Schatz, du arbeitest zu viel

Schatz, du arbeitest zu viel!

Warum ein persönliches Frühwarnsystem unglaublich wichtig ist

Manchmal verliere ich einfach den Faden. Rotiere nur noch im Kreis. Renne wie ein Hamster im Rad. Weiß nicht, wo anfangen. Das Ende ist in unerreichbarer Ferne. Und dann kommt auch noch der Satz: “Schatz, du arbeitest zu viel!”

Es ist schon wieder nach ein Uhr in der Nacht. Er liegt bereits im Bett und schläft. Der Wecker klingelt um sieben, der nächste Tag ist durchgetacktet. Die To-do-Liste unschaffbar lange, es ist kaum Zeit, um Dinge zu besprechen, oder mal für uns zu sein. Zeit für mich? Fehlanzeige. Ich kuschele mich an ihn. Er wird wach und blinzelt mich mit seinen braunen Augen an. “Schatz, du arbeitest zu viel!”.

Ich weiß es. Er weiß es. Und das ist das Schlimme daran.

Es tut mir dann immer so leid. Ich arbeite bereits 12 Tage am Stück und weitere Tage folgen. Ich bin viel zu selten Zuhause und wenn, dann immer auf dem Sprung. Ich nehme nahezu jeden Job an, man weiß ja schließlich nie, wann die nächste Durststrecke kommt.

Ich sage mir, das ist normal am Anfang der Selbstständigkeit. Ich rede mir das ein, damit ich es selbst glaube. Er erträgt das mit Fassung, weil er die Probleme der Selbstständigkeit kennt. Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich eigentlich weiß, dass das alles nicht gut ist und schlurfe schuldbewusst durch die Wohnung.

Irgendwann macht es dich einfach fertig. Glaub mir. Das geht eine gewisse Zeit gut, aber irgendwann kommt der große Knall.

Kurz: Ich bin eigentlich urlaubsreif – oder bald reif für die Klapse. Das Blöde ist nur, dass ich das selbst erst dann merke, wie fix und fertig ich bin, wenn ich einen Tag frei habe und an diesem dann nur noch vor mich hin vegetiere und gar nichts mehr auf die Reihe bekomme. Das Elend der Welt scheint an diesen Tagen auf mich einzuprasseln, die einsame Couch im Wohnzimmer die rettende Insel. Ich könnte augenblicklich in einen Winterschlaf fallen und gefühlte drei Tage durchschlafen.

Ist es das Wert? Muss das sein? Ist das Selbstständigkeit?

Ich bin zu dem Entschluss gekommen: Nein. Natürlich kann es Durststrecken geben. Natürlich weiß man nie, wie alles kommt. Aber: Muss ich deshalb das Risiko eingehen, durch zu viel Arbeit krank zu werden, die Familie konsequent zu vernachlässigen, meinen Partner irgendwann zu verlieren? Nein! In meinen Augen ist es das nicht Wert.

Mir war klar, ich muss etwas ändern. Das kann so nicht weitergehen. Irgendwann gehe ich daran kaputt. Daher habe ich für mich ein paar Regeln aufgestellt, die mir mein Leben als Selbstständige leichter machen sollen. Außerdem habe ich mein persönliches Frühwarnsystem “installiert”.

Mit meinem persönlichen Frühwarnsystem beuge ich dem Satz “Schatz, du arbeitest zu viel” vor:
  • Mein persönliches Frühwarnsystem ist mein Freund. Er darf mich vorzeitig warnen, wenn er denkt, ich übertreibe mal wieder.
  • Außerdem soll er mich jederzeit auch an meine selbst auferlegten Regeln erinnern, wie zum Beispiel nicht mehrere Jobs an einem Tag anzunehmen und kaum zu schlafen.
  • Darüber hinaus hat er auch die Aufgabe, darauf aufzupassen, dass ich mich bei bestimmten Dingen nicht zu sehr aufrege und mich dann auszubremsen.

Im Gegenzug schlurfe ich nicht schuldbewusst durch die Wohnung und nehme auch nicht jeden Job an. Die Zeit, die wir gemeinsam haben, nutzen wir bewusst. Ich habe mittlerweile auch nicht mehr das Gefühl, ihn zu vernachlässigen. Jeder hat seinen Aufgabenbereich und kümmert sich darum. Wir haben uns noch nie gestritten, keiner ist enttäuscht. Er ist stolz, wenn ich einen guten Job gemacht habe und ich freue mich mit ihm, wenn er glücklich und zufrieden nach Hause kommt.

