Arbeit von zuhause ist keine richtige Arbeit! Ist klar, oder?

Arbeit von zuhause ist keine richtige Arbeit! Ist klar, oder?

Jedes Mal, wenn ich sage, dass ich von zuhause arbeite, kommen mindestens einmal rollende Augen. Manchmal auch genervte Blicke und herablassende Kommentare. Das Arbeiten vom Homeoffice hat als eine abwechslungsreiche Variante zum Arbeitsalltag begonnen und ist inzwischen zu einer wichtigen Säule für Selbstständige, aber auch Unternehmen geworden. Leider ist dieses Modell nach wie vor nicht als ernstzunehmende Arbeit anerkannt, weshalb es an der Zeit ist, endlich mit den Vorurteilen aufzuräumen!

Zugegeben, ein Großteil meiner Bekannten und Freunde arbeiten in einer Festanstellung in einem Unternehmen. An einem Schreibtisch. Tag für Tag. Woche für Woche. Sie jammern über die Unfähigkeit ihrer Vorgesetzten, blöde Kollegen, zu wenig Freizeit und selbstverständlich auch über eine zu schlechte Bezahlung. Seltsamerweise jammert nur gaaaanz selten jemand darüber, dass sie tagtäglich aus dem Haus müssen und sie sämtliche Vorteile in Sachen Versicherungen und Rente genießen.

Ich will nicht jammern. Klar, hin und wieder passiert das und auch ich verklage sämtliche Ämter, Behörden und die Politik. Ich könnte es mir allerdings überhaupt nicht vorstellen, in einem miefigen Büro zu sitzen und mich jeden Tag mit den selben Kollegen und im schlimmsten Fall einem furchtbaren Chef rumzuärgern.

Selbstständigkeit ist immer noch etwas Exotisches

Ich war eine von denen, die den Mut hatten, sich selbstständig zu machen. Eine von denen, die sämtliche Scheinsicherheiten über Bord warf und Richtung unerforschte Ländereien segelte. Eine, die alles auf diese eine Karte namens „Selbstständigkeit“ setzte und das keine Sekunde bereute. Und ja, ich bin stolz darauf und würde es wieder machen.

Was mich allerdings mega ankotzt, ist die Tatsache, dass Selbstständigkeit und speziell das Arbeiten vom Homeoffice als undisziplinierte Larifari-Angelegenheit angesehen wird, mit der man auch mal ein paar Kröten verdient. Quasi wie ein besseres Hobby. Es sei denn, man ist ein Mann, hat Angestellte, ist Handwerker und hat große Maschinen. Dann ist das wieder etwas ganz Anderes.

Wenn man als Frau sagt, dass man von zuhause arbeitet, dann sieht das eher so aus:

„Ach, du bist doch zuhause, da kannst du dich doch auch mal eben um die Wäsche kümmern.“
„Du kannst dir das doch einteilen, warum machst du dann nicht jenes und solches zwischendurch?“
„Ich verstehe ja überhaupt nicht, warum ihr einen Kindergartenplatz benötigt. Du bist doch sowieso zuhause!“

Ganz ehrlich, da platzt mir die Hutschnur!

Und wie ich finde, ist das auch durchaus berechtigt. Es gibt so viele Frauen, die „nur“ von ihrem Homeoffice aus arbeiten und damit wahnsinnig erfolgreich sind. Sie arbeiten vielleicht ein wenig im Verborgenen, leisten aber großartiges! Viele verdienen nicht nur mehr als ihre Männer, sondern wuppen mal so ganz nebenbei auch noch Haushalt und Kindererziehung (zusammen mit ihren Männern). Und der Dank dafür ist dann, zu hören, dass Arbeit von zuhause keine richtige Arbeit ist???

Leider existiert in vielen Köpfen immer noch der verquere Gedanken, dass – wenn es so etwas unvorstellbar abwegiges gibt, dass Arbeit auch noch Spaß macht – das dann keine Arbeit ist. Sprich, nur wenn Arbeit doof ist, man sich tagtäglich ärgert und unglücklich damit ist, ist das wirklich hart gearbeitet. Ja sowas blödes aber auch.

Sorry, dass mir meine Arbeit Spaß macht.

Oh pardon, ich arbeite ja nicht, wenn ich daheim am Schreibtisch sitze…

Und was ist mit den Aufträgen, die ich in dieser Zeit an Land ziehe? Die zahllosen Mails zu Veranstaltungen und für den Blog, die ich beantworte? Die Kooperationen, die ich mit Firmen vereinbare? Die Ideen, die ich sammle? Die Texte, die ich schreibe und das Marketing, das ich für Frau Chefin mache? Ist das etwa keine Arbeit?

Nur mal so am Rande: Die Aufgaben, die wir als Selbstständige haben und auch erledigen müssen, werden in vielen Unternehmen von mehreren Abteilungen übernommen. Wir sind oftmals Einzelkämpferinnen und bekommen das alleine gebacken. Und in ganz vielen Fällen ist es auch noch so, dass es nicht nur ein langer Weg ist, bis wir einsehen, dass es alleine nicht zu schaffen ist, sondern wir auch noch ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir uns für bestimmte Aufgaben Hilfe holen!

Wie absurd ist das denn eigentlich?

Normalerweise müssten Angestellte Freunde und Bekannte uns bewundern. Dafür, dass wir das alles schaffen, dass wir mit solch vielen Aufgaben zurecht kommen und dann auch noch mit unbeschreiblicher Leidenschaft an unserem Traum von der Selbstständigkeit Tag für Tag arbeiten.

Stattdessen werden wir mitleidig oder abwertend beäugt und unsere Arbeit wird von einigen Menschen als minderwertig, oder im schlimmsten Fall als Hobby angesehen.

Das ist wahnsinnig traurig, erniedrigend und frustrierend. Diskussionen sind in einigen Fällen zwecklos, Einsicht herrscht oftmals nicht. Was bleibt, ist, dass wir als Selbstständige zusammen halten und immer wieder bei diesen Missständen gegen argumentieren sollten, um in den Köpfen irgendwann nachhaltig zu verankern, dass Arbeit nicht nur Spaß machen kann (und darf), sondern auch vom Homeoffice aus einen Stellenwert in der Gesellschaft erreicht, der sie würdig ist.

Welche Erfahrungen hast du mit der Arbeit vom Homeoffice aus gemacht? Wird dir Respekt zugesprochen, oder wirst du eher mitleidig angeschaut?
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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