Unsicherheit Selbstständigkeit

Unsicherheit Selbstständigkeit. Oder: Was ist schon sicher?

Die Unsicherheit einer Selbstständigkeit: Ich weiß gar nicht, wie oft ich diese Diskussion im Laufe meines Freelancerdaseins schon geführt habe. Doch, was ist schon sicher? Wie sicher ist heute denn eine Festanstellung wirklich?

Ich möchte gleich zu Beginn erwähnen, dass ich großes Verständnis dafür habe, wenn du zu den Menschen gehörst, die finanzielle Sicherheit anstreben. Es ist ja nicht so, dass es ein gutes und beruhigendes Gefühl ist. Was ich allerdings nicht verstehe, ist, wenn das der absolut einzige Grund ist, dass du nicht den Schritt in die Selbstständigkeit wagst. Was denkst du denn, wie sicher eine Festanstellung heutzutage ist?

Dieser Sicherheitsgedanke, der in unserer Generation noch mit einer Festanstellung verankert ist, löst sich immer mehr auf. Ja, unsere Großeltern hatten noch das Glück von der Ausbildung bis zur Rente in einem Betrieb beschäftigt zu sein. Das gehörte zum guten Ton dazu. Und ein Arbeitsplatzwechsel war in etwa so verpönt, wie eine Scheidung.

Bereits in der Generation unserer Eltern war ein Arbeitsplatzwechsel nicht mehr ganz so ungewöhnlich. Und heute? Wer ist heute noch sein gesamtes Arbeitsleben bei einem Unternehmen angestellt? Du etwa? Deine Freunde? Oder Geschwister? Und vor allem auch: Welcher Arbeitgeber möchte das noch?

Heute hat sich der Arbeitsmarkt in sehr vielen Bereichen enorm verändert. Maschinen ersetzen immer mehr Berufe, dafür werden neue geschaffen. Es gibt zahlreiche betriebsbedingte Kündigungen. Dazu kommt, dass in unserer immer globaler werdenden Arbeitswelt immer mehr Flexibilität verlangt und vorausgesetzt wird. Vor allem in der digitalen Branche sind Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen fast schon eine Einstellungsvoraussetzung und daher alles andere als ein Nachteil. Merkst du was?

Und trotzdem: In unseren Köpfen ist eine Festanstellung immer noch mit Sicherheit und eine Selbstständigkeit mit Unsicherheit verankert.

Worin besteht denn nun in der Festanstellung die angestrebte Sicherheit?

Ok, wenn es gut läuft, kannst du einige Jahre vorausplanen. Als Frau hast du ein Recht auf Mutterschutz, Elternzeit und Teilzeit, sofern du den Wunsch hast, eine Familie zu gründen. Und du darfst auch krank werden, was gerade in dieser Jahreszeit echt angenehm sein kann.

Aber das waren noch nicht alle Vorzüge, es kommen noch zwei weitere Faktoren dazu: Ein fester Aufgabenbereich und ein festes Gehalt. Und letzteres ist den meisten Menschen enorm wichtig. Verständlich, denn die Tatsache, dass am Monatsende kontinuierlich Betrag X auf dem Konto eintrudelt, beruhigt ungemein.

Was allerdings viele nicht so ungemein beruhigt, ist der feste Aufgabenbereich. Was, wenn du motiviert und ehrgeizig bist, dich fortbildest, höher qualifizierst und trotzdem weder eine Gehaltserhöhung, noch einen neuen Arbeitsbereich bekommst? Was dann? Dann bist du früher oder später ziemlich frustriert und wechselst schließlich irgendwann den Arbeitgeber.

Und worin besteht die scheinbare Unsicherheit einer Selbstständigkeit?

Fakt ist: Als Freelancerin musst du dich von deinem übermäßigen Sicherheitsgedanken verabschieden. Und ein Quäntchen Unsicherheit kaufst du dir im Prinzip mit der Anmeldung deiner Selbstständigkeit. Das lässt sich auch nicht schön reden.

Du hast weder ein festes Gehalt, noch bist du Hellseherin und kannst voraussagen, wie die Auftragslage sein wird. Aber das konnte dir auch kein Chef in einer Festanstellung. Nur hat es dich damals nicht interessiert, solange genug Arbeit auf dem Schreibtisch lag.

In der Regel hat man als Arbeitnehmerin keinen Überblick über das große Ganze. Neue Aufträge ziehen andere ans Land, wie sie das machen, weiß man oftmals nicht. Und ehe man sich versieht, hat man einfach so ein neues Projekt auf dem Schreibtisch liegen – ganz magisch.

