5 Fehler, vor denen mich niemand gewarnt hat

5 Fehler, vor denen mich niemand gewarnt hat

Ich bin mit einem konkreten Plan in meine Selbstständigkeit gestartet, habe mich informiert, gelesen und mich auf Worst-Case-Szenarien vorbereitet. Und trotzdem ist es passiert: Ich habe Fehler gemacht, vor denen mich niemand gewarnt hat.

Fehler Nr. 1: Gesetzliche Krankenversicherung

Das ist mit großem Abstand der allerschlimmste Fehler, den ich gemacht habe. Klar, man liest hier und da, dass man sich als Selbstständige privat versichern soll. Durch meinen Status als Existenzgründerin war jedoch mein Beitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht höher, als wenn ich mich privat versichert hätte. Ich dachte, ich hätte damit noch genügend Zeit, mich um diese lästige Sache zu kümmern. Was mir jedoch keiner sagte: Wenn man gleich zu Beginn gut verdient, muss man nachzahlen. Im Februar kam dann der heftige Schlag in den Nacken – und ich war um mehrere 1000 Euro ärmer…

Mein Tipp: Informiere dich unbedingt noch vor Beginn deiner Selbstständigkeit, welche Art von Krankenversicherung in deinem Fall die bessere Wahl ist! Je nach Alter und Einkommen ändert sich das nämlich. Wenn du dir unsicher bist, suche einen Versicherungskaufmann oder-kauffrau auf.

Fehler Nr. 2: Nicht auf einen großen Auftraggeber vertrauen

Das war auch so eine Sache, bei der ich zu bequem war. Ich hatte gleich zu Beginn bei einem von vier Auftraggebern sehr viele Buchungen. Warum sich also um Jobs bei den anderen Auftraggebern bemühen? Oder gar neue Auftraggeber akquirieren? Aber: Es ist ein Ritt auf heißen Kohlen. Wenn dieser eine Auftraggeber weggebrochen wäre, wäre ich ganz schön blöd da gestanden. Zweites Problem: Dieser Auftraggeber hat eine sehr lockere Zahlungsmoral. Sprich, ich habe zum Teil sehr lange auf mein Geld warten müssen, was gerade zu Beginn einem wahre Geldsorgen bereiten kann.

Mein Tipp: Unbedingt von Anfang an gleichmäßig auf mehrere Auftraggeber stützen und auf keinen Fall von einem Kunden abhängig sein!

Fehler Nr. 3: Keine zu langfristigen Zahlungsziele setzen

Das ist wahrscheinlich so ein Frauending. Genetisch bedingt. Oder ein ganz spezielles Isa-Ding. Ich war zu Beginn zu gutmütig mit meinem Zahlungsziel von vier Wochen. Ich wollte kulant sein, keinen Stress machen und mit der Schiene gutmütig zu sein, punkten. Was ich nicht bedacht habe, war, dass ich natürlich auch von irgendwas leben muss und ich so nur in großen Zeitabständen Geld bekomme. Und vier Wochen können ganz schön lange sein – auch, wenn das in einem Angestelltendasein ganz normal ist. Aber: Einer Versicherung ist es egal, wann du deine Kohle bekommst und deine Investitionen müssen auch finanziert werden.

Mein Tipp: Direkt von Anfang an das Zahlungsziel auf maximal zwei Wochen oder kürzer festsetzen. Dann wird deine Rechnung weder vergessen, noch musst du lange auf Geld warten.

Fehler Nr. 4: Nicht zu gutmütig sein bei Mahnungen

Nicht nur mit meinem Zahlungsziel war ich zu gutmütig, sondern auch bei offenen Rechnungen und Mahnungen. Nur keinen Ärger machen! Es könnte schließlich ein Auftraggeber verloren gehen. In vielen Fällen habe ich erstmal angerufen und den Auftraggeber daran erinnert, dass noch eine Rechnung offen ist und dann auf viele Versprechen hin, zwei weitere Wochen gewartet. Dann nochmal per Mail daran erinnert und wieder gewartet. Bis ich mich dann mal getraut habe, eine Zahlungserinnerung zu schreiben, war der Job oftmals schon drei Monate her und ich hatte immer noch kein Geld. In einem Fall musste ich fast ein Jahr auf mein Geld warten.

