Festanstellung Büro

Warum ich DIE Festanstellung ablehnte

Ein Telefonanruf hat vor zwei Wochen meine komplette kleine Welt für eine kurze Zeit aus dem Gleichgewicht gebracht. Nein, es ging dabei nicht um einen verstorbenen Verwandten und nein, ich hatte leider auch nicht im Lotto gewonnen, wenn ich mich auch so fühlte. Zumindest für einen kurzen Moment. Mir wurde DIE Festanstellung angeboten. 

Eine Stelle, für die manche über Leichen gehen, das Hab und Gut ihrer Großmutter verscherbeln, oder für das restliche Leben auf Schokolade verzichten würden. Nachdem ich innerlich für einen Bruchteil von Sekunden einen Freudentanz aufgeführt und mich bereits mit einem Krönchen ausgezeichnet hatte, wurde ich stutzig: Ich hatte mich gar nicht beworben.

Auf meine Nachfrage hin, wurde mir versichert, dass das zwar korrekt, ich aber die Wunschperson für die ausgeschriebene Anstellung sei. Aha. Zum Ersten Mal in meinem Leben kam ein Unternehmen auf mich zu. Das Blöde war nur, dass ich so überrumpelt wurde (wer bereitet sich denn auch schon auf so einen Fall vor), dass ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte.

Typisch Frau.

“Sind Sie noch dran?” Ich war es. Aber statt direkt in ein Verhandlungsgespräch überzugehen und meine super Ausgangsposition diesbezüglich auszunutzen, fragte ich nur: “Warum ich?”. Als ich das meinem Mann erzählte, schüttelte er nur den Kopf. “Warum frägst du denn so einen Quatsch??? Die fragen dich natürlich, weil du gut bist! Der Rest ist doch egal. Hauptsache, die zahlen dann auch, was du wert bist!”.

Und da war sie wieder. Diese Frauenfalle. Statt direkt anzugreifen, stellen wir erstmal Ermittlungen an, wollen das große Ganze überblicken und genau wissen, ob wir uns damit nicht vielleicht übernehmen. Ein Mann nutzt eine so gute Ausgangsposition direkt für eine Verhandlung, verkauft sich lieber ein wenig über Wert und lässt die andere Seite erstmal zappeln, damit sie noch etwas drauflegt. Übernehmen? Niemals. Schließlich wächst man in die Sache hinein.

FestAnstellung ja, oder nein? Der Tag der Entscheidung

Zwei Tage später rief ich im Unternehmen an. Meine Bedenkzeit, die ich erbeten hatte, war vorrüber. Ich machte klar, dass ich mich zwar freute über das Angebot, aber meine Selbstständigkeit so gut läuft, dass für mich diese Festanstellung nicht attraktiv sei. Mit dieser Antwort hatte mein Gegenüber scheinbar nicht gerechnet.

“Aber denken Sie doch auch an Ihre gute Rentenversicherung!”
“Sie haben in unserem Unternehmen enormes Entwicklungspotenzial!”
“Hier können Sie nicht nur entscheiden, sondern auch etwas entwickeln, voranbringen, kreieren!”

Das mag vielleicht für jeden Angestellten super klingen und DIE Argumente sein, die Anstellung anzunehmen, aber nicht für mich.

Warum ich mich nicht dafür entschieden habe

Natürlich wusste ich jetzt meine Position auszunutzen, aber dennoch soll das hier für dich nicht überheblich wirken. Ich hatte keinen Höhenflug und war mir bewusst, dass ich so ein Angebot sehr wahrscheinlich nicht mehr, oder zumindest nicht in naher Zukunft wieder bekommen würde.

Aber würdest du deine gut laufende Selbstständigkeit für eine Anstellung aufgeben?
Und auch noch dafür, dass du jetzt mehr verdienst, als dort?
Du auch als Selbstständige eine gute Rentenversicherung haben kannst?
Du in Strukturen und Abläufe reingepresst wirst, die du nur zu einem kleinen Bruchteil beeinflussen kannst?
Würdest du eine Anstellung annehmen, wenn du als Selbstständige viel mehr Entwicklungspotenzial hast?
Und du die absolute Verfügungsgewalt über all dein Tun hast?
Du deine eigene Chefin bist?

