Duo 3fach

Duo 3fach: „Die Vielfältigkeit macht uns einzigartig“

Es ist kein Job wie jeder andere. Perfektion, Disziplin, Durchhaltevermögen und der unbändige Wille, die Zuschauer zu begeistern – das und mehr sind die täglichen Aufgaben von Antonia Modersohn und Sarah Lindermayer. Als Duo 3fach erobern sie seit 2011 mit Seiltanz, Partner-Tuch und chinesischem Mast die Lufträume in der internationalen Akrobatikszene. Im Interview mit Frau Chefin erzählen sie, was sie in ihrem Beruf so besonders macht, warum sie keine festen Rituale haben und warum man unbedingt an sich glauben muss.

Als Artistinnen führt ihr ein Leben, das fernab von jedem Büroalltag ist. Gibt es dennoch so etwas wie einen „normalen“ Arbeitstag bei euch?

A: Es kommt darauf an, ob wir einen normalen Arbeitstag in einem Vertragsverhältnis haben, oder Zuhause in Berlin sind und „nur“ für uns trainieren. Wenn wir unter Vertrag sind, dann stehen wir morgens auf, kümmern uns um unseren Bürokram, den es auch als Artistinnen gibt, dann trainieren wir. Wenn es zwei Shows am Tag gibt, sind wir meistens von 13 bis 23 Uhr im Theater. Die Pausen zwischen den Shows nutzen wir zum Essen, Schminken, Warmmachen, zum Proben, Umziehen und um uns nochmal Warmzumachen. Man hat nicht viel vom Tag.

Wie kam es dazu, dass ihr euch selbstständig gemacht habt?

S: Wir haben uns mit 21 Jahren, als wir unsere Ausbildung abgeschlossen hatten, direkt selbstständig gemacht. Wir wussten schon während der Ausbildung, dass wir uns selbstständig machen müssen. Als Artisten gibt es keine andere Möglichkeit. Es gibt zwar Verträge, die über ein Jahr gehen und in denen dann die Selbstständigkeit gerne in Frage gestellt wird, da wir nur einen Auftraggeber in dieser Zeit haben. Die meisten Verträge sind kürzer. Wenn der Vertrag ausgelaufen ist, muss man sich was Neues suchen. Schauspieler haben zum Beispiel die Möglichkeit, angestellt zu werden, zum Beispiel am Theater. So etwas gibt es bei uns nicht.

Duo 3fach - Seiltanz

Wenn ihr von einem Engagement zum nächsten springt, dann kommt ihr ganz schön rum.

S: Das ist auch der Reiz an unserem Beruf.

A: Man hat auch Spaß daran, Städte besser kennen zu lernen. Da wir oft mehrere Monate in einer Stadt verbringen, haben wir trotz Arbeiten Zeit, die Besonderheiten der jeweiligen Stadt zu entdecken. Und wir kommen in Städte, die man sonst nicht so besuchen würde.

S: Wir haben vor allem die Chance, die Stadt alltäglich kennen zu lernen und nicht nur als Tourist die Sehenswürdigkeiten abzuklappern.

Gibt es eine Stadt, in die ihr nicht unbedingt nochmal hin wollt?

A: Ich glaube, es gibt nicht die eine Stadt, in die man nicht wieder hin möchte. Ich glaube, die Stadt selbst macht es nicht aus. Es geht eigentlich um die Leute, die um dich sind, mit denen du täglich zu tun hast.

S: Wenn man tolle Leute um sich hat, dann ist es in einer schönen Stadt noch schöner. Und mit einer furchtbaren Stadt trotzdem toll. Und wenn du nur komische Leute um dich hast, dann bringt dir eine coole Stadt auch nicht viel.

A: Es ist dann eher der Job, den man nicht nochmal machen will, als nicht mehr in eine Stadt zu wollen.

Duo 3fach - Tuch

Als Freiberufler heißt es oft, man soll feste Rituale haben. Wie startet ihr in den Tag?

(beide lachen)

S: Dadurch, dass ich Freiberuflerin bin und nicht früh – also früh, früh – irgendwo hin muss, nehme ich mir morgens schon mehr Zeit für’s Frühstück und zum Zeitunglesen.

A: Ich bin eine zeitlang morgens aufgestanden und war erstmal 45 Minuten joggen. Das habe ich auch sieben Monate gemacht, weil ich es damals einfach gebraucht habe. Aber das ist so eine Launensache.

S: Wir haben morgens einfach mehr Zeit zum Wachwerden, die wir uns gerne nehmen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir den Vormittag nicht vertrödeln.