Mein Tipp: Von Anfang an die Zügel straff halten und spätestens nach einer freundlichen Erinnerung eine Zahlungserinnerung versenden.

Fehler Nr. 5: Nicht zu leichtgläubig sein

Kennst du das auch? Man bekommt einen Anruf, Jobanfragen über eine längere Dauer, es geht um viel Kohle. Man ist total aus dem Häuschen, sagt die Jobs zu, blockiert sich die Termine im Kalender und dann. Und dann? Hört man nichts mehr. Man ruft an, frägt nach, nichts. Natürlich hat man in der Zwischenzeit für diese Jobs auch weitere Anfragen abgesagt. Und jetzt steht man da und hat keinen Job. Einzelfall? Große Ausnahme? Leider nein. Ich habe schon oft Anfragen bekommen, bei dem die Kunden unglaublich dringend Techniker gebraucht haben, man quasi sofort zusagen sollte und aus dem Job nie mehr etwas geworden ist.

Mein Tipp: Nicht zu leichtgläubig sein und Termine blockieren, bei denen es nur eine Anfrage gibt. Für dich ist nur wichtig, wer den Job zuerst zusagt und nicht wer zuerst fragt.

Welche Fehler hast du in deiner Selbstständigkeit gemacht? Erzähle mir davon!

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Frau Chefin
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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8 Gedanken zu „5 Fehler, vor denen mich niemand gewarnt hat

  1. N.O. sagt:

    Die gesetzliche Zahlungsfrist für Rechnungen ist mindestens 30 Tage. Egal was Du hinschreibst.

    Und klar, meist wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Immer ist es „ganz dringend“, so Typen gibt’s in jedem Business. Und dann passiert lange oder für immer gar nix.

    Mit der Krankenversicherung wäre ich sehr vorsichtig. Abgesehen davon, dass man mit einer privaten Versicherung das solidarische System verlässt, verlässt einen das solidarische System dann auch ein Stück weit, wenn man nicht mehr selbstständig ist, aus welchem Grund auch immer. Die Künstlersozialkasse wäre auch noch eine Idee. Ob das als Tontechniker geht? Schwierig. Bei mir zahlt der Teilzeitbrotjob die Krankenkasse.

  2. Uschi aus Aachen sagt:

    Ich wurde – als Grafik-Designerin – falsch beraten hinsichtlich „unbedingt nötiger“ Gewerbeanmeldung. Mußte dann später dem FinAmt sehr aufwendig beweisen, daß ich freiberuflich arbeite, also kein Gewerbe betreibe.

    Dieser Unterschied spielt vielfach eine Rolle, dessen ist man sich anfangs nicht bewußt.

  3. Joachim Tuchel sagt:

    Ich kann – abgesehen vom Thema Krankenversicherung – jeden einzelnen Punkt unterschreiben.
    Beim Zahlungsziel habe ich allerdings leider die Erfahrung machen müssen, dass vor allem große Unternehmen, sowieso erst dann zahlen, wenn es ihnen passt. Bei manchen hat man gar den Eindruck, sie zahlen sowieso erst, wenn man mal anruft, und dann auch nur, wenn die Rechnung mindestens 45 Tage alt ist. Dort kümmert man sich bei kleinen Anbietern herzlich wenig um Zahlungsziele.
    Das ist vor allem dann schwierig, wenn man Fehler Nr. 2 gemacht hat, und es sich bei diesem einen um solch einen handelt.
    Und trotzdem ist es wichtig, kurze Zahlungsziele zu setzen, schon alleine, um mit den „anständigen“ Kunden die Löcher ausbügeln zu können, die die schwarzen Schafe aufreissen.