Ich bin mir sicher, auch du hättest dich für deine Selbstständigkeit entschieden. Aber nicht nur aus den obigen Gründen. Überlege nur mal, was du dafür aufgeben, opfern, wie viel Zeit du investieren und welche Hürden und Hindernisse du überwinden musstest, um so weit zu kommen.

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Auch keine FestAnstellung.

Wie ich später über einige Umwege erfuhr, boten sie den männlichen Bewerbern sogar mehr Geld an, als mir (dabei war ich die Wunschkandidatin), das Arbeitsklima im Unternehmen war total im Keller und die Regel-Arbeitszeit von 42 Stunden war quasi nie einzuhalten. Es wurden immer weitaus mehr. Davon abgesehen war der Arbeitsvertrag so furchtbar, dass man eigentlich keine Freizeit mehr hat, sondern diese aus Bereitschaftsstunden besteht.

Ich war heilfroh, dass ich mich für meine Selbstständigkeit entschieden hatte. Dafür, dass ich mir aussuchen konnte, wie viel ich arbeiten wollte, dafür, dass ich meine Freizeit so gestalten darf, wie ich das möchte und dafür, dass ich niemandem Rechenschaft darüber ablegen muss, was ich wie, wann und für wen mache.

Ich bin meine eigene Chefin. Und das ist auch genau richtig so!

Wie hättest du dich entschieden? Erzähle mir davon!

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Frau Chefin
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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18 Gedanken zu “Warum ich DIE Festanstellung ablehnte

  1. Chrissi schreibt:

    Liebe Frau Chefin,
    was für eine Geschichte!

    Einerseits ist das vermutlich der Traum eines jeden Arbeitnehmers – aus dem Nichts als perfekter Bewerber ausgewählt zu werden.
    Andererseits kann ich deine Reaktion total nachvollziehen.
    Da bin ich einfach auch zu “typisch Frau” und hätte in dieser Situation sicher genauso reagiert. Erstmal wundern, dann hinterfragen und das Ganze trotzdem noch nicht glauben können.
    Da sollten wir uns wirklich eine Schreibe von den Männern abschneiden.

    Zwar bin ich noch nicht selbstständig, aber ich hätte mich sicher auch so entschieden wie du.
    Und wie sich ja zeigte, ist am Ende doch nicht immer alles Gold, was glänzt und der Job war gar nicht so toll, wie er verkauft wurde.
    Du hast dich absolut richtig entschieden :)

    Liebe Grüße,
    Chrissi

  2. MrsJ schreibt:

    Ich bin total bei dir. Noch bin ich nicht selbstständig,aber ich arbeite daran. Zurück an meinen alten Arbeitsplatz will ich nicht mehr 😉

  3. Isabel Falconer schreibt:

    Gut gemacht! Bezeichnend auch mal wieder die Frechheit, Dir als ausgesprochener Wunschkandidatin weniger Gehalt anzubieten, als den anderen Kandidaten. Viel Erfolg weiterhin mit Deinem Unternehmen!
    VG;
    Isabel Falconer

  4. Anil schreibt:

    Wow, respekt. Selbst ich als Mann, bin aber auch gerne so, der nicht sofort zugreift, sondern fragt “Wieso ich?”. Ich finde deine Entscheidung aber richtig. Wieso sollte man das, was jemanden spaß macht und erfolgreich läuft kaputt machen?? Dafür, dass man beim Unternehmen anfängt, weniger verdient und vllt. sogar mit den Leuten nicht klar kommt und doch dann kündigt. Eine Selbstständigkeit ist mittlerweile so hart und schwer und schwer zu halten und wenn man das geschafft hat, sollte man das nicht aufgeben, wenn die andere Seite nicht vieeel besseres anbietet.

    Hammer Dame die ich nur respektieren kann.

