Warum ich drei Steuerberater in drei Jahren hatte. Ein Jammerbeitrag.

Warum ich drei Steuerberater in drei Jahren hatte. Ein Jammerbeitrag.

„Du hattest drei Steuerberater in drei Jahren? Das ist nicht normal!“ Nein, ist es nicht. Und weil ich in den letzten Wochen durch ziemlich tiefen Morast gewatet bin und dir das definitiv ersparen möchte, gibt es dieses Mal einen Jammerbeitrag. Ich erzähle dir, wie es dazu kam, dass ich drei Steuerberater in drei Jahren hatte, warum uns das fast eine Finanzierung kostet und weshalb deine Träume von deinem Steuerberater abhängig sein können.

Leider kommt man als Selbstständige ab einem bestimmten Punkt nicht mehr drumherum, einen Steuerberater zu beauftragen. Kein Wunder, denn das deutsche Steuerrecht ist eines der kompliziertesten. Für mich war der Augenblick im Jahr 2014. Das Jahr, indem ich angestellt war, ein kleines Gewerbe hatte und dann in die Vollzeit-Selbstständigkeit gestartet bin. Mir war sofort klar: Mir ist das alles zu viel, zu kompliziert und auch zu unsicher. Ich beauftrage einen Steuerberater.

Steuerberater Nummer 1: Stille Wasser sind tief

Meine Prioritäten waren klar: Es sollte ein Steuerberater in der Nähe sein, der sich auf Existengründer spezialisiert hat und mir sympathisch ist. Schließlich vertraut man diesem seine komplette Buchführung an und man macht sich im übertragenen Sinne nackig.

Brav brachte ich Anfang 2015 meinen Ordner hin, noch ein paar Nachfragen wurden geklärt und ruckzuck kam der Bescheid vom Finanzamt. Eigentlich ein Traum. Wären da nicht so ein paar Haken gewesen.

Was ich nämlich nicht bekam, war eine Gewinnermittlung. Dass dieses kleine Stück Papier fehlte, fiel mir ehrlich gesagt nicht weiter auf, ich wusste es auch nicht, dass das scheinbar grundsätzlich dazu gehört. Alles, was ich bekam, war eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Professionell mit Word erstellt und quasi eine Zusammenfassung von dem, was ich ihm schon geliefert hatte.

Stutzig – nein, eigentlich eher neidisch – wurde ich, als ich die Steuerunterlagen meines Mannes zum ersten Mal sah. Statistiken, Tabellen, Gewinnermittlung. Alles schön zusammengetragen und ausgewertet in einer Mappe.

Was mich allerdings wirklich stutzig machte, war die Tatsache, dass ich nach einigen Recherchen und Durchsehen der Steuerunterlagen meines Mannes herausgefunden habe, dass er einige Posten, die ich als Selbstständige steuerlich geltend machen kann, einfach nicht angerechnet hatte. Und ich kannte mich damit bis zu diesem Zeitpunkt nicht richtig aus. Schließlich hatte ich genau aus diesem Grund einen Steuerberater beauftragt. Ich hatte also bares Geld verschenkt und sowas ärgert mich zugegebenermaßen extrem.

Sauer wie ich war, wechselte ich also zum Jahresende 2015 zu meinem zweiten Steuerberater.

Steuerberater Nummer 2: Gut Ding will Weile haben, oder doch nicht?

Dieses Mal entschied ich mich für jemanden, der mich schon seit meinen Windeltagen kennt und der seit Jahrzehnten unsere Steuer macht. Ich tauschte also „Spezialisierung auf Existenzgründer und Bürositz im Nachbarort“ in „guter Bekannter, dem man vertraut, der sympathisch ist und weiter weg ist“.

Da ich Fan davon bin, dass solch wichtige Dinge schnellstmöglich erledigt werden, drückte ich ihm Anfang 2016 meinen Ordner für 2015 in die Hand mit der Bitte, die Steuer bis zur Jahresmitte abzuschließen. Dieses Mal war ich auch deutlich besser vorbereitet, hatte alles sauber und ordentlich abgeheftet und aus meinen Fehlern von Nummer 1 gelernt.

Nachdem ich bis September nichts mehr von ihm hörte, hakte ich nach. „Ja, das dauert noch, ich kam noch nicht dazu“. Im Dezember 2016 trudelte dann bereits die erste Mahnung vom Finanzamt rein. „Ja, ich weiß, Sie haben gerade eine Mahnung bekommen, das ist nicht so tragisch. Ich mache Ihre Steuer für 2015 bis Ende nächster Woche fertig.“

Daraufhin war erstmal Funkstille. Auf Mails wurde nicht geantwortet. Per Telefon war auch niemand erreichbar. Ende der Woche war natürlich auch keine Steuer fertig. Im Februar trudelte dann die zweite Mahnung ein. Immer noch nichts. Nach Wochen erreichte ich ihn schließlich und er gestand, dass er nichtmal mit meiner Steuer von 2015(!) angefangen hatte.

