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Selbstständig? Aber klar doch! Warum ich den Schritt wagte

Manchmal gibt es Schlüsselmomente im Leben. Momente, die das bisherige Leben in Frage stellen, alles über den Haufen werfen und allem, was noch kommt, eine neue Richtung geben. Mein Moment war im Juni 2014. Er kam plötzlich, unerwartet und mit solch einer Wucht, dass ich die nächsten drei Tage und Nächte wach war. Selbstständig? Ich?

Eigentlich war ich ganz glücklich. Nach meinem Studium und vier Jahren Festanstellung, wollte ich mal wieder leben. Ich wollte einen geregelten Job, mit geregelten Arbeitszeiten und freien Wochenenden. Einen Job, bei dem man kreativ sein durfte und trotzdem eine intakte Beziehung haben konnte.

Ich war mir sicher, dass ich als Medientechnikerin und Texterin meine Berufung finden würde, ich unglaublich zufrieden sein würde. Zum Spaß, und um meine frühere Tätigkeit ernsthaft aufrecht zu erhalten, war ich nebenberuflich als Tontechnikerin unterwegs und arbeitete dann, wenn ich Lust darauf hatte und mal wieder das wilde Theaterleben genießen wollte.

Eigentlich lag es auf der Hand, aber ich sah es nicht

Meine Hauptarbeitszeit verbrachte ich also in einer PR- und Medienagentur, in der ich nette Kollegen hatte, die ich alle sehr schätzte und die auch mich mochten. Ich lebte in einer Stadt (Karlsruhe), die unglaublich lebenswert ist. Ich hatte jedes Wochenende frei, am Abend konnte ich im Verein Sport machen. Ich hatte genügend Zeit, um mit Freunden Kontakt zu halten, Socken zu bügeln, mein Diplom zu machen und eine langjährige Beziehung zu beenden. Und trotzdem war da etwas, was mich einfach unzufrieden machte.

Ich saß gelangweilt am Schreibtisch und sortierte zum gefühlten 100. Mal meine Stifte. Seit Stunden glotzte ich auf ein leeres Blatt Papier, auf dem ich eigentlich einen umwerfenden Artikel über kommunale Straßenkehrmaschinen niederschreiben sollte. Auch die aufmunternden und mitfühlenden Blicke meiner Kollegen, hatten leider keine Auswirkungen auf meine fehlende Kreativität in Sachen „Friedhofspflege mit Kehrmaschinen“.

Und dann klingelte mein Handy. Normalerweise ließ ich es in der Tasche vor sich hin dudeln. Doch an diesem Tag war mir jede Abwechslung recht. Ein Kollege rief mich an. Zu dieser Zeit liefen gerade die Festspiele, bei denen ich auch am Wochenende tätig war und die mich finanziell über Wasser hielten. Ein anderer Kollege lag krank im Bett und besagter Kollege am anderen Ende der Telefonleitung wollte aufgeregt wissen, wie nun die Show zu retten sei. Ruhig erklärte ich ihm alles, was er wissen musste.

Und da machte es KLICK. Ich begriff, was mir die ganze Zeit fehlte

Erfolgserlebnisse.
Das Gefühl, gebraucht zu werden.
Etwas zu können, für das ich respektiert und bewundert werde.
Einfach etwas zu machen, bei dem ich erfolgreich bin.

In diesem Moment wurde plötzlich alles klar. Ich hasste es, im Büro zu sitzen, während draußen wundervolles Wetter war und ich bei den Festspielen wirklich gebraucht wurde. Und ich dort meinen festen Platz hatte. Der Gedanke, nicht einfach aufstehen zu können und dorthin zu gehen, wo ich zu diesem Zeitpunkt hätte sein sollen, machte mich den ganzen restlichen Arbeitstag verrückt.

Und der Wunsch nach mehr Freiheit, Unabhängigkeit, danach selbstständig zu sein, war ab diesem Zeitpunkt unzerstörbar groß. Dass es kein einfacher Weg werden würde, war mir klar. Welche Hürden und Hindernisse lauern, konnte ich nur im Entferntesten erahnen.

Doch das Wichtigste war, dass ich den ersten Schritt gegangen bin. Den Schritt über meinen eigenen Schatten.
Raus aus der Komfortzone.

Aber es war der Aufwand, die Anstrengungen, Nerven und Tränen wert. Ich habe meinen Entschluss noch keine Sekunde bereut. Und du kannst das auch!

Und weil ich es liebe, selbstständig zu sein und jede Frau ermuntern will, diesen entscheidenden Schritt zu wagen, erscheint jeden Sonntag bei Frau Chefin ein neuer Artikel mit Hilfestellungen, Denkanstößen, Tipps, Tricks und Erfahrungen, damit auch du es schaffen kannst, deinen Traum zu verwirklichen.

