Marlene und Anne: Gründerinnen von Nata Y Limón

Marlene und Anne sind die Gründerinnen von „Nata Y Limón“ – spanisch für „Sahne & Zitrone“. Ihr Unternehmensname steht für ihre persönliche Beziehung zu Mittelamerika. Sie kennen sich seit ihrem Tourismusstudium in 2005 und beide sind gleichzeitig, aber irgendwie auch unabhängig voneinander, in 2015 so ziemlich radikal aus ihren Corporate Jobs ausgestiegen. Nach sozialen Projekten in Südamerika, brachte der Gedanke an eine nachhaltige Produktion schöner Lifestyle- und Interior-Produkte mit kulturellem und sozialem Mehrwert sie wieder zusammen. 2016 gründeten sie ihr eigenes Design-Label Nata Y Limón und wollen damit die Welt ein kleines Stückchen besser machen.

Bevor wir in die Tiefe gehen, die wichtigste Info vorab: Noch bis zum 20. Oktober 2017 läuft das Crowdfunding-Projekt von Marlene und Anne. Alle Infos dazu erfahrt ihr auf Kickstarter.

Wie kam es dazu, dass du ihr euch selbstständig gemacht habt? Was war ausschlaggebend für eure Entscheidung?

Wir beide kennen uns seit dem Tourismus Studium in 2005. Seitdem sind wir sehr gut befreundet. Nach dem Bachelorstudium hat es uns beide ins Marketing gezogen. Anne ging für ein Marketing Masterstudium nach Wiesbaden und Marlene nach Dänemark. Danach zog Anne nach Berlin und Marlene nach München. Hier haben wir unsere beruflichen Laufbahnen bei großen Unternehmen gestartet.

Nach ein paar Jahren hat sich bei uns beiden ein sehr großes Unwohlgefühl entwickelt. Viele Gespräche, schlaflose Nächte und langes Zögern hat uns für einige Zeit begleitet, bis wir uns beide unabhängig voneinander im gleichen Jahr (2015) dazu entschieden haben, unsere Jobs zu kündigen. Der Drang, unsere Energie in etwas Sinnvolles zu stecken und bei dem wir mit voller Leidenschaft dabei sind, wurde einfach sehr groß.

Marlene und Anne sind die Gründerinnen von "Nata Y Limón" - spanisch für "Sahne & Zitrone".

Wir kündigten und wollten beide den Moment nutzen, um eine längere Zeit im Ausland zu verbringen, hier unsere bisherigen Erfahrungen aus den vorigen Jobs in sozialen Projekten einzubringen und dadurch einen neuen ganz neuen Blick auf diese Welt zu bekommen. Mit der Entscheidung für ein soziales Projekt, fiel gleichzeitig die Entscheidung bei uns beiden für Lateinamerika, weil wir beide Spanisch sprechen. Anne ging zu einem Bildungsprojekt nach Costa Rica und Marlene zu einem Frauenprojekt in Guatemala – hier nahm die Idee von Nata Y Limón ihren Ursprung.

Über Selbstständigkeit haben wir bevor wir unsere Jobs gekündigt haben eigentlich noch nie nachgedacht. Dazu mussten wir quasi erst einmal aus unseren alten Strukturen ausbrechen und als die Idee zu Nata Y Limón in Mittelamerika entstanden ist, war auch klar, dass wir das beide eigenständig angehen werden. Der Gedanke daran hat uns unheimlich motiviert. Zurück in Deutschland starteten wir sofort die Marktrecherche, Business-Planung und begannen damit, ins Netzwerk der Sozialunternehmer einzutauchen.

Nata y Limón 3 Fotocredit Jorge Estuardo De León

Wie habt ihr den Start in euer eigenes Business finanziert?

Die ersten Schritte in den ersten Monaten haben wir mit Unterstützung für Existenzgründer von der Agentur für Arbeit geschafft. Im nächsten Schritt konnten wir uns durch eigene Rücklagen und Unterstützung von Family & Friends finanzieren. Die Produktion unserer ersten eigenen Kollektion finanzieren wir aktuell über eine Crowdfunding-Kampagne. Dabei sammeln wir Vorbestellungen im Wert von 20.000€. Das ist gleichzeitig auch ein wichtiger Markttest für uns und Grundstein für die weitere Unternehmensplanung und Finanzierung.

Was macht euch und Nata Y Limón besonders?

Nata Y Limón ist ein Unternehmen, dass aus einem wirklichen Herzensprojekt entstanden ist. Wir haben uns von unserem Bauchgefühl leiten lassen und bauen ein Unternehmen auf, in das wir unsere volle Leidenschaft stecken.

Das liebevolle Textilhandwerk, die Reisen und der Kontakt mit den Menschen in Guatemala, der Einsatz für Menschen, die Hilfe ganz dringend brauchen und schöne Dinge kreieren – das sind Dinge, für die wir jeden Tag mit einem großen Lächeln aufstehen und motiviert an die Arbeit gehen. Wir bleiben unseren Werten treu und wollen mit unserer kostbaren Energie Gutes tun. Authentizität, Leidenschaft und Menschlichkeit beschreiben den besonderen Kern von Nata Y Limón wirklich sehr gut.

Marlene und Anne: Gründerinnen von Nata Y Limón

Wie läuft es jetzt? Haben sich eure Erwartungen erfüllt? Und finanziell?

