Mein Leben ist eine Baustelle

Alltag als Selbstständige

Irgendwann musste es einfach so kommen: Ich habe mich zwischen all dem Trubel – Schwangerschaft, Babyvorfreude, Selbstständigkeit, und Blog – verzettelt. Gefühlt reiste ich von einer Welt in die andere, immer mit halb ausgepacktem Koffer, mit vielen Ideen und zu wenig Zeit.

In den vergangenen zwei Jahren ist viel passiert. Ich hatte aufregende Tage und Monate, war berauscht von dem Gefühl, dass es immer weiter geht, ich immer einen Schritt vorwärts komme, selten einen zurück gehe. Wie im Gefühlsrausch raste ich durch die Tage, plante, schmiedete Ideen, war kreativ und arbeitete oft bis in die Nacht hinein.

Vor ein paar Tagen fiel mir auf, dass ich schon lange kein richtiges Wochenende mehr hatte. Also ein freies Wochenende. Und noch länger eines zusammen mit meinem Mann, an dem wir nur Zeit und Augen für uns hatten. Leider hat auch mein Tag nur 24 Stunden und die sind nicht selten vollgepackt bis zum Anschlag. Klar, es sollte noch so viel erledigt werden, bevor das Baby kommt, ich möchte noch so viel abarbeiten bis dahin und noch so viele Ideen wie möglich umsetzen, weil ich mir sicher bin, dass mir dazu dann erstmal die Zeit fehlen wird.

Zeit für Müßiggang? Zeit, meine Akkus aufzuladen? Fehlanzeige. Seitdem ich die große Müdigkeitsphase der ersten Schwangerschaftsmonate überwunden habe, rase ich durch die Zeit als gäbe es kein Morgen. In jeder freien Minute zieht es mich zurück an meinen Laptop, an den ich zur Zeit festgewachsen zu sein scheine.

Mein Leben ist eine Baustelle

Ein leeres Blatt Papier

Heute, an einem Samstagabend, sitze ich mal wieder vor dem Laptop und überlege, über was ich einen Artikel schreiben könnte. Morgen (also jetzt) ist immerhin Sonntag und du als Leserin wartest darauf, mit neuen Informationen bereichert zu werden. Aber mein Kopf ist leer. So leer wie seit langem nicht mehr. Und gleichzeitig sprudeln mir unendlich viele Dinge durch den Kopf. Nachdem ich nun bestimmt zehn Minuten auf dieses digitale Stück Papier gestarrt habe und meine Gedanken habe kreisen lassen, ist mir klar geworden: Mein Leben ist eine Baustelle.

An was will ich denken, wenn ich alt bin? Dass ich Tag und Nacht gearbeitet habe und mein Leben an mir vorbeigerauscht ist? Dass ich zwar einen tollen Mann und ein (bestimmt) wunderbares Kind hatte, ich aber zu wenig Zeit mit ihnen verbrachte? Zeit, die mir niemand mehr zurückgibt?

Nein. Es muss sich etwas ändern. Und diese Änderung besteht für mich darin, auszusortieren. Was muss ich tun, was will ich tun? Und was kostet mich nur Zeit, hat aber keinen Nutzen? In was möchte ich meine ganze Energie stecken? Und was kann auf Standby geschaltet werden? Worauf habe ich zur Zeit am meisten Lust? Und was belastet mich nur? Wie schaffe ich es, wieder eine Balance zwischen Freizeit und Arbeit hinzubekommen? Wie möchte ich die nächsten Monate gestalten?

Mein Leben ist eine Baustelle

Das Pferd ist noch nicht tot!

Wenn ich das Gefühl habe, etwas zu machen, das für mich keinen Sinn mehr hat, dann steige ich gerne von dem Pferd ab. Es befreit, macht Luft für Neues. Doch oft schaut es mich mit großen Augen an, sagt mir, dass das noch etwas werden kann mit uns, ich nur Geduld brauche und nicht zu früh aufgeben solle. Und dann mache ich weiter. Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat. Ich schleppe ein totkrankes Pferd durch die Sahara und verliere mich dabei selbst.

Ein kleines Büchlein soll mir dabei helfen, mich auf meine Wünsche und Ziele zu konzentrieren, mich aber nicht dabei zu vergessen. Denn gerade uns Unternehmerinnen passiert es oft, dass wir uns vergessen. In auftragsstarken Phasen funktionieren wir oftmals nur noch, arbeiten eine unendliche To-do-Liste ab und unser Familienleben wird so weit wie möglich in den Hintergrund gedrängt.

Dabei sind doch gerade die Menschen, mit denen wir unser Leben teilen unsere Stütze. Sie sind die, die zu uns halten, uns bestärken und uns lieben. Sie geben uns den notwendigen Halt, damit wir uns nicht irgendwann im freien Fall befinden.

