Ich bin jetzt 30. Wie ist das eigentlich?

Ich bin jetzt 30. Wie ist das eigentlich?

Jetzt bin ich 30. Das Alter, um das so viele Menschen ein mega Aufsehen machen. Das Alter, bei dem angeblich schlagartig die Jugend aufhört und man plötzlich erwachsen ist. Doch, wie ist das jetzt mit 30? Wie wichtig ist der Geburtstag wirklich?

Bereits vor zwei Jahren ging es los mit den Sprüchen um den Tag, der da in wenigen Monaten sein wird:

“Du wirst bald 30!”
“Jetzt wird’s aber mal Zeit mit der Familienplanung!”
“Meinst du nicht, du solltest jetzt mal einen anständigen Beruf machen?”

Heute ist der Tag, an dem ich 30 bin. Der 09. Dezember. Und in gewisser Weise scheint es dazuzugehören, bei diesem runden Geburtstag mal etwas intensiver über das Leben nachzudenken.

Sag mal, wie war das eigentlich…?

Als ich mit acht Jahren gefragt wurde, was ich später mal werden will, sagte ich “Lehrerin”. Mit 15 wollte ich dann Rockstar werden – oder irgendwas mit Medien machen. Mit 18 stand der Beruf Musikjournalistin hoch im Kurs und mit 22 schließlich Tontechnikerin.

Auch dachte ich als Teenager, dass es noch ewig dauern würde, bis ich 20 werde. Nach Ende meines Studiums – und weit genug entfernt von der 30 – war ich der festen Überzeugung, die Welt läge mir zu Füßen. Endlich fertig mit dem Lernen. Endlich einen Job und eigenes Geld verdienen und endlich unabhängig sein.

Damals, so mit Anfang 20, fand ich, dass man mit 30 wahnsinnig alt sei. Schließlich darf man dann auf diese seltsamen Ü30-Partys gehen. Die, die immer so furchtbare Plakate haben. Auch dachte ich, dass man mit 30 unglaublich erwachsen sein muss, und wohl Kinder und eine Ehe den familiären Alltag bestimmen. Kurzum: Ich war mir sicher, spätestens mit 30 wird man spießig – und das war eine ganz furchtbare Vorstellung.

Und jetzt mit 30?

Da sieht die Welt zum Glück doch ganz anders aus. Aus vielen kindischen und zum Teil utopischen Vorstellungen und Ansichten, was ich so alles bis zur 30 erreicht haben will bzw. sollte, ist nichts geworden. Ich wurde weder Rockstar, noch ging ich mit meiner Lieblingsband auf Tour. Auch hatte ich niemals Dreadlocks bis zum Po, besitze kein Ferienhaus auf den Philippinen und habe auch keinen VW Bus. Meine bodenständigen Wünsche, mit 28 zu heiraten und mit 29 Mama zu werden, haben auch nicht ganz hingehauen.

Dafür gab es Dinge, die ich erreicht habe und an die ich damals überhaupt nicht dachte.

Wie zum Beispiel meine Selbstständigkeit. Klar wusste ich, dass es sowas gibt – mein Vater war selbstständig – aber aufgrund der Tatsache, dass ich mit seiner Selbstständigkeit aufwuchs, war für mich klar, dass ich sowas NIEMALS machen möchte. Viel zu viel Verantwortung, viel zu viel Stress und viel zu viele Verpflichtungen.

Jetzt mit 30 kann ich darüber lachen, weil ich für mich festgestellt habe, dass es die beste Arbeitsweise ist, die ich mir vorstellen kann. Und ich verstehe, warum er selbstständig war und jeden Tag sich diesen Stress angetan hat.

Auch ursprüngliche Gedanken, wie…

War’s das jetzt endgültig mit der Jugendlichkeit? Ist es ab sofort unangebracht, voller Begeisterung Eulen-Sökchen zu tragen? Ist es jetzt uncool, auf Zeichentrickfilme zu stehen? Und was ist eigentlich mit den tollen Kinderprodukten, bei denen das Marketing so brillant ist, dass ich immer noch darauf abfahre?

…Belächele ich mit einer reiferen Sichtweise. Na und? Ich stehe auf Eulen-Söckchen und die trage ich, so lange sie mir gefallen. Egal wie alt ich bin. Und was ist schon die Zahl auf dem Papier? Ich bin 30 und werde oft auf 25 geschätzt, Freude pur! Und wenn ich Lust auf Kinderriegel bekomme, dann esse ich die einfach!

