work in process

Elsa und Katrin: Gründerinnen des Portrait-Magazins WORK IN PROCESS

Elsa ist eine waschechte Berlinerin, die sich schon immer gern in der kreativen Szene tummelte. In den vergangenen Jahren hat sie ein großes Netzwerk aufbauen können, das ihr als Gründerin des Online-Magazins als große Unterstützung und Inspiration dient. Katrin ist als studierte Journalistin und Musikwissenschaftlerin vor allem in der Welt der Worte zu Hause. Als werdende Mama schaukelt sie nun gleich zwei Babys. Im Interview mit Frau Chefin erzählen sie, wie es dazu kam, dass sie Work in Process gegründet haben, welche Hürden sie meistern mussten und was ihre Ziele im kommenden Jahr sind.

Im vergangenen September ist euer Portrait-Magazin WORK IN PROCESS online gegangen. Dazu erstmal Herzlichen Glückwunsch! Wie kam es, dass ihr euch selbstständig gemacht und ein eigenes Magazin gegründet habt? Was war ausschlaggebend für eure Entscheidung?

Die Idee kam uns spontan bei einem Besuch Elsas in Leipzig. Wir suchten beide nach einer neuen Art uns auszudrücken und uns von gängigen Wegen des Geldverdienens zu lösen. Elsa hatte die Idee, einen Blog über Arbeitsabläufe zu gründen.

Schnell spannen wir viel größere Pläne und die Ideen sprudelten nur so. Da wir beide es spannend fanden, in die Berufsalltage anderer einblicken zu können und die ständige Veränderung der Arbeitswelt zu beobachten, war die Thematik unseres Magazins sehr schnell gefunden. Ausschlaggebend war also der Impuls, gemeinsam etwas starten zu wollen, woran wir glauben und was uns selbst brennend interessiert.

Was ist das Besondere an eurem Magazin? Was macht es einzigartig?

Einerseits gehen wir tiefer in Details als die meisten Portrait-Magazine, da wir uns für eine stundenbasierte Erzählform entschieden haben. Somit – und das ist die zweite Besonderheit – können Leser unsere Portraits querlesen. Es sind immer drei Tagesabläufe gleichzeitig sichtbar, damit der Leser auf einen Blick vergleichen kann, wie unterschiedlich Personen ihre Arbeit strukturieren. So kann der Leser sich beispielsweise selbstbestimmt einfach durch die verschiedenen Tagesabläufe klicken und nur lesen, was die Interviewpartner gerade 10 Uhr machen. Auf diese Wiese wird die Vielfalt der Arbeitsabläufe auf einen Blick sichtbar.

Katrin startet an ihrem Schreibtisch in den Tag. Foto: Elsa Loy

 

Hinter einem Online Magazin steht immer ein langer Prozess der Planung und Umsetzung. Welche Hürden musstet ihr meistern, bis euer Magazin online war?

Mit Matthias haben wir schnell einen Backend-Programmierer gefunden, der an unsere Idee glaubte und Lust hatte, uns dabei zu unterstützen. Doch die Suche nach einem Webdesigner stellte sich als erstaunlich schwierig heraus – zumal unser Budget sehr begrenzt war. Da wir uns nicht tiefgründig im Programmieren und Website-Konzipieren auskannten, tappten wir da vor allem in Kommunikationsfallen.

Dadurch zog sich das Projekt in die Länge, bis wir endlich ein Team gefunden hatten, mit dem unsere Idee dann Form annehmen konnte. Das Gute daran: Wir haben zu keiner Zeit Energie für das Projekt verloren und einen sehr langen Atem bewiesen. Das hat uns selbstsicherer gemacht und Zeit gegeben, erste grobe Vorstellungen in genaue Pläne zu verwandeln.

Seitdem ihr selbstständig und online seid, konntet ihr erste Erfahrungen sammeln. Was lief bereits anders/unerwartet/besser/schlechter als ihr euch das vorgestellt habt?

Wir haben in unserer Zeitplanung keinen Platz für unvorhergesehene Dinge eingeplant, die eintraten und den Prozess verlangsamt haben. So war die Seite zum Launch zwar online, aber nicht fertig. Wir bauen noch jetzt fleißig im Hintergrund, bis alles so aussieht, wie wir es uns vorgestellen.

