehund, du schon wieder?

Hallo Schweinehund, du schon wieder?

Als heute morgen um neun der Wecker bei mir klingelte – ja, ich weiß, du wirst jetzt sagen “was, erst um neun?” – ist er da. Der Schweinehund. Mein erster Gedanke war: Warum um neun aufstehen, wenn kein Chef auf mich wartet? Ich bin mein eigener Chef und das ist mal verdammt genial.

Ich erlaube mir, auszuschlafen.

Gestern dachte ich noch, neun sei eine gute Zeit, es ist nicht zu früh und auch nicht zu spät. Man hat noch etwas vom Tag und hatte genug von der Nacht. Aber heute Morgen… Da war ich ganz anderer Meinung. Als Chefin darf man auch seine Meinung ändern, das gehört quasi zum Beruf “Chef” dazu. Zumindest war das meine absolute Überzeugung, als ich noch in meinem wunderbar warmen Bett lag.

Während ich also dem Schweinehund nachgebe und alle neun Minuten die Schlummertaste meines Smartphones drücke, checke ich nebenbei schonmal, was über Nacht so bei Facebook, Twitter und Co passiert ist. So geht der Morgen stramm auf die zehn zu. Obwohl um halb elf bereits mein Rücken vom Liegen weh tut, tue ich genau das, worauf ich Lust habe – nämlich liegenbleiben.

Der Schweinehund hatte gesiegt.

Um kurz nach elf, als mir der Magen bereits in den Kniekehlen hängt, quäle ich mich langsam aus meinem warmen Nest. Erstmal eine Tasse Tee und ein Marmeladenbrot to Go und ab an den Schreibtisch. Dort checke ich erstmal Twitter. Es ist schließlich bereits eine Viertelstunde vergangen, was bei diesem Kurznachrichtendienst eine Ewigkeit ist.

Ja, es gibt diese Tage wirklich. Und ja, zur Zeit kommen sie öfter vor. Um ehrlich zu sein, ich kämpfe gerade tagtäglich eine riesengroße Schlacht gegen meinen Schweinehund. Er gewinnt manchmal, aber zu 90 Prozent aller Tage, bis ich stärker. Was mir dabei aufgefallen ist: Mein Schweinehund meldet sich immer dann mit einem riesigen Getöse, wenn ich gerade einen Tag frei hatte – oder noch schlimmer – ich für ein paar Tage Urlaub gemacht habe. Ganz nach dem Motto: So, jetzt bist du endlich relaxt, Zeit, dich voll um deinen Schweinehund zu kümmern.

Gäbe es da nicht dieses eine Problem:

Du wirst nicht erfolgreich, wenn du von morgens bis abends auf dem Bett, oder Sofa rumlungerst, die neusten Serien bei Netflix anschaust, im Fünf-Minuten-Takt deine sozialen Netzwerke checkst und dir jeden Tag Tiefkühlpizza reinhaust.

Und nein, du wirst auch nicht erfolgreich, wenn du den Tag mit Lesen auf dem Balkon verbringst, dir Dokus auf 3sat anschaust, dich mit einer Freundin zum Kaffee triffst und dir jeden Tag grüne Smoothies reinziehst.

chillen ist nicht, wenn du was erreichen willst. Schweinehund hin oder her.

Ich bin mir sicher, viele haben genau dieses Bild einer Selbstständigen vor Augen, vor allem, wenn man von Zuhause arbeiten kann. In Wahrheit sieht es anders aus. Ich stehe morgens mit meiner Selbstständigkeit auf und gehe abends mit ihr ins Bett. Ich bin nicht unbedingt ein Workaholic, aber wenn man keinen Chef hat, der einem am Monatsende ein schönes Sümmchen überweist, muss man selbst schauen, wo man bleibt. Und leider zahlen Twitter und Facebook nicht meine Miete – und auch nicht dieser Blog.