    Grüße
    Anil

  5. Viktoria schreibt:

    Wenn ein Geschäft erfolgreich läuft, sollte man auf das Geschäft weiter konzentrieren. Eine Ablehnung eines Jobangebotes wäre in diesem Fall sinnvoll.

    Wenn man wenig Erfolg im Geschäft hat oder schon seit 20 Jahren in einer Festanstellung ist, muss man gut überlegen, ob es eine gute Idee ist selbstständig in Vollzeit zu sein. Der Hauptgrund ist die Altersvorsorge (Rente). In manchen Fällen ist es möglich Beiträge als Selbstständige an die gesetzliche Rentenversicherung weiter zu zahlen. Wenn nicht, dann hat man schlechte Karten, wenn die Rentezeit kommt.

  6. Natascha schreibt:

    Hallo Frau Chefin,

    ich hätte mich ganz genau so entschieden.
    Neben deinem Aspekt der Entscheidungsfreiheit, sehe ich für mich persönlich zudem die Zeit-Geld-Falle. Ich möchte nicht meine Zeit gegen Geld tauschen. Denn Zeit ist wertvoller als Geld (da begrenzt) und lässt sich leider nicht skalieren. In einem Angestellten-Job bekommt man tendenziell immer das gleiche Gehalt, egal, wie lange oder wie gut man arbeitet. Im eigenen Unternehmen lassen sich die Einkünfte durch gute Entscheidungen ziemlich direkt steigern. Da weiß man, wofür man es macht 😉 Das ist für mich ebenfalls Freiheit.

    Viele Grüße
    Natascha

  7. Claire Oberwinter schreibt:

    Ich kann es sehr gut verstehen, dass du dich für die Selbstständigkeit entschieden hast, denn genau das hätte ich auch getan. Ich werde immer wieder auf XING von Headhuntern und Personalern angesprochen und auf deren tolle Stellen hingewiesen. Sobald rauskommt (wenn es nicht eh schon offensichtlich ist), dass es sich um eine Festanstellung handelt, bin ich raus. Mir ist meine Freiheit, für mich wichtige Dinge selber entscheiden zu können, um so einiges wichtiger als ein “sicherer” Job. Für mich würde sich das eher wie ein Gang ins Gefängnis anfühlen. Ich bin durch mit dem Thema Festanstellung 😉

    • Frau Chefin schreibt:

      Das kann ich absolut verstehen. Dieses starre, in ein Schema gepresste Dasein hat nichts mehr mit Freiheit zu tun. Finde ich gut, dass du damit abgeschlossen hast 😉

  8. Christiane schreibt:

    Hi, ich kann dich total verstehen. Auch mir wurde vor geraumer Zeit ein Job angeboten. 10 Stunden in der Woche. Mancher würde sagen “Total cool! 10 Stunden sind doch zu bewältigen.” Aber für mich bedeutet das wieder für 10 Stunden verpflichtet zu sein und in der Zeit nicht meine Dinge erledigen zu können. 2 Vormittage wären weg, einfach verplant. Möchte ich das wirklich. Ich habe mich auch dagegen entschieden. Gegen ein regelmäßiges Einkommen, aber für meine freie Zeiteinteilung.
    Liebe Grüße, Christiane

    P.S.: Ich habe es bis jetzt nicht bereut!

    • Frau Chefin schreibt:

      Das ist genau der Knackpunkt, den viele nicht sehen: Mit einer Teilzeitfestanstellung, oder auch mit 10 Stunden ist man unglaublich gebunden. Und was auch sehr oft vorkommt, ist, dass die Unternehmen, bei denen man die Anstellung hat (und seien es nur 10 Stunden), den Anspruch hegen, immer und ständig zur Verfügung zu stehen. Geht gar nicht!

  9. FashionqueensDiary schreibt:

    Zurück in die Festanstellung käme auch für mich nicht mehr in Frage. Egal wie gut die Argumente auf der anderen Seite sind, aber dieses Gefühl von Freiheit bietet mir kein Arbeitsvertrag der Welt :)

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