Weihnachtsgans

Was die Weihnachtsgans mit deinem Job zu tun hat

Gestern saß ich vor unserem Mini-Kamin im Wohnzimmer, beobachtete das Feuer, wie es sich langsam aufbaut, größer wird und sich später zu einer gleichbleibenden lodernden Flamme entwickelte. Im Raum roch es nach Lebkuchen und Zimt, im Backofen brutzelte eine leckere Weihnachtsgans für das Abendessen. Leichte Musik und Kerzen sorgten für eine angenehme Stimmung. Es war der perfekte Moment. Wäre da nicht diese eine Sache, die mir Kopfzerbrechen bereitet…

Ein Augenblick, der in der letzten Zeit seltener vorkommt. Oftmals war ich einfach nur genervt. Dabei hatte ich doch den vermeintlichen Traumjob, habe mein Hobby zum Beruf gemacht, erlebte viel, bereiste andere Städte und Länder, hatte genug Aufträge und verdiente ganz passabel.

Und dennoch nagt seit einigen Wochen etwas an mir, was die Euphorie trübt. Warum entscheiden wir uns eigentlich genau für einen Beruf?

Wegen des Geldes?
Aufgrund eines gewissen Statusses?
Wegen der Befriedigung, etwas Sinnvolles zu leisten?
Weil wir an dieser Aufgabe Spaß haben und uns dafür interessieren?
Oder weil wir einfach reinrutschen, es uns gefällt und wir gar nicht mehr darüber nachdenken, etwas Anderes zu machen?

Doch leider gibt es da ein Problem

Nachdem ich viele weitere Minuten ins Feuer blickte, wurde mir eine Sache klar: Ich hatte mich bei meiner Wahl vor allem auf zwei Dinge konzentriert: Den Spaß und das Interesse. Nun, das ist grundsätzlich natürlich nichts Verwerfliches, sondern macht meinen Arbeitsalltag durchaus sehr erträglich. Beide Dinge sind auch nach wie vor vorhanden, dennoch ist da etwas, was meine eigenen Erwartungen nicht erfüllt.

So oft hatte ich das Gefühl, dass das nicht alles sein kann, zu oft dachte ich, dass ich mich in manchen Teilen einfach geirrt hatte. Zu oft dachte ich, dass ich in diesem Männerberuf untergehe. Und oft dachte ich auch, dass mir einfach die Möglichkeit fehlt, kreativ zu sein und meine eigenen Ideen umzusetzen. Und zwar unabhängig von irgendjemandem und irgendetwas.

Aber warum ist das jetzt problematisch?

Stell dir einfach mal vor, du verbindest Weihnachten hauptsächlich mit einer von Mama zubereiteten, leckeren und knusprigen Weihnachtsgans, die an Perfektion nicht zu übertreffen ist. Sobald es die ersten Lebkuchen gibt und auch in den Schaufenstern die Weihnachtsdeko ihren Platz findet, denkst du immer wieder an die Gans. Diese Weihnachtsgans wird für dich zum Motiv, unbedingt Weihnachten feiern zu wollen.

Und dann kommt Weihnachten. Du sitzt mit deiner Familie am Esstisch, Mama präsentiert stolz ihre stundenlange Arbeit, dir läuft das Wasser im Mund zusammen. Voller Vorfreude nimmst du das erste Stück in den Mund. Du hattest eine (perfekte) Erwartung und die gleichst du jetzt mit deinem Geschmackserlebnis ab.

Nun merkst du: Sie ist zwar etwas knusprig, aber nicht perfekt und ein bisschen besser gewürzt könnte sie auch sein. Deine Erwartungen wurden nicht erfüllt und schlagartig sinkt deine Laune.

Wie konnte das passieren?

Das Weihnachtsfest hatte so viel zu bieten, vielmehr als nur die Weihnachtsgans. Und trotzdem bist du nicht glücklich. Weihnachten steht und fällt für dich mit der (nicht) perfekten Gans.

Indem du deine Vorfreude hauptsächlich auf die Weihnachtsgans konzentriert hast, hast du deine Erwartungen so hoch geschraubt, dass sie unmöglich erfüllt werden konnten. Und all die schönen Dinge drumherum hast du nicht mehr gesehen. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass im nächsten Jahr die Gans perfekt ist.

Und was hat das jetzt mit deiner Selbstständigkeit zu tun?

Auch eine Selbstständigkeit ist nicht perfekt. Klar malte ich mir einiges im Vorfeld mit viel Lametta aus. Dennoch solltest du von Anfang an auch realistisch sein: Ausschlafen, arbeiten wann, wo und was du willst. Entscheiden, wann du frei hast, keinen nervigen Chef mehr haben. All das sind zwar tolle Vorstellungen, aber leider werden sie auch in einer Selbstständigkeit in den seltensten Fällen wahr.

Wenn du mit einer dominanten Erwartung in die Selbstständigket startest, kannst du dabei leider fast nur enttäuscht werden und verlieren. Die Hoffnung, dass es besser werden könnte und deine Erwartungen doch noch erfüllt werden, bleibt zwar, aber wenn du an deiner Motivationslage nichts änderst, wird sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das Schauspiel wiederholen. Und du irgendwann das Handtuch werfen und wieder zurück in ein festes Angestelltenverhältnis gehen – und das will ich hier und jetzt vermeiden.

Sei gnädig mit der Weihnachtsgans

Wenn du dir von Anfang an bewusst machst, dass Selbstständigkeit nicht nur „Unabhängigkeit und Freiheit“ bedeutet, sondern viele weitere Facetten bietet, die sie besonders und lebenswert macht, dann ist die Wahrscheinlichkeit viel viel größer, dass die Selbstständigkeit deinen Erwartungen entspricht.

Fixiere dich von Anfang an nicht nur auf ein großes Element, das für dich das Sinnbild einer Selbstständigkeit ist. Dann wirst du auch nicht enttäuscht, wenn es nicht sofort und auch nicht immer erfüllt wird. Du wirst merken, du bist zufrieden mit dem, was ist. Und du suchst nicht nach weiteren Enttäuschungen und Ärgernissen, die deine Stimmung trüben.

Wir wollen oft zu viel und gleichzeitig zu wenig – das ist unser Problem. Wenn wir Weihnachten hinegegen nicht nur auf eine Sache beschränken und unsere Selbstständigkeit nicht nur der Inbegriff eines großarigen Motivs ist, dann wird so jedes Weihnachten und jeder Tag unseres Lebens als eigene Chefin unsere Erwartungen erfüllen. Und wir müssen nie mehr auf das nächste Jahr hoffen.

Nach langem Grübeln wurde mir gestern Abend klar, dass ich in meinem Job nicht die Möglichkeit habe, in dem Maße kreativ zu sein, wie ich es mir wünsche. Aber das ist für mich ok, denn ich habe diesen Blog. Hier ist meine kreative Spielwiese, auf der ich all meine Ideen umsetzen kann und damit dich und viele weitere Frauen unterstütze. Solange ich den Spaß und das Interesse an meinem Job als Tontechnikerin nicht verliere, ist doch alles prima, oder?

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Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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