A: Was selten vorkommt. Im Vertrag ist es anders. Da müssen wir ganz genau den Grat wissen, wie früh wir aufstehen können, damit wir den Tag genießen können, aber nicht abends dann total müde sind, wenn wir arbeiten und fit sein müssen.

Gibt es bei euch dann so etwas wie einen Alltag?

S: So richtig „Alltag“ ist bei uns schwierig zu definieren. Bei jedem Vertrag sind die Shows und die Show-Zeiten unterschiedlich. Die Wege zum Theater sind anders, man muss sich zurechtfinden, seine Läden finden, die man braucht. Dadurch entsteht in jedem Vertrag jedes Mal ein neuer Rhythmus. Jedes Mal, wenn wir nach Berlin zurück kommen, bauen wir uns einen neuen Alltag auf, der natürlich irgendwo auf dem alten basiert, aber da wir meistens sehr lange nicht mehr dort waren, müssen wir wieder in den neuen alten Alltag reinfinden. Und der verändert sich jedes Mal.

Es gibt zahlreiche Artistik-Formationen. Was macht euch als Duo 3Fach so besonders?

S: Was bei uns am Anfang ausschlaggebend dafür war, dass wir nach der Ausbildung recht schnell Arbeit bekommen haben, ist, dass wir ein sehr vielfältiges Angebot haben. Wir haben drei Acts, die wir als Paket anbieten können, die mit drei Requisiten arbeiten, die total unterschiedlich sind. Was sehr ungewöhnlich ist. Der chinesische Mast, der Seiltanz und das Partner-Tuch haben eigentlich nichts miteinander zu tun.

 

„Die Vielfältigkeit macht uns einzigartig.“

 

A: Außerdem ist der chinesische Mast ein Requisit, das eigentlich fast nur Männer machen. In Deutschland sind wir die einzigen Frauen, die das machen.

Duo 3fach - Chinesischer Mast
Ihr habt euch nicht nur für ein „Männer-Requisit“ entschieden, sondern du, Antonia, übernimmst auch beim Partner-Tuch den Part, den eigentlich ein Mann macht. Welche Herausforderungen gab es speziell für dich?

A: Ich musste für mich eine komplett neue Technik entwickeln, da ich als Frau ganz andere körperliche Voraussetzungen habe. Ich bin relativ groß, bin nicht so stark und werde die Tricks, die die Jungs machen, niemals können. Ich habe gemerkt, wenn man als Frau etwas macht, was nur Männer machen, muss man immer seinen eigenen Weg finden. Und immer herausfinden, wie kann ich das machen, dass es eigentlich sogar noch besser ist, als wenn das ein Mann macht. Auch wenn man dafür tausend Umwege gehen muss.

 

„Was Männer mit Kraft lösen, machen Frauen mit Köpfchen“

 

 Wenn ihr auf eure mittlerweile fünfjährige Selbstständigkeit zurückschaut: Was würdet ihr rückblickend anders machen?

A: Ich würde auf jeden Fall öfter meine E-Mails checken! (beide lachen) Inzwischen checke ich fast täglich meine Mails, das ist echt eine Leistung.

S: Wir haben sehr lange mit der selben Company gearbeitet. Was zwar gut war, aber es war zu lange. Als Künstler braucht man Abwechslung, um Inspirationen und neue Ideen zu bekommen. Das hätten wir im Nachhinein gesehen anders machen sollen.

 

„Wichtig ist, dass der Auftraggeber genug Vertrauen in dich hat. Dann hast auch du genug Vertrauen in dich.“

 

Was möchtet ihr anderen Gründerinnen und selbstständigen Frauen gerne mit auf den Weg geben?

A: Ganz fest daran zu glauben, an das, was man macht, oder machen möchte. Immer mit voller Überzeugung sagen: „Hey, das ist richtig gut, was ich mache!“

S: Man sollte auch, wenn man mal negatives Feedback bekommt, sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Ich glaube, nur dann kann man dort hin kommen, wohin man selbst kommen möchte.

A: Wenn du selbst der Überzeugung bist, dass das, was du machst gut ist, dann wirst du auch die Personen finden, die das auch gut finden.


Neugierig geworden? Weitere Informationen zum Duo 3fach findest du hier:

Webseite: http://www.draifach.de
Facebook: https://www.facebook.com/DuoDraifach
Vimeo: Trailer

Fotos und Bilder: Duo 3fach

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Frau Chefin

Ich bin Rosenkohlaussortiererin, Teilzeit-Dickkopf und Vollzeit-Freiberuflerin. Sport-Fan, Handy-Vernachlässigerin und Möchtegern-Hausinhaberin. Von süßen Katzenbabys und Wurst halte ich nicht viel, dafür umso mehr von digitalen Medien und Tonpulten.
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