Ein wichtiger Bereich eures Magazins sind die Arbeits-Portraits, in dem ihr Arbeitsabläufe verschiedenster Berufe und Menschen zeigt. Wie sieht bei euch ein typischer Arbeitstag aus?

Wir haben uns auf WORK IN PROCESS gegenseitig portraitiert, um auch unsere Arbeit transparent zu machen.

Zu Elsas Tagesablauf.

Zu Katrins Tagesablauf.

Grob zusammengefasst können wir wie fast alle unserer Interviewpartner sagen, dass kein Tag wie der andere ist, und das ist auch gut so. Sonst wäre uns schnell langweilig.

Elsa arbeitet gerne in ihrem Lieblingscafé. Foto: Katrin Haase

 

Damit es euch nicht langweilig wird, habt ihr bestimmt auch schon Pläne für das kommende Jahr geschmiedet. Welche Ziele habt ihr euch für 2017 denn gesteckt?

Wir wollen mit WORK IN PROCESS viele Leser ansprechen und Wege finden, wie wir davon leben können. Erste Schritte sind gemacht, jetzt gilt es, eine wachsende Leserschaft aufzubauen und gemeinsam mit ihnen spannende Themenbereiche zu entdecken. Außerdem möchten wir gerne ein Team aufbauen, mit dem wir unsere Vision in die Tat umsetzen können.

Bei Frau Chefin schreibe ich immer wieder, dass man als Frau groß denken und träumen sollte, um auf dieser Basis herauszufinden, was man wirklich möchte. Wie war das bei euch?

Da sind bei uns die Rollen gut verteilt: Elsa denkt gerne groß, entwickelt Ideen und bringt Menschen zusammen, während Katrin lieber Stück für Stück sich an die Ziele heranarbeitet und die Sachen systematisch angeht. Zusammen ergibt das eine sehr gute, gesunde Mischung, die zielbringend ist und sich gut ergänzt. Wir finden beide Ansätze wichtig.

Voller Vorfreude auf den nächsten Tag, geht es am Abend nach Hause. Foto: Elsa Loy

Was sind eurer Meinung die größten Probleme und Hindernisse, die speziell Frauen vor und während einer Gründung begegnen?

Frauen sind unserer Erfahrung nach keine Großschwätzer oder Angeber. Sie kommunizieren emphatischer als Männer. Man könnte es auch negativ formulieren: Frauen fehlt manchmal der Mut, anderen immer wieder die eigene Idee zu erzählen, bis sie endlich im Gedächtnis bleibt und Interesse anregt.

Dieses hyperbegeisterte, überschwängliche Bewerben der eigenen Gründungsidee kommt Frauen teilweise aggressiv oder arrogant vor, wir denken aber, dass man mit solch einem Auftreten beim Gründen eines Unternehmens weiter kommt. Deshalb haben Männer wohl einen Vorsprung.

Welche Eigenschaften sollte eurer Meinung nach eine Person haben, die selbstständig ist, oder sich selbstständig machen möchte?

Ein Gründer oder eine Gründerin sollte gut organisiert, selbstsicher, risikofreudig und offen für Neues sein. Denn es kommt nie genau so, wie man es geplant hat, und man muss schnelle, kreative Lösungen für neue Wege finden.

Was möchtet ihr anderen Gründerinnen und selbstständigen Frauen gerne mit auf den Weg geben?

Verbindet euch! Erfahrungen und Wissen zu teilen macht uns stark gegenüber der immernoch selbstständigenfeindlichen Welt. Wir selbstständige Frauen werden vom Staat noch nicht genügend anerkannt, Hürden und Nachteile lauern überall. Solange wir uns vernetzen, können wir aus Fehlern und Errungenschaften Anderer lernen, Tipps und Tricks erfahren und unseren Platz in der Gesellschaft erkämpfen.

Ich danke euch für das Interview!

Neugierig geworden? Weitere Informationen zu Elsa und Katrin sowie ihrem Portrait-Magazin Work in Process findest du hier:

Portrait-Magazin Work in Process

Fotos: Titelbild: Rica Rosa; Elsa Loy und Katrin Haase

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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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