    Ich würde diesen Punkt sogar noch erweitern: Sei nicht schüchtern, Deine Rechnung sofort zu stellen. Es ist nicht gierig oder unanständig, vertragsgemäß unmittelbar nach Fertigstellung auch sein Geld zu fordern. Der Kunde erwartet ja auch pünktliche und hochwertige Erledigung des Auftrags. Wartest Du eine Woche oder noch länger mit Deiner Rechnung, hat das nur diese eine einzige Konsequenz: Du wartest mindestens eine Woche länger auf Dein Geld. Es gibt bei diesem Thema keine Haltungsnoten.

  4. Joachim Tuchel sagt:

    …und wenn wir beim Thema gesetzliche Krankenversicherung sind, sollte man auch das Thema Familienplanung nicht aus den Augen verlieren. Im Gegensatz zur gesetzlichen Versicherung, in der die eigenen, nicht erwerbstätigen KInder kostenlos mitversichert sind, kostet ein Kind in der privaten in der Regel extra. Das zweite dann übrigens auch, und das dritte nochmals.
    Wer also von einer Familie träumt, sollte sich tatsächlich sehr gut informieren, anstatt in jungen Jahren nur auf die Beitragsersparnisse zu blicken.

    • Frau Chefin sagt:

      Hallo Joachim,

      vielen Dank für deine Anregungen und deinen ausführlichen Kommentar! Das mit den „schwarzen Schafen“ kenne ich und auch ich versuche, diese mit anderen Auftraggebern auszubügeln.

      Was ich allerdings noch interessanter finde, ist dein Einwand mit der Familienplanung in Bezug auf die Krankenversicherung. Darüber sollte man sich im Voraus auf jeden Fall sehr gut informieren. Danke für die Anregung 😉

      Viele Grüße
      Isabelle

  5. Valerie sagt:

    Liebe Frau Chefin,
    die Sache mit der Nachzahlung für die gesetzlichen Krankenversicherung ist ärgerlich. Bei mir war es genau anders herum. Ich bin direkt in die private gegangen und habe nur schlechte Erfahrung gemacht. Meine Arztrechnungen wurden nie zu 100% von der privaten Krankenkasse übernommen. Ständig müsste ich nachzahlen, was vor allem bei Frauenarztbesuchen oder beim Zahnarzt echt teuer wurde. Zum Schluss bin ich einfach nicht mehr zum Arzt gegangen (aus Angst vor weiteren Kosten). Als ich einen Fahrradunfall hatte und ins Krankenhaus musste, wurde ich richtig panisch. Da denkt man nicht mehr an seine Gesundheit, sondern an die Kosten, die auf einen zukommen. Ich habe jetzt wieder einen Job und bin angestellt. Nur so bin ich wieder in die gesetzliche Krankenkasse gekommen. Das war lästig. Nun bin ich erstmal für einige Monate nur nebenbei selbstständig. Auf jeden Fall vor dem Wechsel, egal in Woche Richtung, unbedingt alles abklären. Ich rate von der privaten Krankenversicherung DeBeKa ab, die ist für Selbstständige unglaublich schlecht. Vllt sind andere Versicherungen besser?! Tipps?!
    Danke für den Blogbeitrag und weiter so 🙂

    • Frau Chefin sagt:

      Hallo Valerie,

      puh, das ist natürlich furchtbar schlecht gelaufen bei deiner Krankenkasse. Ich kann dir leider (noch) keinen Tipp für die richtige Versicherung geben, da ich bis dato noch nicht beim Arzt war, seitdem ich privat versichert bin. Wird aber bald kommen, dann bin ich schlauer 😉 Ich bin jetzt bei der Hanse Merkur versichert. Habe lange gesucht und die wurde mir dann empfohlen…

      Vielen lieben Dank, dass du deine Erfahrungen hier geteilt hast 🙂

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