Deinen Traum von der Selbstständigkeit und deinem neuen Leben.

Hast du den Schritt bereits gewagt? Bist du schon selbstständig?

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Frau Chefin
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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17 Gedanken zu „Selbstständig? Aber klar doch! Warum ich den Schritt wagte

  1. Julie sagt:

    Wow, ich bewundere dich sehr! Ich hoffe, dass ich irgendwann mutig genug für diesen Schritt bin.
    Bis dahin hol ich mir gerne Tipps und Denkanstöße von dir. 😉
    Liebe Grüße
    Julie

  2. Judith Ochs sagt:

    Ich stecke gerade mitten in den Vorbereitungen für meine Selbstständigkeit. Es liegt noch viel Arbeit vor mir, bis es dann voraussichtlich im Februar 2018 endlich los gehen kann. Ich werde ein Café eröffnen. An manchen Tagen verlässt mich allerdings ein bisschen der Mut und Bedenken machen sich breit. Ein großes Thema ist für mich die Einteilung meiner zeitlichen und auch körperlichen Ressourcen in der Selbstständigkeit als Gastronomin. Gelingt es mir, diese auch sinnvoll einzuteilen und zu nutzen. Gelingt es mir , die Stimmen von Außen , wie z.b. dann ist das Leben erst einmal vorbei, keine Zeit für Familie,Freunde, Hobbys zu ignorieren und es mir so einzurichten , wie es für mich passt? Es wird mich nichts mehr davon abbringen, diesen Weg zu gehen, dafür brenne ich. Aber ich bin auch Realistin und mir bewusst, dass ich mit meinen 49 Jahren auf mich aufpassen muss . Es bleibt spannend.

  3. Eve sagt:

    Ich kann absolut nachvollziehen, was du meinst! Ich bin auch einfach nicht der Typ fürs Angestelltenleben. Das habe ich vor einem Jahr endgültig begriffen. Am schlimmsten war aber, dass ich lange Zeit freiberuflich wie eine Angestellte gearbeitet habe, nur dass ich viiiiiel weniger Geld dafür bekommen habe, als meine fest angestellten Kollegen. Auf sowas kann ich verzichten. Ich glaube, dass meine Zukunft in der Selbständigkeit liegt, auch wenn der Anfang hart ist.

    Deinen Blog werde ich ab jetzt öfter besuchen. 🙂
    Liebe Grüße
    Eve von http://www.eveblogazine.com

    • Frau Chefin sagt:

      Hallo Eve,

      das ist schön, dass du deinen Weg gefunden hast. Und die Steine, die dir hier und da im Weg liegen, lassen sich auch mit der Zeit beseitigen.
      Ich freue mich auf deinen nächsten Besuch. Schnapp dir einen Tee, eine gemütliche Decke und grabe dich ein 😉

      Viele Grüße
      Isabelle

  4. Sina sagt:

    Sehr coole Seite! Nun ich bin tatsächlich froh, nicht mehr komplett selbständig zu sein. Ich kann es trotzdem nicht ganz lassen, daher wieder ein Kleinunternehmen und Angestellte. Aber Vollzeit-Selbständigkeit möchte ich echt nimmer. Die Jahre komplett ohne Selbständig sein waren sehr entspannend… Zwar wenig kreativ, aber wenigstens gab es keine schlaflosen Nächte mehr.

  5. Aksana Rasch sagt:

    Ja, ich habe ihn auch gewagt. Bin nun seit 2010 in der Selbständigkeit. Ein holpriger Weg, doch ich bin ihn immer weitergegangen und happy, dass ich es gemacht habe. Es lohnt sich. Toller Blogartikel. Mach weiter so. Alles Liebe, Aksana

  6. Steffi sagt:

    Wie gut ich dieses Gefühl nachvollziehen kann, in einem Job festzusitzen und sich die ganze Zeit zu denken, was soll das hier eigentlich werden? Warum mach ich das? Wieso scheint draußen die Sonne und ich darf nicht raus?
    Genau das hat bei mir vor acht Jahren auch zur Selbständigkeit geführt.
    Die nach wie vor beste Entscheidung meines Lebens!

    Hoffe du kannst noch viele Leute inspirieren 🙂
    Lg
    Steffi

    • Frau Chefin sagt:

      Hallo Steffi,

      das freut mich sehr, dass du nach wie vor so zufrieden bist 🙂
      Und ich hoffe ebenfalls, dass ich noch sehr viele Frauen für die Selbstständigkeit gewinnen kann 🙂

      Liebe Grüße, Isabelle

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