Das Büchlein soll mein Anker werden, in dem ich meine Gedanken aufschreibe, wenn ich mal wieder nachts wach liege, wenn ich eine spontane Idee habe, oder mich mal wieder in Zeit und Raum verliere.

Und wo ist der Mehrwert für dich?

Gerne hätte ich dir im heutigen Artikel neue Ideen und wunderbare Tipps für dein Business gegeben. Doch manchmal spielt das Leben anders, als man geplant hat. Deshalb möchte ich dich dafür sensibilisieren, dass du dir mit diesem Artikel eine kleine Auszeit gönnst und dir ein paar Minuten schenkst, um über dich, dein Business und deine Vorstellung vom Leben nachzudenken.

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8 Gedanken zu „Mein Leben ist eine Baustelle

  1. Der Mehrwert Deines Beitrages für mich?

    Worte, die einfach wahr sind und die sich jede Unternehmerin selbst erstmal trauen muss einzugestehen. Es ist mutig von Dir so offen darüber zu sprechen! Danke Dir dafür. 🙂

    Ich selbst traue mich so oft nicht mir diese Worte einzugestehen und doch liegt so viel Wahrheit darin.

    Und weißt Du was? Wie oft habe ich durch die ganzen Baustellen noch nicht mal die Zeit (oder nehme sie mir), um mir diese Worte einzugestehen. Denn wie oft denken wir, dass wir Projekte schnell umsetzen müssen und vergessen die wesentlichen Dinge im Leben.

    Alles Gute für Deine Schwangerschaft und Familie 🙂
    Grüße
    Verena

    1. Liebe Verena,

      ich muss zugeben, dass ich deutlich mehr als einmal darüber nachdachte, ob ich diesen Artikel überhaupt online stellen soll. Aber ich finde, auch darüber sollte man als Unternehmerin nachdenken und auch reden. Alleine die Tatsache, mir mit diesem ehrlichen Artikel einzugestehen, wie es wirklich ist – so ganz ohne Farbe und Glitzer – war befreiend. Ich kann also wirklich nur empfehlen, dass du dir diese Zeit nimmst. Vielleicht heute?

      Und vielen Dank für die Glückwünsche 🙂

      Liebe Grüße
      Isabelle

  2. Ich finde den Artikel toll und ich verstehe, wovon du sprichst. Du darfst einfach nicht auf dich selbstvergessen. Unsere Welt ist so dynamisch und schnell, da stolpert man mal über seine eigenen Füße! Danke für den schönen und ehrlichen Artikel, der, glaube ich, ein Thema anspricht, das viele betrifft.
    Ich habe gerade eine Blogpostserie zum Thema Entschleunigung in Arbeit. Vielleicht ist ja dann etwas interessantes dafür dabei!

    Liebe Grüße Dani

  3. Hallo Isabelle,
    ich finde diesen Eintrag nicht nur mutig, sondern auch mut-machend.
    Denn er zeigt mir, dass ich nicht nur richtig liege mit meiner Prioritätssetzung (trotz der Arbeit steht meine Familie immer an erster Stelle) sondern auch, dass es machbar ist und sein muss. Und dennoch mit einem Chefdasein einer Unternehmung vereinbar ist.
    Sicherlich, wenn man von jedem Job abhängig ist und der dann eben zig Stunden frisst, die lange nicht alle so bezahlt werden wie man das gerne hätte, dann ist so eine Einstellung schwer und vermutlich ziemlicher Luxus.
    Aber die Kinder werden so schnell groß und diese Zeit kriegt man einfach nicht wieder.

  4. Danke für diesen tollen Post! Du hast vollkommen Recht, man macht und macht und macht und verliert die wirklich wichtigen Sachen nur allzu leicht aus den Augen.
    Ich finde, dass Du einen da so drauf stößt und mal ehrlich – wir kennen das doch alle und leugnen es so gerne – ganz großartig, nicht zuletzt deshalb, weil ein so wertvoller Beitrag gerade in dem Moment entstand, wo Du meintest, einfach funktionieren zu müssen (einen neuen Blogpost erstellen zu müssen, weil andere es erwarten). Die anderen und ihre Erwartungen sollten uns wohl viel häufiger einfach mal egal sein 😉

    Liebe Grüße und ein schönes (entspanntes) Wochenende,
    Annabel

    1. Hallo Annabel,

      dieses „funktionieren müssen“ ist zwar schwierig abzustellen, aber hin und wieder klappt es, was ein tolles Gefühl ist. Und danke, manchmal kommt dann in der „Not“ wohl noch ein guter Artikel dabei heraus 😉

      Viele Grüße
      Isabelle

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