Was sagt dein Bauchgefühl? Wie ist es bei dir?

Wenn auch du das Gefühl hast, zu viel zu arbeiten, oder dein Freund/Mann/Lebensgefährte dich mit dem Satz “Schatz, du arbeitest zu viel!” Zuhause empfängt, dann überlege dir gut, ob du alle Aufträge wirklich annehmen musst.

Glaube mir, die Welt wird nicht untergehen, wenn du einen Job nicht annimmst. Du wirst auch nicht vor dem Aus stehen, wenn du einen Tag nur für dich hast und nicht arbeitest. Deine Kunden werden nicht durchdrehen, wenn du mit Ankündigung mal zwei Tage wegfährst.

Hast du auch ein persönliches Frühwarnsystem? Was macht du, damit die Selbstständigkeit nicht zur Belastung wird? Lass es mich wissen! Bestimmt gibt es noch viel bessere Möglichkeiten, als meine…

Frau Chefin
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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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3 Gedanken zu “Schatz, du arbeitest zu viel!

  1. Eve schreibt:

    Hihi, jetzt fühle ich mich aber ertappt. Den Satz höre ich in letzter Zeit jeden Tag. Und weil ich, wie du schon geschrieben hast, es selbst nicht richtig wahrnehmen kann, hab ich mir das mal ausgerechnet. Und mit meinem Bürojob (20 Stunden) + Blogarbeit komme ich in den letzten Wochen auf an die 80 Stunden in der Woche. Ich war zugegeben selbst ziemlich schockiert als ich das so überschlug.
    Deswegen mache ich morgen einen Tag Urlaub und fahre an den Strand. Ich werde gegen Ende des Sommers sonst sehr frustriert sein, wenn ich ihn nicht genießen konnte.
    Ich glaube, das wird sich auch wieder entspannen, momentan gibt es nur so viele spannende Projekte, die man nicht links liegen lassen kann.

    Wünsche dir einen guten Start in die Woche.
    Liebst
    Eve von http://www.eveblogazine.com

  2. Dark Lord schreibt:

    Nicht nur in der Selbstständigkeit ist das, auch in “normalen” Führungspositionen, in einer Zeit, in der in vielen Firmen der Gürtel enger geschnallt werden muss.

    Das Frühwarnsystem kommt dann meistens schon zu spät. Hilfe von außen ist gut, aber besser ist es noch, das Dilemma selbst zu erkennen. Spätestens dann, wenn die eigene Wohnung der sprichwörtlichen Räuberhöhle gleicht, doch dann ist es fast schon zu spät. Man sollte sich ein Maximum setzen. 10 Stunden und nicht mehr. Das Maximum wurde mir von meiner Firma vorgegeben – und zumindest nun funktioniert es, zumindest in der Firma. Die heimische Nebentätigkeit, ups …

    • Frau Chefin schreibt:

      Hallo und danke für deinen Kommentar,

      ich sehe das Problem vor allem darin, dass man oftmals selbst die Menge an Arbeitsstunden nicht wahrnimmt. Zumindest, wenn man seinen Job gerne macht und Arbeiten nicht als Belastung sieht. Und: Die Arbeitszeit nicht geregelt ist. Mal hier drei Stunden, mal da fünf und dann auch mal zehn, machen es schwieriger. Mal beginnt der Arbeitstag um acht, dann um 14 Uhr.

      Sich ein Maximum an Arbeitsstunden in der Selbstständigkeit zu setzen, kann funktionieren, geht aber leider oftmals nicht. In vielen Fällen funktioniert das nur, wenn man zum Arbeiten nicht aus dem Haus muss (wenn ich z.B. Homeoffice mache kann ich mir das vornehmen). Schwierig wird es, wenn man außer Haus arbeitet. Ich kann schließlich nicht sagen “Sorry, ich habe meine zehn Stunden voll, die Veranstaltung betreut dann niemand” 😉

      Was ich damit sagen will: Einer nahestehenden Person fällt das Pensum eher auf. Sie merkt oftmals viel früher, wenn man selten Zuhause ist, keine Zeit hat und die Wohnung zu einer Räuberhöhle verkommt 😉

      In meinem Fall funktioniert das persönliche Frühwarnsystem sehr gut. Das alarmiert mich nämlich schon, bevor ich es überhaupt merke, dass ich mal wieder viel zu viel arbeite 😉

      Viele Grüße
      Isabelle

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