Alltag als Selbstständige

Was ich alles NICHT für meinen Erfolg mache

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht irgendwo lese, wie ich noch besser, noch schneller, noch erfolgreicher werden kann. Tipps für meine Karriere werden mir bereits zum Aufstehen angeboten. Dabei ist der Begriff von Erfolg sehr individuell auslegbar und wird von jedem Menschen unterschiedlich empfunden.

Grundsätzlich finde ich es natürlich sinnvoll und auch toll, dass so viele Menschen Tipps geben, wie man ein erfolgreiches Business haben kann. Auf Frau Chefin mache ich das auch – nur mit einem klitzekleinen Unterschied zu sehr vielen anderen Seiten: Ich zwinge dir nicht meinen Weg auf, oder sage dir: „Mach das so und so, sonst wirst du nie erfolgreich!“. Genauso wenig behaupte ich, dass ausgerechnet mein Weg der einzig richtige ist, drücke dir ein Schema F auf und zack – erfolgreiches Business. Sorry, das ist in meinen Augen einfach nur Geldmacherei und fernab von jeder Realität.

Das ist übrigens auch ein Mitgrund, warum ich ganz persönlich immer weniger von Onlinekursen halte. Was in meinen Augen ursprünglich als coole Idee begann, ist in vielen Fällen mitlerweile eher zu einer geldmachenden Massenabfertigung ohne persönliche Hilfe geworden. Meine Meinung, die du nicht teilen musst.

Weil mich dieses große Thema schon seit längerer Zeit wurmt, möchte ich dir mal meine ganz eigene Meinung zum Thema Erfolg zeigen. Es gibt nämlich eine ganze Menge gut gemeinter Ratschläge, die ich nicht befolge, um „noch erfolgreicher“ zu werden. Zumindest in dem Sinne, was ich darunter verstehe.

Was ich alles nicht für meinen Erfolg mache…

…ist ganz schön viel. Zum Beispiel knechte ich mich nicht damit, morgens um 7 Uhr aufzustehen, nur um den frühen Vogel zu immitieren, der dann als müder Wurm am Schreibtisch hängt. Ich stehe auf, wenn ich ausgeschlafen bin und auch mein Kopf dafür bereit ist, wirklich etwas zu leisten.

Ich tüftele nicht Tage und Wochen eine Social-Media-Strategie aus, mache einen Redaktionsplan oder habe gar eine ausgefuchste Jahresplanung. Ich poste dort, wo ich Lust habe und es mir zahlenmäßig etwas bringt, schreibe darüber, wonach mir im Augenblick der Kopf steht und ich denke, dass dir der Artikel für dein Business weiterhilft und plane nur Monat für Monat meine nächsten Aktionen und Ziele.

Ich renne nicht jedem Hype hinterher und versuche mich bei jedem neusten Schrei. Ich beobachte erstmal und entscheide dann ganz rational, ob es für mich das Richtige ist. Ob es zu mir, meinen Werten und meiner Persönlichkeit passt. Verbiegen möchte ich mich nämlich nicht.

„Was ich alles nicht für meinen Erfolg mache ist ganz schön viel.“

Auch wenn es bei mir etwas gedauert hat, aber inzwischen schaue ich nur noch ganz selten nach rechts und links und spicke, wie andere das machen. Dafür habe ich mich u.a. bei wahnsinnig vielen Newslettern abgemeldet. Ich mache mein Business so, wie ich das für richtig halte und es zu mir und meiner Persönlichkeit passt.

Ich lasse mich nicht am Schreibtisch von einem Wecker daran erinnern, dass ich etwas trinken soll, weil das meine Konzentration steigert und gesund ist. Es hilft bei so mancher Person mit Sicherheit. Ich renne dann allerdings alle 15 Minuten auf die Toilette und bekomme gar nichts mehr geschafft.

Ich miete mir keinen Schreibtisch in einem Coworkingspace, nur um konzentrierter und produktiver zu arbeiten – auch wenn ich die Idee ganz nett finde. Dafür liebe ich mein Homeoffice viel zu sehr mit allen Gegebenheiten, die ich in greifbarer Nähe habe.

