„Soll ich aus meiner Leidenschaft ein Business machen?“

„Soll ich aus meiner Leidenschaft ein Business machen?“

In den Kommentaren und Leser-Mails, die mich erreichen, werden mir immer wieder diese Fragen gestellt: „Soll ich aus meiner Leidenschaft ein Business machen?“ Und: „Meinst, du, ich könnte damit Erfolg haben?“. Da das offensichtlich ein wichtiges Thema ist, werde ich in diesem Artikel genauer darauf eingehen.

Bevor ich ins Detail gehe, möchte ich erstmal Danke sagen. Danke dafür, dass ihr mir schreibt. Und vor allem dafür, dass ihr von mir einen Rat möchtet. Das ehrt mich sehr und ist und sollte auch nicht selbstverständlich sein.

Und jetzt zur eigentlichen Frage: „Soll ich aus meiner Leidenschaft ein Business machen?“. Ganz ehrlich? Ich kann dir darauf erstmal nur ein eindeutiges „Vielleicht“ antworten. Warum? Weil es dabei auf eine Vielzahl an Faktoren ankommt:

1. Du musst brennen für das, was du tust

Das ist die Voraussetzung, um überhaupt ein erfolgreiches Business aufzubauen. Denn – das kannst du mir glauben – ohne diesen Motivationsboost wirst du in einer Selbstständigkeit nicht glücklich. Ich rede hierbei nicht davon, dass du etwas einfach gerne machst. Sowas wie eine Sportart, oder ein Hobby.

Ich rede davon, dass du die Tätigkeit, mit der du dich selbstständig machen möchtest so sehr liebst, dass du lieber ein Bein opfern würdest, als sie aufzugeben. Davon, dass es dir egal ist, wenn du für deinen Traum 70 Stunden die Woche arbeiten musst. Und auch davon, dass du Hürden meistern musst sowie auf vieles verzichten wirst (zumindest am Anfang).

2. Du solltest ein Ziel vor Augen haben

Viele Selbstständige starten mit einer Idee und einer Leidenschaft für eine Tätigkeit. Aber wohin willst du damit? Was ist dein Ziel? Es mag vielleicht etwas hart klingen, aber ohne ein konkretes Ziel, wirst du vielleicht ein Hobby haben, mit dem du nebenher ein bisschen Geld verdienst. Aber du wirst kein Business haben!

Deshalb frage dich: Was ist mein Ziel? Wo will ich hin? Was ist mein Traum?

3. Höre nicht unbedingt auf deine Freundinnen

Erst vor wenigen Tagen hat mich wieder eine Mail erreicht mit den Sätzen:

„Ich nähe so gerne! Da meine Freundinnen meine genähten Kinderkleider so toll finden, möchte ich jetzt meine selbstgenähten Klamotten im Internet verkaufen.“

Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee. Gäbe es da nicht die zwei verschiedenen Blickwinkel:

  • Wenn es darum geht, etwas als Hobby zu betreiben, wird man gerne gelobt, wie toll man das denn macht und man solle doch darüber nachdenken XY auch zu verkaufen.
  • Wenn man allerdings dann auf den Tisch haut und sagt, ich mache mich mit XY selbstständig, fallen die Reaktionen in vielen Fällen ganz anders aus als erwartet: „Meinst du das ernst? Ja, wie stellst du dir das denn vor? Willst du das wirklich, selbstständig sein? Denk doch auch an deine Rente! Meinst du, du bist gut genug dafür?“

Und schon sitzt man da, zweifelt an der eigenen Idee, hat den Mut verloren und weiß jetzt gar nicht mehr so richtig, was man machen soll.

Deshalb meine Frage: Wie ehrlich sind deine Freundinnen in ihren Aussagen? Ich möchte jetzt nicht deine Freundinnen in ein falsches Licht rücken. Aber, wenn du dir mal selbst an die Nase fasst, wie oft hast du etwas positiver ausgedrückt, als es eigentlich war? Traust du dich, jemandem wirklich ins Gesicht zu sagen, dass der Kuchen überhaupt nicht schmeckt oder die Kleidung furchtbar aussieht?

4. Zweifelst du noch, oder planst du schon?

„Ich habe irgendwie nicht den Mut, das durchzuziehen und mich wirklich selbstständig zu machen.“

Die Frage ist: Warum fehlt dir der Mut? Bzw. warum zweifelst du an deiner Idee? Ich würde tippen, es liegt einzig und allein daran, dass du in ein Abenteuer ohne vorprogrammierbares Ende läufst. Du weißt einfach nicht, wie sich dein Business entwickeln wird, du weißt nicht, ob du damit erfolgreich sein wirst und noch weniger, ob du damit deinen Lebensunterhalt finanzieren kannst.

