Von Trampelpfad der Selbstausbeutung - Oder: Warum du auch mal Pause brauchst

Vom Trampelpfad der Selbstausbeutung

Oder: Warum du auch mal eine Pause brauchst

Selbst und ständig. Das scheint das Mantra von vielen Gründerinnen und Selbstständigen zu sein. Oft folgen ein gequältes Lächeln, ein müder Blick und ein kleiner Seufzer. Da kann man nichts machen, so sei das eben. So dachte ich auch. Oder doch nicht? Müssen wir uns wirklich auf dem Trampelpfad der Selbstausbeutung bewegen?

Ich gebe es zu: Mein Akku ist leer. Ich habe das Gefühl, nicht mehr zu können. Eigentlich will ich nur noch schlafen. Doch auch mit dem Schlafen ist das so eine Sache. Ich schlafe nicht gut und schon gar nicht durch. Morgens quäle ich mich aus dem Bett, mittags habe ich schon gar keine Lust mehr zu arbeiten, nachmittags könnte ich im Stehen einschlafen und abends komme ich nicht zur Ruhe.

Jede unvorhergesehene Kleinigkeit lässt mich fast in Tränen ausbrechen, jedes emotionale Ereignis bringt mich zum Weinen. Kurz: Ich habe das Gefühl, am Rande eines Nervenzusammenbruchs zu stehen, aus dem mich auch keine Schokoladen-Überdosis mehr retten würde.

Das kommt dir bekannt vor? Dann herzlich Willkommen. Du bist schon mittendrin in deiner Selbstausbeutung.

Der Start mit dem eigenen Business ist oft rasant, so dass keine Zeit bleibt zum Innehalten, Nachdenken, Reflektieren. Das ist ja auch das Schöne:

Als frischgebackene Selbstständige stürzt man sich in eine noch unbekannte Welt voller Abenteuer, motiviert durch den Duft nach Freiheit und Unabhängigkeit, angetrieben von der Leidenschaft zum eigenen Business und dem Wunsch, seine eigene Chefin zu sein.

Möchtest du ausgerechnet jetzt innehalten? Möchtest du jetzt schon zurücktreten? Lieber hast du zu viel zu tun, als zu wenig. Es könnte ja plötzlich kein Auftrag mehr rein kommen, dein Konto am Monatsende leer sein und du dich womöglich auch noch langweilen. Hinter jedem freien Tag lauert schließlich auch die Existenzangst hinter einer Ecke und könnte jede Sekunde mit voller Wucht zuschlagen.

“Wenn es erstmal gut läuft, dann schalte ich einen Gang runter!”

Vergiss es! Das Problem ist nämlich: Auch wenn du dir vornimmst, einen Gang runterzuschalten, sobald dein Business läuft, machst du das nicht.

Warum? Weil du Angst hast, einen Schritt zurück zu machen.

Du hast dich viel zu sehr abgerackert.
Du hast dir jeden kleinen Erfolg hart erkämpft.
Du hast Hürden gemeistert, Rückschläge eingesteckt und alles gegeben, um so weit zu kommen und genau an diesem Punkt zu stehen.
Und jetzt sollst du es ruhiger angehen lassen?
Jetzt, da es gerade so gut läuft?
Jetzt, wo du eine Menge Aufträge hast?
Jetzt, wo deine Kunden genau dich für ihre Aufgaben wollen?

Wäre ja ganz schön blöd! Oder doch nicht?

Nein, ist es nicht. Auch wenn es sehr verlockend ist, das Geld einzusammeln, wenn es fast vor deinen Füßen liegt: Irgendwann ist dein Akku einfach leer. Deine Ideen stagnieren, deine Kreativität macht Urlaub und du bewegst dich wie fremdgesteuert in deinem Hamsterrad. Du glaubst mir nicht?

Vielleicht vergisst du hin und wieder ein paar Dinge, bist nicht immer überall pünktlich, hast keine Lust, auch nur eine Mail zu beantworten. Ganz zu schweigen davon, morgens überhaupt aufzustehen. Vielleicht ist dir schonmal aufgefallen, dass dein Kopf sich anfühlt wie ein Ballon kurz vor dem Platzen, du Unmengen an Schokolade isst, ständig schlechte Laune hast, oder du einfach nur noch müde bist. Na? Sei ehrlich zu dir.

Erfolgreiche Selbstständigkeit und erfolgreiche Selbstausbeutung sind nicht die gleichen Dinge.

Im Fachjargon ist man ganz schnell bei dem modernen Begriff “Burn out“. Soweit solltest du es gar nicht erst kommen lassen. Es ist daher besser, bei den ersten Anzeichen einen Gang runterzuschalten. Mein Tipp: Ein persönliches Frühwarnsystem.

Es ist übrigens kein Geheimnis und sogar wissenschaftlich belegt: Durch regelmäßigen Schlaf, genügend freie Tage und kleine Auszeiten, kannst du deine Leistung sogar steigern. Du machst also mit einem freien Tag keinen Schritt zurück, sondern einen Sprung nach vorne!