Die Zeiten ändern sich!

Heute bin ich glücklich darüber, mit beiden Beinen im Leben angekommen zu sein und zu wissen, was ich will. Eigentlich finde ich 30 sogar ganz gut. Ich habe einen Mann an meiner Seite, der stets zu mir hält, mich unterstützt und so sehr liebt, dass er mich vor drei Wochen geheiratet hat.

Einen gepflegten Vorgarten finde ich längst nicht mehr spießig und eine Wohnung mitten in der Innenstadt nicht mehr hip. Ich finde einen Pärchenurlaub wundervoll, bin aber auch mit einem Urlaub auf Balkonien zufrieden. Für mich fühlt es sich schön an, wenn mein privater Alltag familiär ist und ich im Beruf nicht mehr als zu jung und unerfahren angesehen werde.

Was kommt und was bleibt

Heute, an meinem 30. Geburtstag, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass uns die 30 deshalb so stark zum Nachdenken bringt, weil die kommenden zehn Jahre weitaus bedeutender und weittragender sind als die vergangenen. Wenn wir jetzt nicht endlich den Partner für’s Leben finden, Kinder kriegen, erfolgreich im Beruf sind, dann wird das wohl nie etwas. Ich finde, es ist das Jahrzehnt der bedeutendsten Veränderungen im Leben. Veränderungen, die eine neue Generation beeinflussen können.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Beständigkeit und Weiterentwicklung zur gleichen Zeit etwas Großartiges ist. Und irgendwie ist dieses Streben danach mit etwas mehr Ruhe und Geduld doch viel schöner. Es ist schön, 30 zu sein und auf die vergangenen zehn Jahre mit einem Lächeln zurückblicken zu können und die kommenden zehn Jahre mit Spannung zu erwarten.

In diesem Sinne: Happy Birthday to me!

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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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3 Gedanken zu “Ich bin jetzt 30. Wie ist das eigentlich?

  1. frau schlemmi schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch, Frau Chefin! Ich lese Deinen Blog noch nicht so lange, aber bin sehr froh, dass ich ihn gefunden habe. Und irgendwie verspürte ich den Anlass, auf diesen Artikel hin mal einen kleinen Gruß zu hinterlassen – ebenfalls gerade vor ein paar Tagen meinen Geburtstag hinter mich gebracht habend… 😉
    Mein 30. ist etwas untergegangen (vor 2 Jahren, in Windeln…), aber die Gedanken über das, was bisher war und was da vielleicht noch kommt, die kamen dann ein wenig später auch. Sieht so aus, als würde ich mich gerade auch selbständig machen (müssen). Ich habe jetzt doch ziemliche Angst davor, aber glaube eigentlich schon mein Leben lang, dass DAS die Art ist, wie ich arbeiten möchte. Nur wusste ich nie, WOMIT ich mich selbständig machen sollte (etwas ungünstig, so eine Situation, das gebe ich zu) Naja, das steckt auch alles noch in den Kinderschuhen, wir werden sehen, wohin es genau führt, aber das Gefühl, dass ich ein bisschen selbst in der Hand habe, von wem ich mich in wie weit abhängig mache, ist das, was mich trägt. Und wie ich hier so lese, ist das bei Dir auch ein Punkt, der Dich antreibt. Viele weitere Deiner Ansichten über das (Arbeits-)Leben teile ich ebenso… das macht Mut! Danke dafür & eine schöne Adventszeit!

    • Frau Chefin schreibt:

      Liebe Annika,

      oh, das ist aber sehr lieb von dir! Ich freue mich jedes Mal, wenn jemand einen Kommentar hinterlässt und sich über meine Artikel freut.
      Ich hoffe, wir sehen uns bald auf der anderen Seite (auf der der Selbstständigen). Und denke daran: Aus einer Idee wird ein Plan und ein Business. Und dann wächst sowohl du mit deinem Business, als auch das Business mit dir :)

      Viele liebe Grüße
      Isabelle

  2. Theresa schreibt:

    Happy Birthday!!! Ich fand den 30er auch nicht so schlimm, man ist so viel gelassener ab 30 und steht so viel mehr zu den eigenen Bedürfnissen, finde ich. Und wenn man dann auch noch jünger aussieht….top! 😉

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