Wahrscheinlich wäre das auch alles nicht sooo dramatisch gewesen, wenn mein Mann und ich nicht dringend die Steuererklärungen für eine Finanzierung brauchen würden. Ja, wir hatten nach Jahren endlich ein Haus gefunden und hatten sogar das Glück, den Zuschlag bekommen zu haben. Natürlich weigerten sich die Banken uns einen Kredit auszustellen so lange meine Steuerbescheide nicht vorlagen. Die Unterlagen, die ich hatte, waren nicht aussagekräftig genug und unser Traum schien zu platzen.

Steuerberater Nummer 3: Jetzt wird klar Schiff gemacht!

Nachdem die Kacke schon ziemlich am Dampfen war, wechselte ich kurzerhand zum Steuerberater meines Mannes. Nach vielen Vorwürfen meines 2. Steuerberaters und einem ziemlichen Eklat, fuhren wir Hals über Kopf mit allen Unterlagen von Karlsruhe nach Düsseldorf, damit ich irgendwie aus diesem Schlamassel kam.

Jetzt war es nicht nur wichtig, das Finanzamt irgendwie zu beruhigen, sondern auch schnellstmöglich die Jahresabschlüsse von 2015 und 2016 fertig zu stellen, damit wir der Bank zumindest die Einkommensteuererklärungen vorlegen könnten.

Klingt gut soweit?

Ja, hätte es da nicht wieder einen Haken gegeben. Denn: Aus irgendeinem Grund, der sich mir ehrlich gesagt nicht ganz erschließt, benötigte der neue Steuerberater Unterlagen von Steuerberater Nummer 1 (also von der letzten Steuererklärung von 2014), die nicht vorhanden waren…

Noch ist kein Ende in Sicht

Dieses ganze Dilemma zieht sich nun seit Wochen hin, die Banken lehnen uns nach und nach ab – nicht nur, weil meine Unterlagen fehlen, sondern auch aus ganz anderen, uns absolut nicht verständlichen Gründen. Ein Beispiel: „Ihre Frau verdient zu viel (!!!)“. Der neue Steuerberater arbeitet auf Hochtouren und ist damit beschäftigt, alle drei Jahre auf Vordermann zu bringen.

Wir sitzen währenddessen auf glühenden Kohlen und sehen unseren Traum vom Haus davonschwimmen.

Da ich diese Sache noch lange nicht ausgestanden habe, mir das im 7. Monat der Schwangerschaft schwer aufs Gemüt schlägt und wir eigentlich unsere Wohnung kündigen müssten – sofern wir den Kredit für das Haus bekommen – kann ich und können wir alle Daumen gebrauchen, die für uns gedrückt werden.

Drückst du sie für uns?

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Frau Chefin
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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7 Gedanken zu „Warum ich drei Steuerberater in drei Jahren hatte. Ein Jammerbeitrag.

  1. David Williams sagt:

    Zu Glück hat es jetzt doch geklappt!

    Einen guten Steuerberater zu finden ist wirklich nicht einfach. Oberflächlich betrachtet scheinen sich verschiedene Steuerberater kaum zu unterscheiden, sodass man den Unterschied leider oft erst spürt, wenn es schon (fast) zu spät ist.

    Persönliche Empfehlungen von anderen sind auch meiner Erfahrung nach die beste Entscheidungshilfe.

  2. Ralf sagt:

    Hallo Frau Chefin,
    ich hab selber mal in einem Steuerbüro gearbeitet. Deshalb hat mich Dein Artikel besonders interessiert. Ich kann die drei Missgriffe garnicht glauben. Es ist wahrscheinlich so, wie wenn man als Angestellter drei mal den Job wechselt und dreimal einen Griff ins Klo tätigt.
    Gerade lese ich für das Masterstudium das Buch Existenzgründung und Business Plan. Von Vogelsang/Fink/Baumann. Da ist ganz viel kompakt drin, was ich irgendwann mal im Diplom BWL Studium gelernt hatte. 360 Seiten. Vielleicht würde Dich sowas auch (seriös)weiterbringen. Vielleicht erst nach der Geburt deines Kindes.
    Viele Grüße und alles Gute
    Ralf

    • Frau Chefin sagt:

      Hallo Ralf,

      scheinbar habe ich ein Händchen für schwierige Steuerberater 😉 Danke für deinen Tipp, ich werde mich auf jeden Fall in die Materie einlesen und hoffe ganz stark, dass ich jetzt ENDLICH einen kompetenten Steuerberater erwischt habe.

      Viele Grüße
      Isabelle

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