Gründungszuschuss beantragen

Gründungszuschuss: „Machen Sie auch Vasen?“

Meine Erfahrungen mit dem Gründungszuschuss

Ja, auch ich habe mit dem Gründungszuschuss gegründet. An sich eine feine Sache, wären da nicht diese Hürden, Hindernisse, Missverständnisse und der scheinbar unendliche Papierkrieg. Oder geht’s auch anders? Ja, geht es! Den Gründungszuschuss zu beantragen ist gar nicht so kompliziert, wie man zu Beginn denkt.

“Machen Sie auch Vasen?”

Verdutzt blickte ich die Dame hinter dem mit Akten nicht mehr erkennbaren Schreibtisch in der Agentur für Arbeit an.

„Ich verstehe nicht ganz.“

Sie verschränkte die Hände, beugte sich zu mir nach vorne und schaute mich mit einem erwartungsvollen Blick an.

„Ja, machen Sie auch Vasen, wenn sie Tontechnikerin sind?“

Eine bedrückende Stille entstand. Mir dämmerte, warum sie mich so komisch fragte.

„Ähm, ich mache laut-leise bei Veranstaltungen, Konzerten und so…“

Ihr schien ihre Informations-Lücke sichtlich peinlich zu sein. Hektisch tippte sie mit ihren akkurat manikürten Fingernägeln auf der Tastatur.

Um die Stille zu unterbrechen, versuchte ich die peinliche Situation sachlich aufzuklären: „Nein, ich bin keine Töpferin. Ich bin Tontechnikerin.“

„Schade, dann sind Sie leider unvermittelbar.“ Sie schaute etwas enttäuscht, fast so, als ob sie nun dafür verantwortlich sei, dass mit mir die Arbeitslosenzahl in Deutschland rapide anstieg.

„Ok, das ist auch nicht weiter schlimm, ich möchte mich nämlich selbstständig machen und einen Gründungszuschuss beantragen.“ Ich strahlte sie stolz an und auch ihr Gesicht hellte sich auf.

Das Wort “Gründungszuschuss” veränderte plötzlich alles

Mit dem Wort „Gründungszuschuss“ schien Nicole, meine persönliche Beraterin und Unterstützerin in Sachen Selbstständigkeit, ganz in ihrem Element. Sie versorgte mich umgehend mit Informationsmaterial, wies mich darauf hin, dass eine Selbstständigkeit kein Kinderspiel sei und dass ich diesen und jenen Antrag ausfüllen und ich ihr diese und jene Unterlagen zukommen lassen muss.

Das Ausfüllen und Zusammensuchen der Unterlagen wurde allerdings zur Geduldsprobe. Was für mich das Schlimmste war, war der Businessplan. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich wirklich keine Ahnung, warum ich so etwas brauche. Geschweige denn, wie man einen Businessplan schreibt, wie so etwas aussieht und was da eigentlich reingehört. Starthilfe gab das Internet, alles weitere machte ich mal so, wie ich dachte und schien dabei richtig zu liegen.

Knapp zwei Wochen später saß ich mit meinen gesammelten Werken wieder im Büro von Nicole. Der Aktenberg schien seit meinem letzten Besuch noch größer geworden zu sein. Stolz überreichte ich ihr meine Unterlagen und meinen Businessplan. Sie war zufrieden und lobte mich für meine realistischen Einschätzungen. Bei Männern sei das ja was ganz anderes. Die würden sich fast alle überschätzen und hätten zum Teil ganz absurde Ideen.

Gute Tipps gibt’s gratis

Nach einer kurzen Stille sagte sie ernst: „Ich sage Ihnen jetzt mal was. Ich habe mich auch mal selbstständig gemacht. Damals, vor ein paar Jahren. Nur habe ich den Fehler gemacht, zu früh aufzugeben. Ich habe viel zu früh mich von Hürden und Hindernissen beeindrucken lassen. Machen Sie diesen Fehler nicht!“. Beeindruckt von ihrer Offenheit, nickte ich brav.

Zum Abschied sagte Sie: „Sie schaffen das, das spüre ich. Und machen Sie sich keine Sorgen wegen dem Gründungszuschuss. Ich bin mir sicher, der wird Ihnen bewilligt.“

Und genau so war es. Vier Wochen später trudelte das Schreiben der Agentur für Arbeit bei mir ein. Ich hüpfte vor Freude, dass ich nun die erste Hürde geschafft hatte und mir der Start in meine Selbstständigkeit erleichtert wurde.

Es kann losgehen!

Das war im September 2014. Am 01. Oktober machte ich mich mit Fräulein i. – Crossmediale Kommunikation selbstständig.

Ein Jahr später, als ich bereits erfolgreich in meiner Selbstständigkeit angekommen war, schrieb ich Nicole eine Karte:

Das erste Jahr ist geschafft! Vielen Dank, dass Sie mir Mut gemacht und an mich geglaubt haben. Da habe ich den Tontechniker-Vasen-Unfall schon fast vergessen.“

Ohne Gründungszuschuss wäre alles anders gelaufen

Ich gebe zu: Ohne Gründungszuschuss wäre mein Start mit Sicherheit holpriger gewesen. Durch die finanzielle Unterstützung konnte ich beruhigt die ersten Schritte meiner Selbstständigkeit wagen, ohne großen Druck zu haben. Ein weiterer großer Vorteil, den der Gründungszuschuss mitbrachte: Ich war und bin wirtschaftlich selbstständig. Ich musste keine Kredite aufnehmen, habe keine Schulden und konnte sofort jeden Umsatz als Plus verbuchen, was unglaublich motivierend ist!

Übrigens: Es ist keine Schande, Hilfe anzunehmen. Du kannst nicht immer alles alleine schaffen und das musst du auch nicht. Du musst dich zu Beginn mit so vielen Dingen beschäftigen, da kann eine Starthilfe nicht schaden. Und ja, auch das leidige Thema Businessplan ist unglaublich wichtig. Da bist du nämlich zum ersten Mal gezwungen, dich so richtig mit deinem zukünftigen Business zu beschäftigen. Du lernst, dich realistisch einzuschätzen, siehst, was finanziell auf dich zukommt und wieviel Umsatz du machen musst, um davon leben zu können.

Und jetzt?

Jetzt bin ich seit knapp zwei Jahren selbstständig und bin stolz darauf, es geschafft zu haben. In vielen Monaten habe ich als Ton- und Videotechnikerin sogar so viel zu tun, dass ich gar nicht alle Aufträge annehmen kann. Als Fräulein i. habe ich noch eine zweite Leidenschaft: Das Online Marketing. Diesen Bereich will ich in der zweiten Hälfte dieses Jahres weiter ausbauen.

Was ich in den vergangenen zwei Jahren gelernt habe: Eine Selbstständigkeit besteht immer aus Höhen und Tiefen. Ich habe in der kurzen Zeit unglaublich viel erlebt, viele Erfahrungen sammeln können und konnte viel reisen. Da ich meine Erfahrungen, Tipps und Tricks gerne weitergeben möchte, gibt es diesen Blog.

Und nun bist du dran: Bistauch du mit dem Gründungszuschuss in die Selbstständigkeit gestartet? Was sind deine Erfahrungen?

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Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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