Frau Chefin hat eine Chefin! Oder: Meine ersten Wochen als Mama

Frau Chefin hat eine Chefin! Oder: Meine ersten Wochen als Mama

Am 06. August 2017 war es soweit: Um 11:25 kam unsere Tochter auf die Welt. Und damit war auch die Gewissheit geboren: Ich bin jetzt Mama. Seitdem ist nicht nur unser Alltag turbulenter und meine Zeit knapper geworden. Ich beschäftige mich auch mit Muttermilchdramen, Knutschattacken und dem Ende meiner alten Selbstständigkeit.

Ich weiß gar nicht, wann ich mir das letzte Mal so richtig Zeit genommen habe, über mein Leben nachzudenken. Das war definitiv lange vor der Geburt unserer Tochter. Und irgendwie habe ich mir bis heute leider auch nicht die Zeit nehmen können, mal so richtig darüber nachzudenken. Die letzten Wochen sind einfach so wahnsinnig schnell vergangen. Seltsamerweise ist es immer noch ein wenig unwirklich, wenn ich morgens von meiner kleinen, schreienden Tochter geweckt werde.

Eine, die so hilflos ohne Mama und Papa ist, die so lange lautstark schreit, bis man herausgefunden hat, was ihr fehlt, die einem so ein zuckersüßes Lächeln schenkt, dass das Herz schmilzt und die das eigene Leben so unglaublich bereichert, dass man sie als Dankeschön pausenlos abknutschen könnte. Eine, die uns manchmal aus Unwissenheit die Nerven raubt, vor 24 Uhr nicht einschlafen möchte, nur bei Papa Bäuerchen machen will und sich oft nur von Mama beruhigen lässt – es sei denn, Adele schmettert gerade eine Ballade, oder aus „Rocky Horror“ läuft „I’m going home„.

Wie war das eigentlich…

Wenn man schwanger ist, reden alle von der größten Veränderung im Leben. Und ja, es stimmt, denn man hat absolut keinen blassen Schimmer, auf was man sich da eigentlich eingelassen hat. Von heute auf morgen wird das komplette Leben auf den Kopf gestellt. Dinge, die gestern noch wichtig waren, sind plötzlich zur Nebensache geworden. Die eigene Schmerzgrenze ist viel weiter weg, als man sich hat vorstellen können und jedes Mini-Lächeln aus dem winzigen Gesichtchen wird zum Highlight des Tages.

Als ich noch schwanger war, habe ich mir in den schillerndsten Farben ausgemalt, wie es wohl sein wird, unser neues Leben zu Dritt. Was wir zusammen unternehmen werden, was mir wichtig ist und wie meine Selbstständigkeit aussehen wird.

„Damals“ vor weniger als zwei Monaten war ich siegessicher, dass ich das alles schaffen werde, dass ich arbeite, wir gemeinsam Job und Kind schaukeln werden – und nebenbei noch eine Haussanierung wuppen.

Meine neue Chefin

Wir haben jetzt eine kleine Tochter, die uns seit vier Wochen jeden Tag begleitet, die unser Leben so unglaublich bereichert und ohne die wir uns unsere Zukunft nicht mehr vorstellen können. Dennoch ist das Leben und meine Selbstständigkeit mit meiner neuen Chefin eine Herausforderung.

Ich muss mir diesen Satz erstmal durch den Kopf gehen lassen: Ich habe also wieder eine Chefin. Dabei wollte ich zu Beginn meiner Selbstständigkeit nie wieder eine Chefin oder einen Chef haben. Tja, so schnell kann sich das ändern.

Unser Tochterkind bestimmt jetzt nicht nur, wann Schlafenszeit und Wachzeit ist, wann gegessen wird und wann Unterhaltungsprogramm ansteht. Sie bestimmt auch mit, wann ich Zeit für meine Selbstständigkeit habe, ob ich an einem Tag überhaupt dazu komme, irgendetwas zu arbeiten – und sei es nur, meine Mails zu checken. Sie ist Taktgeberin eines neuen Lebensrhythmus, den wir als frischgebackene Eltern noch nicht so richtig gefunden haben.

Tschüss, alte Selbstständigkeit!

Meine Selbstständigkeit, so wie ich sie bisher kannte, ist Vergangenheit. Vom Gefühl ist sie so weit entfernt, dass ich mich nur noch dumpf daran erinnere. Vermutlich war ich top organisiert, pünktlich, voller Tatendrang und nebenbei kreativ und ausgeschlafen.

Ganz schön langweilig. Ein Glück, dass ich jetzt Mama bin und das Tochterkind alles aufmischt.

Mama sein, selbstständig bleiben und sich als Ehefrau und Partnerin neu entdecken: Ganz ehrlich, das klappt an manchen Tagen wunderbar, an anderen ist es eine mittlere Katastrophe. Wenn das Tochterkind bitterlich weint, Mama mit ihrem Latein am Ende ist und die Tages-to-do-Liste noch lange nicht abgehakt werden kann, fällt das Nervenkostüm schnell mal in sich zusammen. Da hilft dann oftmals nur noch tonnenweise Schokolade und ein tröstender Kuss von Papa.