Ich ziehe mir morgens keinen Look an, der mich nach Business aussehen lässt, nur weil es den Kopf auf Erfolg einstellt. Ich bin Typ Jeans, Shirt und Lederjacke und werde daran auch nichts ändern. Meine Devise: Ich muss mich selbst hübsch finden und wohl fühlen, dann läuft es mit der Motivation.

Ich nutze nicht zig Tools und Listen, um irgendwie produktiv zu sein (oder den Eindruck davon zu vermitteln). Ich habe eine richtig gute Liste, das reicht.

Ich mache mir keinen Kopf (mehr), weil ich eigentlich viel öfter Redaktionen anschreiben, Gastartikel verfassen, Interviews geben, einen Podcast produzieren und Videos drehen sollte. Ich mache es dann, wenn ich Zeit dafür habe und aus einem speziellen Grund einen Nutzen darin sehe. Ich bin auch so gut ausgelastet und möchte auf gar keinen Fall, dass die Qualität sinkt. Denn die würde früher oder später leiden, wenn ich auf zehn Hochzeiten gleichzeitig tanze und dabei noch versuche zwei Businesses alleine zu schaukeln.

Wächst Frau Chefin deswegen langsamer?

Mit Sicherheit. Aber Frau Chefin wächst und es geht immer ein Stückchen vorwärts und das ist für mich die Hauptsache.

Werde ich nie so groß und erfolgreich sein wie andere Bloggerinnen? – Vielleicht. Keine Ahnung. Ich bin jedenfalls noch dabei und so manch anderer Blog, der zeitgleich mit mir gestartet ist, nicht. Andere sind dafür weiter.

Erfolg SelbstständigkeitBin ich zufrieden? – Im Großen und Ganzen ja. Meine persönlichen Baustellen kenne ich und die würden sich auch nicht in Luft auflösen, wenn ich regelmäßig Wasser trinke, Sport treibe, in einem Coworkingspace arbeite, oder eine Menge Gastartikel schreibe. Das ist eine Sache zwischen dir und mir – und die muss ich ganz alleine für mich lösen.

Mal so nebenbei: Diese Einstellung war harte Arbeit und soll jetzt auch nicht rüberkommen, als würde ich das hier als Larifari-Angelegenheit und Spaßprogramm sehen. Spaß darf man durchaus bei der Arbeit haben, das ist kein Verbrechen. Genauso sollte man meiner Meinung nach man selbst bleiben und Fünfe gerade sein lassen. Ständiges Müssen verdirbt irgendwann die Laune. Und Ruhe und innere Zufriedenheit sind besser als ein schnelles Vorwärtskommen. Das ist meine persönliche Definition von Erfolg!

Arbeit ist für mich wichtig, aber nicht alles im Leben

Ich bin zwar kein Workaholic, aber so ganz ohne Arbeiten könnte ich auch nicht. Ich liebe meinen Blog und sehe darin auch ein Hobby, das mir sonst im Alltag fehlen würde. Aber sowohl Frau Chefin als auch mein Business als Tontechnikerin sind nicht alles in meinem Leben. Was mir viel mehr bedeutet, ist Aufmerksamkeit und Zeit für meine Familie zu haben. Beides in dem Maße zu erfüllen, wie ich es mir vorstelle, wäre natürlich großartig, aber ganz ehrlich? Das ist in der Realität nicht möglich. Zumindest nicht immer und jeden Tag.

Mittlerweile bin ich über den Punkt hinaus, alle Jobs anzunehmen, alles machen, alles mitnehmen zu wollen. Ich nehme lieber weniger Aufträge an, knie mich dafür umso mehr hinein. Das ist für mich der bessere Weg.

Für mich ist Erfolg auch, die Gewissheit, für meine Familie da zu sein, wenn ich gebraucht werde und wenn ich Zeit mit ihr verbringen möchte und dennoch ein Business führen zu können, das stetig einen Schritt nach vorne macht.

Wäre alles anders, wenn ich nicht Mama wäre?