Wie das natürlich immer so ist, wenn man etwas Neues startet: Es kommt alles anders als man es denkt und plant ;). Wir haben in den letzten 1,5 Jahren sehr gut gelernt, flexibel zu sein und offen für Planänderungen. Wir haben selber auch gedacht, dass wir mit Nata Y Limón viel schneller Fahrt aufnehmen. Es braucht einen sehr langen Atmen und viele Versuche. Wir bereuen keinen einzelnen Schritt und keine Entscheidung, weil wir gelernt haben, den Prozess und den Weg an sich zu lieben.

Wir haben es geschafft, eine komplett eigene Kollektion zusammen mit unserer Textildesignerin Georgina Espasa und unseren drei Webkooperativen auf die Beine zu stellen. Dazu waren wir insgesamt zwei Mal in Guatemala. Wir lieben unsere neue Kollektion und sind super stolz darauf. Unsere aktuelle Crowdfunding-Kampagne läuft sehr gut und wir bekommen unheimlich viel Zuspruch auch von der Presse und Bloggern. Wir sind komplette Quereinsteigerinnen in unserem Feld, aber durch und durch überzeugt von dem was wir tun. Deswegen haben wir ein wundervolles Netzwerk aus Experten und Unterstützern aufgebaut. Wir könnten nicht zufriedener sein mit diesem Stand.

Wir haben gelernt mit viel weniger Geld als zuvor zurecht zu kommen, dafür aber jeden Morgen mit wirklicher Freude an die Arbeit zu gehen. Das ist unbezahlbar. Nichtsdestotrotz müssen wir mit Nata Y Limón weiter wachsen, damit wir beide davon in Berlin und München leben können, so wie wir uns das vorstellen.

Marlene und Anne: Gründerinnen von Nata Y Lemón

Wo arbeitet ihr und wie sieht ein Arbeitstag bei euch aus?

Anne und ich haben quasi eine „Fern-Geschäftsbeziehung“ zwischen Berlin und München. Wir besuchen uns gegenseitig mindestens einmal im Monat und haben sonst einen wirklich guten Weg für die Kommunikation gefunden. Bisher klappt es sehr gut. Wir sind jeweils Member in den Impact Hubs Berlin & München. Ein Coworking-Space für Sozialunternehmer. Von hier arbeiten wir 2-3 Tage die Woche und den Rest verbringen wir im Home Office oder manchmal auch gern im Café. Abwechslung ist uns wichtig.

Ein Arbeitstag sieht bei uns beiden jeweils sehr unterschiedlich aus und ist wirklich sehr davon abhängig, in welcher Phase wir gerade stecken (z.B. Kollektionsentwicklung, Guatemalareise oder Vermarktung). Wir arbeiten sehr dynamisch und teilweise auch zu unterschiedlichen Arbeitszeiten – je nachdem wie es persönlich am besten zu einem passt. Unser Laptop ist das wichtigste Arbeitsmittel und damit verbringen wir die meiste Zeit.

Welche Eigenschaften sollte eurer Meinung nach eine Person haben, die selbstständig ist, oder sich selbstständig machen möchte?

Flexibilität und wirklich Freude an wenig Struktur, wenig Sicherheit und wenig festen Plänen. Man sollte quasi in dieser absoluten Freiheit total aufgehen.

Marlene und Anne: Gründerinnen von Nata Y Lemón

Was motiviert euch, immer weiter zu machen, auch wenn es mal Tiefs gibt?

Wir müssen uns natürlich immer wieder gegenseitig motivieren und Zweifel abbauen. Wir sind darin schon viel besser geworden, vor allem auch starke Kritik aus dem Umfeld selbstbewusst und überzeugt zu begegnen. Mit dem was wir tun schwimmen wir absolut gegen den Strom – sei es die Selbstständigkeit und berufliche Umorientierung mit Anfang 30 oder der sozial-unternehmerische Ansatz.

Wir sind aber beide einfach sehr überzeugt davon, dass wir den absolut richtigen Weg für uns eingeschlagen haben. Wichtig ist es aber immer, dass man sich wirklich mit den richtigen Leuten umgibt, die einen unterstützen, an einen glauben, inspirieren und gute Energie geben. Das hilft einem auf dem eigenen Weg. Und da muss man manchmal auch loslassen können von der ein oder anderen Beziehung.

Ein paar Tipps von Anne für akute Motivationstiefs:

a) In sich gehen und versuchen rauszufinden warum. Irgendwas ist wahrscheinlich außer Balance geraten.
b) Tief durchatmen und dankbar sein.
c) Lesen, z.B. Eckhart Tolle.

Marlene und Anne: Gründerinnen von Nata Y Lemón

Wenn ihr auf eure Selbstständigkeit zurückschaut: Was würdet ihr heute anders machen?

Das ist ehrlich gesagt sehr schwer zu sagen. Wir selber haben schon viele Umwege gemacht, aber im Endeffekt waren die auch gut und wichtig, um unseren eigenen Weg zu finden und ein Verständnis für ein bestimmtes Thema zu entwickeln.

Was möchtet ihr anderen Gründerinnen und selbstständigen Frauen gerne mit auf den Weg geben?

Traut euch und macht einfach. Lernt den Prozess und euren eigenen Weg in die Selbständigkeit lieben. Seid offen für einen neuen Weg, aber bleibt immer bei euch. Es geht nur darum, dass ihr selber zufrieden seid und niemand anderes. Es ist euer Leben und eure einmalige Chance, es so zu gestalten, wie ihr es wollt. Dafür ist es nie zu spät!


Neugierig geworden? Weitere Informationen zu Marlene und Anne sowie ihrem Business “Nata Y Limón” findest du hier:

Webseite Nata Y Limón

Nata Y Limón auf Facebook, Instagram und Pinterest

Zur Crowdfunding-Kampagne

Fotos: Jorge Estuardo De León

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Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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