Zu meiner Berufung kommt jetzt eine neue Leidenschaft

Und die heißt Mamasein.

Was ich in den letzten Wochen verstanden habe: Ich muss meinen persönlichen Endgegner – die eigene Messlatte – herunterschrauben und auf die neue Situation anpassen. Wenn das Tochterkind den Tagesplan durcheinander bringt, muss er nun mal angepasst werden, wenn ich nachts wenig geschlafen habe, muss ich eben ein Mittagsschläfchen machen und wenn ich es heute nicht schaffe, alle Mails zu beantworten, dann muss ich den Rest eben auf morgen verschieben.

Wir heißt es so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben und das kleine Tochterkind, das gerade wieder meine vollste Aufmerksamkeit fordert, ist die wohl größte Aufgabe in meinem Leben. Und der werde ich mich jetzt wieder mit voller Hingabe und Freude widmen 🙂

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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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17 Gedanken zu „Frau Chefin hat eine Chefin! Oder: Meine ersten Wochen als Mama

  1. Meike sagt:

    Herzlichen Glückwunsch 🎈 und Danke für diesen ehrlichen Beitrag. Ich glaube jede Mutter kann ihr Leben in „vorher“ und „nachher“ unterteilen. Die Prioritäten verschieben sich, sobald man Eltern ist und das ist gut so, denn Leben ist Veränderung. Leben mit Kind/ern sowieso. Mein Sohn ist inzwischen 11 Jahre, und ich möchte keinen Moment missen, wenngleich jedes Alter so seine Tücken und Vorteile hat und ich das Ganze seit 9 Jahren alleine manage. Das was man als Entschädigung für Schlafmangel und blanke Nerven zurück bekommt, ist unbezahlbar und lässt sich nicht materiell aufrechnen. Ich wünsche Euch von Herzen gutes Ankommen im Familienalltag und mit der gesunden Sichtweise klappt das ganz bestimmt. Denn eins wird man unweigerlich: Meisterin der Improvisation 😉. Immer wieder neu und anders. Alles Liebe für Euch drei!

  2. Lena von kraftvollMama.de sagt:

    Schöner, ehrlicher Beitrag!

    So ähnlich ging es mir vor gut vier Jahren auch. So sehr ich mich auf das Leben mit Baby gefreut hatte, ich dachte in der ersten Zeit oft wehmütig daran, wie schön es doch war, als man noch schlafen durfte, wenn man müde war, sich was zu essen machte, wenn man hungrig war und auf Toilette ging, wenn man mal musste… Unglaublich wie so ein kleines Wesen in unser sonst so selbstbestimmtes Leben eingreift!

    Alles Liebe für dich und deine Familie und achte weiterhin gut auf dich selbst.

    Liebe Grüße
    Lena von kraftvollMama.de

  3. Melina | Vanilla Mind sagt:

    Herzlichen Glückwunsch und alles Liebe!
    Diesen Satz fand ich super: “ Ich muss meinen persönlichen Endgegner – die eigene Messlatte – herunterschrauben und auf die neue Situation anpassen.“
    Ich habe zwar keine Kinder – aber der Satz passt einfach immer und auf jede Frau, die mit Perfektionismus kämpft.
    Liebe Grüße
    Melina

  4. Linda Szi sagt:

    Ebenfalls nochmal herzlichen Glückwunsch zum kleinen Wunder.
    Und ein bisschen muss ich ja schon schmunzeln, wenn ich so die doch sehr ehrgeizigen Pläne im Vorhinein verfolgt habe, die Erkenntnis, dass Elternsein einfach etwas ganz anderes ist als so wie man sich das in der Schwangerschaft noch vorstellt, kommt einfach in den ersten Lebenswochen 😉
    Aber das muss jede Mama selber erlebt haben, denn bei vielen erzählen Mütter von sehr anstrengenden Monaten und wochenlangem Schlafmangel und bei wieder anderen ist das Kind super brav und schläft immer seine 3-4 Stunden am Stück durch.
    Und die richtig spannende Zeit kommt ja erst noch. Im Nachhinein betrachtet kann man in diesen ersten 6 Monaten auf jeden Fall besser arbeiten als danach. Oder sagen wir mal ab Monat 3-4 bis Monat 7-8 so um den Dreh.

    • Frau Chefin sagt:

      Ich stelle mir gerade vor, wie du schmunzelnd vor mir sitzt 😀 Ich gebe es zu: Es stimmt tatsächlich so einiges, was Mamas erzählen. Und leider bringt das Löwenkind meine „Tagespläne“ grundsätzlich durcheinander. Aber das macht das Mamasein zu einem täglichen Abenteuer, einer Herausforderung. Und diese wollte man schließlich haben. Belohnt wird man mit einem süßen und zufriedenen Lächeln, das innere Tobsuchtsanfälle in Sekundenbruchteilen vergessen lässt 😉

  5. Annika sagt:

    Wie schön <3 Herzlichen Glückwunsch zur wohl besten Chefin der Welt!
    Genieß die Zeit und ich bin mir sicher, du wirst eine gute Balance finden.
    Ganz liebe Grüße aus Hamburg.

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