Ich finde, wenn man an den Tagen, an denen der Schweinehund aus seiner Höhle kriecht, in den meisten Fällen gewinnt, ist das in unserem Fall eine beachtliche Leistung. Auf die darf ich und auch du stolz sein. Ist übrigens echt ein cooles Gefühl.

Mein Tipp, wenn der Schweinehund mal wieder an der Tür klopft:

Steck dir Ziele, arbeite und belohne dich, wenn du diese erreicht hast. Und geb hin und wieder deinem Schweinehund nach. Vergiss dabei aber nicht: Selbstständig sein ohne klares Konzept und Ziele funktioniert nicht (zumindest nicht bei mir) und die Belohnung sollte es erst hinterher geben. Schließlich gibt es genug gute Serien, die geschaut und genug Betten, die geschlafen werden wollen.

Versteckt sich der Schweinehund im Homeoffice?

Von Zuhause aus zu arbeiten und sich ständig der Gefahr hinzugeben, durch Wäscheberge, Geschirr und Staub ablenken zu lassen, ist sicher nicht für jede die perfekte Arbeitssituation. Ich habe großen Respekt vor allen Frauen, die sich ihren Traum von der Selbstständigkeit in einem Homeoffice erfüllen. Und sich dabei nicht vom plärrenden Schweinehund ablenken lassen. Ich genieße zum Beispiel die wenigen Tage, die ich im Monat von meinem Homeoffice aus arbeiten kann. Ich setze mich bewusst der Gefahr aus, dem Schweinehund freien Lauf zu lassen – und ja, er gewinnt manchmal. Aber: Ich finde es einfach wunderbar, zum Arbeiten nicht immer aus dem Haus zu müssen.

Jede von uns muss ihren persönlichen Weg finden, aber eins ist klar: Den Schweinehund müssen wir alle hin und wieder überwinden.
Also: Vollgas! Bist du dabei?

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Frau Chefin
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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2 Gedanken zu “Hallo Schweinehund, du schon wieder?

  1. Annika schreibt:

    Achja, der Schweinehund.
    Ich arbeite auch vom HomeOffice aus und meistens klappt das auch ganz gut. Heute allerdings scheint die Sonne, ich habe zu wenig geschlafen und habe Lust auf 1000 Sachen – außer denen, die ich machen müsste.
    Ich versuche mir feste Stunden einzuteilen, also z.B. 4 Stunden für einen Kunden. Wenn ich die abgearbeitet habe, dann “darf” ich mir auch Zeit für andere Dinge nehmen. Und auf meine To Do Liste kommen immer auch schöne Dinge, bzw eigene Projekte. So kann man sich belohnen und hat gleichzeitig das Gefühl, produktiv zu sein.
    Ich liebe es aber, meine Zeit frei einteilen zu können. So kann ich die Sonne heute nutzen um am Balkon zu arbeiten, zwischendurch eine Runde spazieren zu gehen und meine Wäsche schnell trocknen zu lassen – all das wäre bei einer Festanstellung nicht möglich :)

  2. Anna schreibt:

    Da ich eine Nachteule bin, habe ich viel produktive Zeit abends/nachts. Morgens komme ich auch nur schwer in die Gänge, dafür kann ich bis 3:00 nachts produktiv arbeiten. Von daher sehe ich das Aufstehen nicht zwangsweise als ein großes Problem.
    Serien, Hausarbeit, Klönschnack etc. sind da eine größere Verführung. Da hilft es mir, mir eine Zeit festzulegen, in der gearbeitet wird und dann aber auch eine Zeit zu haben, in der reine Freizeit gemacht wird, eben zur Belohnung.
    Und mit dem Aufstehen hilft mir, wenn ich Termine so lege, daß ich aufstehen muß (bei mir dann eher 11:00 als 9:00, aber das ist ja egal). Das kann ja auch nur ein Telefongespräch sein, aber wenn ich erstmal auf bin, lege ich mich in der Regel nur dann wieder ins Bett, wenn ich super müde bin und dann ist es wahrscheinlich auch sinnvoll 😉

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