Kurz gesagt: Ja. Ich hätte mehr Zeit und könnte mir meine Zeit freier einteilen (Stichwort: Panisches Produktivsein während des Mittagsschlafs). Ich hätte bei gleicher Arbeit mehr Geld zur Verfügung und könnte öfter Urlaub machen, oder mir andere Dinge leisten. Wäre ich aber glücklicher?

Nein. Mir würde etwas Fundamentales in meinem Leben fehlen. Außerdem ist es tatsächlich so, dass Frau Chefin besonders stark gewachsen ist, seitdem ich Mama bin, weil ich gelernt habe, viel fokussierter und produktiver zu arbeiten und mich nicht mehr in fixen Ideen zu verzetteln. Und mehr Urlaub würde ich wahrscheinlich auch nicht machen, sondern mir eher ein weiteres Hobby suchen 😉

„Erfolg ist Einstellungssache und beginnt in deinem Kopf.“

Erfolg SelbstständigkeitWie es so schön heißt. Und es ist auch so. Fakt ist, es gibt immer jemanden, der erfolgreicher ist als du (es sei denn, du bist der absolute Guru in deiner Nische). Es gibt immer jemanden, der etwas besser / anders / innovativer / besonderer macht als du und du auch immer mal wieder denken wirst: „Mensch, warum bin ich nicht auf die Idee gekommen?“ oder auch „Die Idee hatte ich auch! Doof, dass ich sie nicht früher umgesetzt habe!“.

Aber ändert das etwas an deinem Erfolg?

Oft denke ich, dass es in der heutigen Zeit schon Erfolg genug ist, man selbst zu bleiben und ganz „dickköpfig und trotzig“ seinen eigenen Weg zu gehen – egal, was andere sagen.

Ich mache vieles NICHT für meinen Erfolg, dafür aber viele andere Dinge für meinen Erfolg. Wichtig ist, dass du dir die Dinge rauspickst, die für dich persönlich wichtig sind und sich richtig anfühlen. Die einfach zu dir passen und du dich nicht verbiegen musst.

Ich bin neugierig: Was machst du alles NICHT für deinen Erfolg?

About the author
Hallo, ich bin Isabelle! Ich helfe selbstständigen Frauen, mit ihren Audios und Videos einen starken Onlineauftritt hinzulegen. Seit Oktober 2014 bin ich als Vollzeit-Selbstständige und seit mehr als neun Jahren als Audio- und Videotechnikerin unterwegs. Januar 2016 gründete ich meinen Business-Blog "Frau Chefin". Dort findest du über 150 Artikel zu den Themen Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstorganisation sowie Audio- und Videotechnik.

2 Kommentare

  1. „Mittlerweile bin ich über den Punkt hinaus, alle Jobs anzunehmen, alles machen, alles mitnehmen zu wollen. Ich nehme lieber weniger Aufträge an, knie mich dafür umso mehr hinein. Das ist für mich der bessere Weg.“

    Den Satz finde ich soo wichtig. Darauf versuche ich auch meine Firma umzustellen – lieber weniger Aufträge abarbeiten und einigen auch mal absagen oder sie verschieben, als dann 10 Stück zu haben, diese aber nur halbherzig und evtl. fehlerhaft zu machen.

    Und zu dem Thema Mamasein und die damit veränderte Sichtweise: Ich könnte jetzt sagen, das hab ich schon damals kommentiert, dass es mit Kind eben doch immer ganz anders kommt als man es geplant hat und das es genauso dann auch gut ist. Ich glaube, ich wäre mit meiner ursprünglichen Idee, maximal 20 Stunden die Woche zu arbeiten, ohne Verantwortung und Abwechslung, nicht so gut gefahren.

    Und ich bleibe bei meinem Coach, wenn es um das Thema Erfolg geht und der sagt „Erfolg ist das, was erfolgt.“ Also keine Wertung zwischen gut oder schlecht.

    1. Hallo Linda,

      der Satz ist prima: „Erfolg ist das, was erfolgt.“ Den merke ich mir auf jeden Fall! Danke für deinen Input und deine Sichtweise. Und was das Thema Mamasein betrifft: Absolut! 🙂

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