Als Sebstständige bist du nicht nur deine eigene Chefin, sondern musst auch die Aufträge an Land ziehen und deine an Land gezogenen Projekte alleine abarbeiten. Man könnte sagen, du füllst in einer Selbstständigkeit drei Aufgaben aus, die in einer Festanstellung oftmals auf mehrere Personen verteilt sind. Magisch ist dabei zwar selten etwas, aber das Gefühl, das alles ganz alleine zu schaffen, ist unbeschreiblich.

Was du bestimmt auch aus deiner Zeit als Festangestellte kennst: Überstunden. Ich kann dir auf jeden Fall Brief und Siegel darauf geben, dass auch Überstunden zu Beginn deiner Selbstständigkeit dein wöchentlicher Begleiter sein werden, zumindest, wenn du es ernst meinst.

Und nun zum Thema Geld. DAS Hauptargument für die Unsicherheit in einer Selbstständigkeit

Ich bin der festen Überzeugung, wenn du mit einem guten Plan und einem dazu passenden Konzept startest, dann wirst du ausreichend Aufträge bekommen. Auch solltest du dir vorher mal den Markt und die mögliche Konkurrenz anschauen. In einem Nest von 1000 Einwohnern bedarf es bestimmt nicht den dritten Friseursalon…

In deiner Selbstständigkeit hast du in Bezug auf dein Gehalt zwei enorme Vorteile: Du kannst dein Angebot aktuellen Trends sowie deinen persönlichen Stärken anpassen und deinen Tagessatz deinen Fähigkeiten. Und umso mehr Fähigkeiten du in deiner Selbstständigkeit erwirbst, umso höher wird auch dein Tagessatz.

Der Haken: Auch als Freelancer hast du Konkurrenz, die den Preis drückt und es gibt sowas wie Marktpreise. Und jetzt? Halte Ausschau nach deinen Alleinstellungsmerkmalen! Was kannst du anbieten, was andere nicht haben und was fehlt deinen derzeitigen und potenziellen Kunden?

Letztendlich ist die Frage nach der Sicherheit beim Gehalt eine Medaille mit zwei Seiten:

Zum Einen bekommst du in einer Festanstellung jeden Monat dein festes Gehalt. Allerdings hast du auf die Entwicklung nur wenig Einfluss und eine Gehaltserhöhung ist auch dann nicht selbstverständlich, wenn du dich weitergebildet hast oder das Unternehmen den doppelten Gewinn einfährt.

Als Freelancer hast du kein festes Gehalt, mit dem du gut planen kannst. Dafür hast du die Möglichkeit, bei jedem neuen Projekt einen neuen und fairen Satz entsprechend deiner Kenntnisse uns Fähigkeiten auszuhandeln.

Und mal so am Rande: Unternehmen arbeiten in vielen Fällen lieber mit Freelancern zusammen, da sie zum Einen geringere Ausgaben und Risiken für das Unternehmen bedeuten (Zahlung bei Krankheit, Versicherungen) und zum Anderen sind sie in der Regel projektbezogen und somit befristet anwesend und werden aus Projektbudgets bezahlt.

Eines muss dir von Anfang an klar sein:

Wenn du selbstständig bist, dann bist du Ab sofort der oberste Boss in einem Unternehmen – nämlich in deinem.

Also sage mir: Sind es diese scheinbaren Vorzüge einer Festanstellung wirklich wert, dass du nicht den Schritt wagst, deine eigenen Träume zu verwirklichen? Deine eigenen Ziele zu verfolgen? Und schließlich deine eigene Chefin zu sein?

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Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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2 Gedanken zu „Unsicherheit Selbstständigkeit. Oder: Was ist schon sicher?

  1. Silke Brackert sagt:

    Ich habe es keinen Moment bereut, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben.
    Gerade die Überwindung meiner Existenzangst hat mir eine ganz andere Art der Sicherheit gegeben. Denn nun weiß ich, dass ich auch Zeiten der scheinbaren existentiellen Not überwinden kann und sich daraus neue Chancen entwickeln können. Denn so hat sich mein Unternehmen in eine etwas andere Richtung entwickelt, als ich es ursprünglich geplant hatte.
    Und die Freiheit, entscheiden zu können, wohin die Reise geht, möchte ich wahrlich nicht missen.

    Liebe Grüße
    Silke

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