Der Haken ist: DAS ist Selbstständigkeit! Du wirst vielleicht eine Prognose in den Händen halten und auch eine Einschätzung haben, wie der Markt sich entwickelt. Aber du wirst nie eine Erfolgsgarantie bekommen!

5. Du musst wie eine Unternehmerin denken!

Vielleicht sagst du jetzt an dieser Stelle: „Hey, ich brenne für das, was ich tue, ich habe ein Ziel vor Augen, auf meine Freundinnen höre ich sowieso nicht und die Planung ist auch schon in vollem Gange!“. Dann herzlichen Glückwunsch!

Aber denkst du auch wie eine Unternehmerin?

Vielleicht hast du dir etwas angespart und dir reicht deine Festanstellung, um alle Kosten zu decken? Wunderbar! Dann hast du die besten Voraussetzungen, um ohne Druck aus deiner Leidenschaft ein Business aufzubauen.

Aber: Aus einer Leidenschaft ein Business zu machen, bedeutet auch, irgendwann damit Geld verdienen zu müssen. Nicht nur möchten! Sätze wie „Es wäre toll, wenn ich damit auch hin und wieder etwas Geld verdiene“ sind keine Basis für ein ernsthaftes Unternehmen. Wenn du selbstständig sein willst, dann musst du auch wie eine Unternehmerin denken. Und die muss schauen, dass sie Einnahmen erzielt.

Denn, ein Business zu haben, bedeutet auch eine gewisse Verpflichtung. Selbst, wenn du als Einzelkämpferin arbeitest und keine Familie hast. Du hast immer noch die Verantwortung für dich selbst!

Sprich, auch wenn du deine Leidenschaft erstmal in Form einer nebenberuflichen Selbstständigkeit zu einem Business ausbauen willst und vielleicht nicht von Anfang an auf Einnahmen angewiesen bist, hast du dennoch Ausgaben. Sei es für ein Logo, Visitenkarten, Arbeitsmaterialien, oder zusätzliche Versicherungen. All das will bezahlt werden.

6. Wie realistisch ist es, dass du damit auch Geld verdienst?

Von großen Zufällen abgesehen, ist eine Sache leider Tatsache: Da draußen in der weiten Welt sitzt niemand, der genau auf dich und deine Businessidee wartet. Sprich, selbst wenn du dich selbstständig gemacht hast und mit Leidenschaft an deinem Business arbeitest, aber den Menschen da draußen nicht klar machst, dass sie genau dein Produkt oder deine Dienstleistung brauchen (und unbedingt kaufen sollen), dann rollt auch der Rubel nicht.

Besonders schwierig ist es, wenn du eine Nische besetzt, in der deine Zielgruppe nur minimal vertreten ist. Ebenfalls schwierig ist es, wenn du zum Beispiel einen Friseursalon eröffnen willst, es aber schon fünf in deinem kleinen Ort gibt.

Eines noch zum Schluss

Ich möchte nicht, dass du jetzt Angst hast und aus deiner Leidenschaft kein Business machst. Ebenso möchte ich nicht, dass du dich mit einer rosaroten Brille in das Abenteuer Selbstständigkeit begibst und das kein gutes Ende nimmt.

Mein Rat ist es, dass du – sobald du dir ernsthaft Gedanken zu dir, deiner Leidenschaft und deinem zukünftigen Unternehmen gemacht hast – eine unabhängige Meinung einholst. Jemanden, der sich deine Idee anhört und dir ehrlich sagt, was er davon hält. Dazu gibt es unter anderem Gründungsberater und auch Stellen für Gründungsberatungen. Oder du nimmst dir jemanden an deine Seite, der dir auch nach der Gründung noch unter die Arme greift und dich auf deinem Weg unterstützt. So wie ich 😉

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Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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2 Gedanken zu „„Soll ich aus meiner Leidenschaft ein Business machen?“

  1. Die Freiberuflerin sagt:

    Ich denke, wenn man sich bewusst für die Selbstständigkeit entscheidet und auch (im Vorfeld) sich über mögliche Konsequenzen Gedanken macht, dann hat man nichts zu verlieren. Ein Plan B ist nie verkehrt, aber eine gewisse Portion Mut gehört wohl auch immer mit dazu – neben der Leidenschaft 🙂

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