Ich habe ziemlich lange gebraucht, um das einzusehen und wahrhaben zu wollen und musste zwei Mal mit einer starken Mittelohrentzündung im Bett liegen und kurz vor dem emotionalen Kollaps stehen. Und was hat es mir gebracht, vorher zu viel zu arbeiten? Ich musste Jobs absagen und habe letztendlich nichts gewonnen, sondern sogar von meiner Gesundheit ein Stück verloren.

Zu dem so effizient klingenden Begriff ‘Zeitmanagement’ gehört auch das Einplanen von ‘Freistunden’.

Der Trick dabei ist, sich die Zeit richtig einzuteilen und zwar die Arbeitszeit als auch die Freizeit. Wenn du das Gefühl bekommst, dir wächst alles über den Kopf, dann halte kurz inne und überlege dir:

  • Was kann auf meiner unendlich langen To-do-Liste weg?
  • Was ist wirklich wichtig?
  • Welche Aufgaben haben noch Zeit?
  • Wo muss ich nicht unbedingt erscheinen?
  • Was kann jemand anderes übernehmen?
  • Was von all den Dingen ist meine Freizeit?

Weißt du was? Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Dinge weg können. Du musst nicht unbedingt heute Abend einen Text fertigschreiben, das kannst du auch morgen früh. Nein, du musst nicht zu einem Vortrag gehen, lasse ihn ausfallen. Nein, du musst keinen Kuchen für den Kindergarten backen, kaufe einen.

Das Ziel für dich ist, einen Zustand herzustellen, der nichts mit Selbstausbeutung und dem fragwürdigen “selbst und ständig” zu tun hat.

Wenn du es schaffst, dich von Zwängen freizumachen, deine To-do-Liste in dringende und nicht notwendige Aufgaben einzuteilen und du dir kleine Auszeiten einräumst, dann wirst du dafür belohnt! Mit was? Na, mit dem schönen Gefühl von Zufriedenheit und Glück! Sage der Selbstausbeutung den Kampf an, indem du Pausen einplanst und sie bewusst machst. Du wirst merken, wie sehr du sie brauchst – auch wenn du vorher dachtest, dass es nicht so sei. Als kleine Inspiration:

  • Gehe eine Runde spazieren, wenn die Sonne scheint.
  • Backe einen Kuchen, über den sich deine Familie freut.
  • Beginne eine Stunde später in deinem Office zu arbeiten.
  • Lies ein Kapitel eines Buches, das dir gefällt.
  • Genieße nachmittags eine Tasse Tee.
  • Mach es dir gemütlich und dekoriere deine Wohnung um.
  • Telefoniere mit deiner Mutter/Tochter/Freundin etc.
  • Lege dich in die Badewanne, um abends abzuschalten.
  • Fahre spontan bei einer Freundin vorbei.
  • Gehe mit deiner Tochter/Freundin/Schwester/Mutter etc. zum Sport.
  • Pflanze Blumen, um die du dich jeden Tag ein paar Minuten kümmerst.

Und jetzt bist du dran!
Verlasse den Trampelpfad der Selbstausbeutung und mache eine Pause!

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Frau Chefin
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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3 Gedanken zu “Vom Trampelpfad der Selbstausbeutung

  1. David schreibt:

    Hallo, dein Artikel gefällt mir sehr gut! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, wenn man sich selbst keine Pause gönnt, dann holt sich der Körper diese ganz von alleine.
    Und diese Zwangspause ist dann eine Kombination aus mental und körperlich, was wirklich keinen Spaß macht. Der unterbewusste Leistungsdruck den man sich selbst macht, kann zwar einerseits ungeahnte Kräfte frei legen, andererseits auch zu einer extremen Belastung werden. Ich gönne mir regelmäßig kleine Auszeiten und nach diesen arbeitet es sich mit einer ganz anderen Energie weiter, wie davor. Liebe Grüße David

  2. Kea schreibt:

    Ein wunderbarer Artikel, zum genau richtigen Zeitpunkt am ersten Arbeitstag nach 7 freien Tagen. Früher hätte ich mir nach einer WocheUrlaub nicht einmal die Zeit genommen, zu duschen, hätte vorm Computer gefrühstückt, hätte parallel alle aufgelaufenen Mails bearbeitet, obendrauf Unterlagen für die Steuer vorbereitet und neue Korrekturwünsche meiner Kunden umgesetzt. Dann wäre ich bereits am ersten Abend nach den freien Tagen völlig erschöpft gewesen. Aber ich habe mir gestern einen Plan gemacht: Vormittags Steuerkram, nachmittags Mails beantworten – in die kreative Phase erst wieder am Dienstag einsteigen. So klappte der Übergang viel besser! Früher hätte ich übrigens auch “keine Zeit gehabt”, den Plan überhaupt zu machen, weil ich immer am Rechner und im Internet hing. Aber weil ich den digitalen Detox im Urlaub so genossen habe, weite ich ihn einfach aus. In diesem Sinne bin ich jetzt wieder offline :) Liebe Grüße! Kea

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